Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 2 (14.1.1843)
- Date
- 1843-01-14
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
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20 pfindung; Maunichfaltigkeit des Ausdrucks, poetische Wendungen, liebliche Bilder und Gleichnisse schmücken bis- Ln'S Detail sein Gedicht. Rechnet man hierzu, daß er sich der korrektesten Sprache bedient, die, trotzdem sie sich aus dem engen Kreise der biblischen 'Klassizität nicht entfernt, gewandt, flüssig und treffend ist; findet man ferner in.den, jedem Gesänge Vorgesetzten Hymnen die kindlichste Frömmigkeit, die feurigste Hingebung und eine naive Freude des Dichters über sein eigenes Werk: so wird man das Urcheil der Vergangenheit über diese nSssn welches sie den klassischen Meisterwerken aller Literaturen anreihete, noch jetzt unterschreiben. — Diesem neu-hebräischen Gedichte gegenüber treten nun zwei in deutschem Sprachgewande, welche, ebenfalls episch, unsers Gotteshelden Leben besingen. Das geben wir von vorn herein zu, daß dem deutschen Dichter, sobald er Dichter ist, viel weniger äußere Schwierigkeiten in den Weg treten, als dem hebräischen, und daß unsere Forderungen in intensiver Befruchtung deshalb großer an jenen, sind; daß hingegen bei größerer Freiheit der Bewegung auch die Leichtigkeit wächst, auf falschem Wege abzuirreu. Wir begegnen nun hier zuerst einen trefflichen, viel erprobten Mann, dessen Arbeiten immer vom kundigen Publikum mit Erwartung in die Hand genommen werden, wir meinen: Dr. S. L. Steinhrim's Sinai. Altona, 1823. Wahrend die lyrischen Gesänge desselben Autor's eine zweite Auflage erlebten, ist das eben genannte größere, Dichtwerk (495 S. gr. 8.) ziemlich unbekannt geblieben, und wir gehen um so lieber in eine nähere Analyse dieses Werkes ein. Zuerst der äußere Gang der Dichtung. Sie zerfällt in fünf Bücher, jedes Buch in fünf Gesänge , jeder Gesang enthält zwischen 450 bis 550 Verse. Eigenthümlich ist dieser Vers, den Steinheim zu seiner Dichtung anwendet. Es ist kein Hexameter, sondern nur ein, diesem nachgebildetes fünffüßiges Metrum, jedoch auch kein Pentameter, sondern mit all' den Freiheiten, die der Hexameter im Deutschen erleidet, wo bald Daktyl, bald Spondeus, bald Trochäus den Fuß ausmacht, und die Cäsur, bald männlich, bald weiblich, die Stelle wechselt. Ist dies dem an Hexameter gewöhnten Leser anfänglich auffällig, so ist doch die Kürze des Verses dem Neuern angenehm, und stellt sich bald als sehr angemessen heraus. Gerade weil das Gedicht vielmehr hymnologifchen, als. epischen Inhalts ist, giebt das bezeichuete Versmäaß mehr Flüssigkeit, und bewegt sich nicht so steif vorwärts, wie der Hexameter. Eingeflreut find auch hie und da Lieder und Gesänge in kurzem VerSmaaße, alle ohne Reim. — Auf dem Grunde dieser eigenthümlichen Form erhebt sich nun eine ganz andre Sphäre der Dichtung, der Wessely'schen Muse ganz entgegengesetzt: denn Steinheim bringt Elemente herein, welche in der Schrift auch nicht im Entferntesten liegen. Doch zergliedern wir uns erst den Inhalt. — Des ersten Buches erster Gesang eröffnet uns eine Szene im Himmel, wo Gott den Engeln, infonders Raphael, Eloha und Etihlh, verkündet, daß er den Menschen durch die Offenbarung erlösen will. Satan aber schwört, dies hintertreiben zu wollen, geht zu Adramelech, der auf einem Kometen wohnt, und sendet ihn hinab zu dem am Fuße des Horeb schlummernden Moses. (Zweiter Gesang:) Vergebens weckt diesem Adramelech im Traume Bilder der Tyrannei und daß der Mensch zur Knechtschaft geboren, .mit der aufgehenden Sonne wecken ihm Raphael und Elihu Gedanken des Lichts, Moses besteigt den Berg, und die Erscheinung im Dornstrauch geht vor sich. (Dritter Gesang:) MoseS, (der übrigens noch nicht verheirathet ist, obschon ihn Zipporah liebt,) nimmt Abschied von Jethro. Ueber den Trümmern von Sodom versammelt Adramelech den Moloch, Dagon und Bel, und sendet Moloch zum agypt. Priester Zerachu, dem er die Ankunft Mosis verkündet und einen Zanberstab giebt. (Vierter Gesang:) Dagon und Bel verschworen sich gegen Adramelech, der nach Satan's Macht strebt. Ahron, von einem Traume benachrichtigt, eilt M. entgegen, sie begegnen sich. (Fünfter Gesang:) Versammlung der Aeltesten; Corah, Dathan und Abiram verschwören sich gegen Moses. Des zweiten' Buches erster Gesang entwickelt die Pläne Adramelech's gegen Satan weiter, Moses verkündet den Einigen zum ersten Male vor Pharao. Im zweiten und dritten Gesang: Pharao läßt M. rufen, Zeichen mit der Schlange, Vermehrung der Arbeiten, Corah und seine Rotte reizen das Volk gegen M.'nnd A. Hinter diesen spielen die bösen Engel ihre Rosse immer fort. Mächtige, furchtbar erhabene Szenen schildert der vierte Gesang, wo Adramelech Moses vergebens in Versuchung bringt, und dann mit Moloch zn einem Feste in Canaan zieht. Der fünfte Gesang beschreibt die Verwandlung i des Wassers in Blut; Josua und Caleb vertreiben Co-