Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 2 (14.1.1843)
- Date
- 1843-01-14
- Page
- Seite 18 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3225281-3225284--04918-3235540- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
18 feindselige Schriftsteller von „jüdischen Kameraderieen" träumtenwaren eben nur Träume ihreck Hasses. Den- Woch Mir? 'We^Schwächrc Nicht aM der Gleichgültigkeit der Juden für ihr Gesammtinteresse herleiten wE len: denn wohl sieht man von jeder Beleidigung, von jeder Benachtheiligung, die das Judenthum trifft, und sei es im entferntesten Welttheil, alles ergriffen, was ein jüdisches Herz in der Brust trägt, so wie sich erlangter Siege ein Jeder freut. Sondern es ist eben — noch die Kindheit des politischen Lebens, die Umschränktheit der Ansicht, die, Jahrhunderte gewohnt, in ihrem Ghetto die Welt zu finden, zum Allgemeinen sich noch nicht zu erheben versteht. So kann uns die Hoffnung nicht verlassen, auch dies in Zukunft zu besserer Blüthe gebracht zu sehen. — Doch kehren wir zur Sache zurück. Uebersehen wir, was das verflossene bürgerliche Jahr Bedeutsames mit sich brachte. Aus dem Oriente konnte höchstens unsre Aufmerksamkeit erwecken, daß in Damaskus die^ Israel. Gemeinde, nach dem Vorgänge der Brüder Harrari, ihre Sklaven frei gebe, und in Konstantinopel ein unangenehmer Vorfall einen lebhaften Streit zwischen unseren Glaubensgenossen und den Armeniern bewirkte, der in gegenseitige Thätlichkeiten ausartete. — Zur nähern Untersuchung der israelitischen Zustände in Algier und zum Vortrage, wie diesezu heben wären, an das französische Ministerium sind die Herren Altaras und Cohen abgesaudt worden. Ihr freiwilliger Entschluß wurde durch das Ministerium zu einer Staatsmiffiou erhoben. — Glänzende Zeugnisse der schönen Stellung, welche die Israeliten in Jamaika einnehmen, lieferte die Adresse derselben an den abscheideuden Gouverneur und dessen Antwort. In Montreal und St. Thomas wollen die Synagogen den Ritus der Westsynagoge zu London annehmen<—■ Die Streitigkeiten, welche die Gründung dieser Synagoge hervorgebracht, endeten in sich, selbst, ohne, daß. eine weitere Vereinbarung, zu Stande kam. Als Zeichen des Ansehns, welches unsere Glaubensgenossen beim englischen Volke genießen, kann-dienen, daß auch im verflossenen Jahre zwei Israeliten zum Oberscheriff und. Scheriff. erwählt wurden.;— Eine Reihe von Aemtern und Ehrenwürden, welche- Israeliten vom Königeder. Nied er.la n de ertheilt wurden, giebt einen glänzenden Beweis, wie. treu und-dienstbeflissen auch der israelitische Staatsbürger ist. Eben so anszeichnend für die Gesammtmasse. der Holländer israelitischen Glaubens waren die. Schreiben., welche die- Minister und höchsten Würdenträger an den Advokaten Lipman richteten, als ein schwedischer .Konsul ein ehrenrühriges Urtheil über die Juden in Holland gefällt hatten —^ . Die einzigen Kammerverhandlungen von Belang, die im verflossenen Jahre über die Israeliten geführt wurden, fanden in Norwegen statt. Hier, wo es den Juden nicht einmal gestattet ist, die Grenzen des Landes zu überschreiten, gilt es, diese völkerrechtswidrige Verbannung aufzüheben. Nicht unbedeutend waren die Vorkehrungen, die getroffen worden. Der Archivar Wergeland hatte durch Schriften, Blätter, Gedichte die öffentliche Meinung bearbeitet, das Höchstengericht, wie die theologische Fakultät gaben günstige Gutachten, die Gesetzkommission stimmte mit 6 gegen ein für die Zulassung, mehrere Kaufleute gaben eine Petition zu Gunsten der Juden ein, die Debatten waren nur für uns: das Resultat war günstig, xindem 51 Stimmen für, 43 gegen den Antrag waren, ungünstig, da 5 Stimmen zu einer Veränderung im Staatsgrundgesetz nothwendig sind. Vom Jahre 1845 habenwir in dieser Angelegenheit den Abschluß zu erwarten. — In Frankreich, wo der religiöse Geist auch bei den'Israeliten ein neues Leben zu gewinnen scheint, ergab sicH die angenehme Erscheinung, daß die Wähler, wie früher einen, in diesem Jahre drei ausgezeichnete Israeliten in die Deputirtenkammer schickten. — Einen eklatanten Beweis der Gleichstellung der Kulte gab auch der Munizipalrath von Srraßburg, der eine Position von 1000 Fr. für die Einzäunung des ifraelit. Friedhofs verwarf, und dafür .4000 Fr. votirte, damit diese ganz gleich den Friedhöfen der christlichen Konfessionen aufgeführt werde. — Hingegen gelingt es in der Schweiz noch immer nicht-/ die beschränkenden Gesetze zu entfernen., in Genf hat der Staatsrath die Petition der Israeliten, ihren Gottesdienst in der Stadt abhalten zu können, verworfen. .— Italien lieferte uns nureinen unerquicklichen Volksaufstand wider die Juden in Mantua, der durch, die Hand der Behörden schnell unterdrückt wurde. — Im großen Cz a aw e n - r-ei ch e schritten Ä Entwürfe, / die des Kaisers Majestät zur intellektuellen Erhebung der. Israeliten im vorigen Jahre befohlen, der Realisirung einen Schritt näher, indem die Bildungeiner Kommission aus Rabbinen zur Organisirung des'Schulwesens, in St. Petersburg.angeordnet, und dem. Di*. Lilienthal eine Summe bewilligt wurde, die von Juden bewohnten Gouvernements zu bereisen, um. Bericht, zuerstatten, und die Gemüther znr AnnahmeH der Neuerungen vorzubereiten- Ueber alle Er-