Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 2 (14.1.1843)
- Date
- 1843-01-14
- Page
- Seite 23 (sequence 7)
- Language
- German
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23 werden dürfe, läßt sich annoch nicht bestimmen, da solches eben die Aufgabe der in Petersburg zu konferirenden Rabbmen bildet. So viel, aber kann schon mit Bestimmtheit behauptet werden, daß diese Re; form sich von der anderwärts bis nun versuchten in sofern unterscheiden, als hier solche im Geiste des talmudischen Judenthums auf legalem Wege rabbinischer Diskussion von Innen nach Außen hervorgehend, als eine von den besonders stimmberechtigten Vertretern der Orthodoxie sanktionirte in's Leben treten wird. — Bei der hier gewohnten raschen und energischen Handhabung der einmal legalisirten Institutionen kann man daher kühnlich prognostiziren, daß mit Realisirung der in Rede stehenden Reform auch eine neue Aera für die gesammte russ. Judenschaft eintreten und dem Staate neue'Kräfte/zur Beförderung seiner geistigen und materiellen Prosperität erwachsen werden. — Ja werin der. erhabene Monarch den glänzendsten Beweis geliefert, daß Er die Wohlfahrt aller seiner Unterthanen ohne Unterschied der Religion auf's Innigste beherzigt, so werden die Juden auch ihrerseits nicht ermangeln sich dieser humanen Intentionen und großsinnigen Wohlwollens würdig, zu machen. J. M.r. . Warschau, 27. Dezember. (Privatmitth.) *) Seit langer Zeit mochte wol kein trauriges Ereigniß die lebhaftere Theilnahme des gesammten gebildeteren Publikum's hier so sehr in Anspruch nehmen, wie das am 2. d. M. erfolgte. Dahinscheiden des vr. Ludwig Berg, Arztes im Jüdischen Hospitale.— Hat je die Natur in einem einzigen Menschen viele und bedeutende Talente vereinigt, hat je sich tiefes Wissen mit edelster Denkungsart und gemeinnützigem Streben eng verbunden, hat je eine Erscheinung versprochen, auf dem Horizonte der Kunst eine einflußreiche, aus den der Bildung eine wirksame und thätige zu sein, so war es unstreitig die des zu früh entschlafenen Dr. Berg. — . Um so gerechter ist nun der Schmerz aller derer, die ihm,näher gestanden durch Bande des Blutes ■■*) Da lvir selbst öfter Gelegenheit gehabt, das ausgezeichnete Wesen des Dr. Berg kennen zu lernen, da er unserem Bestrebungen eine fortgesetzte Theilnahme wahrte, so geben wir diesem Nekrologe gern einem Platz in diesen Blattern. Redakt. oder der Freundschaft, aller derer die Gelegenheit hatten, seinen höchst edlen Sinn, sein wohlwollendes Streben kennen zu lernen. — Dr. Ludw. Berg wurde 1809 zu Fordon in Preußen geboren, empfing seine erste Bildung im Breslauer Gymnasium, studirte Anfangs die Arzneiwiffenschast an der dortigen Universität, und begab sich dann nach Berlin, wo er unter Leitung der Koryphäen der Medizin, Jüngken und Dieffenbach, mit rastlosem Eifer seine Studien fortsetzte und bie Doktorwürde erhielt. — Schwerin, wo er einige Jahre als Arzt praktizirte, war der erste Ort, wo er öffentlich auftrat,- und in der kurzen Zeit, die er dort verlebt, erwarb er sich die aufrichtigste Liebe der gesammten Einwohner. — Gleich vom Anfänge seiner Laufbahn zeichnete er sich durch Gründlichkeit seiner Kenntnisse, durch Selbstdenken und scharfsinnige Anwendung der Wissenschaft auf die Praxis aus. Zu eng war für ihn jedoch der Wirkungskreis in Schwerin. Ungern trennte sich von ihm die Gemeinde, die in ihm nicht nur den tüchtigen Arzt, sondern auch den seltenen Menschen kannte.— - In Warschau angekommen, übernahm er gerne die Stelle des Arztes beim Jüdischen Hospitale in der Abtheilung der äußerlichen Krankheiten. — Jetzt befand sich Berg auf einem'Platze, der ihm mannichfaltige Anregung zu wissenschaftlichen Arbers len gab, und kein Jahr verging, wo er nicht irgend' eine Frucht seines Strebens und Fleißes in der Verbesserung des Operationssystems zu Tage gefördert hatte. — Er war der erste der hier mit den Operationen der Klumpfüße austrat, und manchem Leidenden, der an seiner Herstellung schon verzweifelte, wurde durch seine fertige Hand und geschickte Behandlung, die Gesundheit und Benutzung manches.Gliedes wieder geschenkt. Die leidende Menschheit erlitt durch sein Dahinscheiden einen bedeutenden, schmerzlichen und tiefgefühlten Verlust, noch schmerzlicher ist der Verlust des Menschen, der im Gedränge des Lebens und Wirkens reiche Ideen zur Verbesserung des moralischen Zustandes seiner Glaubensgenossen in sich trug und manche sogar in's Werk gesetzt.— - Was aber diesem merkwürdigen Geiste die Krone