Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1843)
- Date
- 1843-01-07
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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dev Erwartung nicht entsprechen', die man sich mit Recht von Lhyen gemacht hatte. Ueber diese Mißstände haben wir hier in L)deffa gottlob nicht zu klagen. Begünstigt von einer.Gemeinde,' die für alles Gute und Edle beseelt ist, die jede-zeitgemäße Verbesserung ohne Ankampf willig aufnimmt, geht unsere Jugend mit gemessenen Schritten einer Aufklärung entgegen, an der Alle Theil nehmen, und die sich daher als nationales Gemeingut charakterisirt. Statt schwermüthig auf den Trümmern der Vorwelt zu fitzen, und mit frömmelnder Ehrfurcht den Staub vergangener Jahrhunderte zu küssen, wird hier rüstig an die Räumung des Schutthaufens Hand angelegt und auf den Grundpfeilern des Atterthums ein neues schönes dem Geiste der Zeit entsprechendes Gebäude aufgeführt. — Es ist hier nicht der Ort, den Ursachen nachzuspüren, die diesen Erfolg herbeiführten; welchem günstigen Umstande man aber auch dieses glückliche Resultat verdankt, so find es nicht blos unsere Lehranstalten, die als verwirklichte Vorbilder aller künftigen dastehen, sondern eine ganze hochherzige Gemeinde, die als glänzendes Muster allen unfern hierländischen Glaubensbrüdern hervorleuchten mag. — Bei diesem Bewandniß der Dinge ist nichts natürlicher, als daß Hr. Or. Lilienthal hier die Gemächer zu Allem bereit fand, was er in Folge feiner Mission zu beantragen hatte. Er äußerte auch in der Gemeindeversammlung, die er am 22. Okt. I. I. berief, daß er in Odessa nichts mehr zu bewerkstelligen habe, da wir den wohlwollenden Absichten der Regierung in Allem zuvorgekommen sind. Bei dieser Versammlung waren an 4M Gemeindemitgliedern anwesend, und das ganze Auditorium hörte mit inniger Erbauung die herzlichen Worte des Redners. Mit der ihmeigenen Herzlichkeit schilderte er uns die wahrhaft huldreichen Gesinnungen unseres Allergnädigsten Monarchen, die erhabene Menschenfreundlichkeit ihrer Excellenzen des Ministers der Volksaufklarung, Grafen Uwaroff und des Grafen Kissileff, deren mächtiger Fürsprache wir die Ukase vom 22. Juni d. I. verdanken, die das Wohl unserer künftigen Generation begründen. Er stellte den Antrag, daß wir wie alle andern jüdischen Gemeinden unsers Vaterlands, an diese edlen Gönner und Beschützer Israels Adressen ergehen ließen, um ihnen unfern innigsten Dank für das Gute, das sie uns angedeihen lassen wollen, auszudrücken und zugleich diese humanen Würdenträger zubitten- - sie möchten, einige Worte unsers Dankes zu den Stufen des-er-: habenen Thr-Ms unsers huldreichen Monarchen d'arbringen. Auch an Sir Montesiore und an den hoch-- achtbaren Hrn. Crvmieux sollten wir Schreiben, erlassen, worin wir sie ersuchten, den an sie ergangenen ministeriellen Einladungen, an den Berathungen des zu errichtenden jüdischen Comitats in St. Petersburg Theil zu nehmen, Folge zu leisten, und ihre kräftige Mitwirkung zum Wohle ihrer hierländischen Glaubensbrüder uns nicht zu entziehen. Nach Beendigung seiner Rede, die alle Anwesenden bis zu Thränen rührte, verließ Hr. vr. Lilienthal, von einem rauschenden Lebehoch begleitet, den Versammlungsort, wo die Zurückgebliebenen einen Ausschuß erwählten, der sich mit der Anfertigung und Abfertigung der nöthigen Papiere befassen sollte. Dieser Ausschuß vorirte außer den von Hrn. Vv. Lilienthal beantragten Aktenstücken auch eine Dankadresse*) an den heilverkündenden Botschafter selbst, der mit unermüdlichem Eifer, mit unerschütterlicher Beharrlichkeit seine schwere Mission vollzieht, und durch Genie, einnehmend? Beredtsamkeit die im tiefsten Verfall schmachtenden Brüder für die Wohlthat empfänglich macht, die ihnen von der Regierung zugedacht wurde. Dem Einsender dieses ist die Erlaubniß zu Theil worden, die von unserer Gemeinde bei dieser Gelegenheit ausgefertigten Papiere einer löblichen Redaction der allgemeinen Zeitung des Judenthums abschriftlich mitzutheilen , um solche der Oeffentlichkeit zu übergeben, da man aus ihnen leicht den Geist abnehmen kann, der diese Gemeinde beseelt. — Die übrige Zeit seines Hierseins theilte Hr. Vr. Lilienthal unter Besuchen, die er allen bedeutenden Persönlichkeiten unserer Stadt machte, und der Aufnahme von Leuten, die Schaarenweise zu ihm strömten, um den Wundermann zu sehen und zu hören, der durch den Zauber seiner Rede alle Gemächer zu gewinnen wußte. Mit seltener Menfchenkenntniß faßte er sogleich den Charakter und die Bildungsstufe der ihn umgebenden Menge auf, und *) Herr Dr. L. erließ einen in hebr. Sprache übgefaßten Aufruf an die Gemeinden unter dem Titel 1