Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-01-14 · Heft 2 (14.1.1843) · p. Seite 22

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 2 (14.1.1843)
Date
1843-01-14
Page
Seite 22 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3225281-3225284--04922-3235544
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

22 mit dem spanischen Szepter sank auchdiese Ausschließung in Nichts. Wieder iff nun vor Kurzem ejn Staat Amerika's allen Glaubensparteien ohne .Ausnahme geöffnet, und gesetzlich der Zutritt gestattet worden. Im Laufender Zeit wird diese Freiheit auch von unseren Glaubensgenossen benutzt werden, und schon in diesem Augenblicke sind mehre bereit, -ahin, wenn auch nur zu jeweiligem Aufenthalte, 7 zu gehen. Wir meinen Mexiko, das reiche, wenn auch sehr verwilderte Mexiko. Der Präsident Sant.ana hat das alte spanische Gesetz, das nur Katholiken das mexikanische Bürgerrecht bewilligte, so daß keine Mexikanerin einen Andersglaubenden heirathen durfte, bevor dieser nicht öffentlich seinen Glauben abgeschworen, aufgehoben; fortan ist Niemandem seines Glaubens wegen die Niederlassung in Mexiko versagt, und die Mexikanerinnen können ehelichen — wen sie wollen und —wer sie will. .u Rußland und Polen. Kischineff, im Dezember. (Privatmitth.) Der glänzende, alle Erwartungen übertreffende Erfolg des i)r. Lilienthal in den von ihm besuchten Gouvernements ist — beispiellos. In dem kurzen Zeitraum von.vier Monaten hat er'die Gemüther von zahllosen, jeglicher Bildung und europäischer Gesittung stets abholden Gemeinden zum eifrigsten Beitritt zu den humanen Absichten der Regierung vermocht. Voll Erstaunen sehen wir eine bigotte Menge die bevorstehende Reform des Unterrichts- und Kultuswesens — diese Grundpfeiler des Iudenthums — mit imgeheucheltem Enthusiasmus begrüßen, während sonst dieselbe Menge, bei jeder von Außen her angeregten Neuerung Zeter schrie und Alles anwandte, um dieselbe zu unterdrücken. Aus allen Gemeinden werden enthusiastische Dankadressen an Se. Majestät für Dero huldreichste Gesinnung, -und an die Minister Uwaroff und Kisseleff für deren humane Fürsprache gerichtet, worm die freudigste Beistimmung zum Plane, der Regierung, ausgesprochen wird. Komiteen werden in jedem Gouvernement aus den angesehensten Gemeindegliedern gebildet, die zur Wahl der nach Petersburg konvozirten Rabbinen schreiten, und über die Zahl der vorhandenen Kultus - und Unterrichts-Institute die nöthigen Data sammeln. — Der Hoffnung aber, daß diese allgemein sich kundgebende Begeisterung sich nicht versiüchtigen, sondern zum befruchtenden Agens einer segensreichen Zukunft werden wird, können, wir um so eher Raum geben, als Vorfälle ganz eigener Art der Mission des Herrn L. worg.earbeitet haben.. Jene wirksamen.Schläge, die hier den Chasidaismus. in rascher Aufeinanderfolge letzthin betroffen, als mehre seiner in mystischem Dunkel verübten Unthaten an's Tageslicht kamen und wohlweislich ganz nach der Strenge des Gesetzes geahndet wurden, haben auch dessen Anhängern ihre gewohnte rücksichtslose Keckheit benommen, womit sie ihrem Zelotismus überall Geltung verschafften, und jeden Widerstand nieherschlugen. Daß der von ihnen vergötterte Rebbi I. aus feiner Noch sich nicht zu retten wußte, und schmählicher Weise landesflüchtig wurde, mußte den Nimbus der rebbischen*) Insallibilität norhwendig zerstreuen, und die gläubigsten Gemüther in bange Zweifel versetzen. Nun trat Herr Dr. Lilienthal auf, und mit seiner hinreißenden, einer ächten Pietät entströmenden Beredtsamkeit nahm er alle Herzen gefangen und stimmte sie allesammt für seinen edlen Zweck. Ja, eben das Außerordentliche seiner äußern — von der hier üblichen rabbinischen Tracht, Sitte und Manier ganz divergirenden — Erscheinung, bei einer dennoch tief religiösen, die schroffesten Extreme versöhnenden Persönlichkeit, mußte um so entschiedener auf die Gemüther wirken, als selbe eben für das Ungewöhnliche und Wunderbare besonders empfänglich sind.— In der That, es scheint besonders Deutschland Vorbehalten, die Welt mit jenen eminenten Geistern zu beschenken, die im Gebiete der Religion einen mehr oder minder reformirenden, aber immer heilsamen und bleibenden Umschwung bewirken. Auch der russischen Judenschaft hat es in dem Herrn L. einen Mann gegeben, der eine Reform in's Leben ruft, die um so wirksamer und nachhaltiger als solche in rein konservativem Sinne durchgeführt werden wird. Was übrigens in den' zu gründenden Schulen gelehrt, wie viel dem theologischen Unterrichte eingeräumt, und auf welche Weise der Kultus.'geregelt *) Wir machen darauf aufmerksam, daß unter Rebbi der chasioaische, unter Rabbiner der talmudlstische Lehrer verstanden wird. '

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.