Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1843)
- Date
- 1843-01-07
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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8 Straßen ihre-Etablissements, nicht aber ihre Woh-! nung zu haben, und vielen, die seit Jahren diese Erlaubniß aus» schwere Weise erhalten hatten , ward sie ohne weitere Berücksichtigung genommen. Zweitens wurde den Juden , die Militärpflichtigkeit auferlegt. Wenn dies auf, mit den Christenganz gleiche Weise geschehen, so wären wir wahrlich die letzten, die dies nicht als einen Fortschritt betrachteten. So aber sind sie auch-hier einem Ausnahmegesetz verfallen, und, abgesehen daß sie nicht einmal zum Unteroffizier avanciren können, ist die Militärpflichtigkeit der Juden bis zum zwölften Jahre hinab ausgedehnt worden, so daß sie vom zwölften Lebensjahre an. konskriptionsfahig sein, ihre Dienstzeit vom istcn; bis 30sten resp. 33sten Jahre reichen soll. Man muß. die traurigen Folgen einsehen, denn durch den ersten Befehl werden unzählige Familien ihres Erwerbes beraubt, durch den zweiten wird es den Juden unmöglich, irgend Etwas zu erlernen, was zu ihrem Fortkommen' gereichen kann. — Wir haben unter Anderm ein Schreiben aus Posen vor uns, das die Bestürzung, die unter, unseren Glaubensgenossen in Polen herrscht, mit den. lebhaftesten Farben schildert, und wie schon Hunderte von Kindern, Frauen, Männern über die Grenze geflüchtet sind! ' Die deutschen Israeliten können ihr tiefes Mitgefühl bei' diesen Vorgängen nicht zurückhalten. So wie wir auf jede uns zu Gebote stehende Weise alle Maßregeln, die unsre Stammgenossen zu erheben vermögen aus sozialem und intellektuellen Elende, auf's eifrigste unterstützen: so müssen wir tief bedauern, wo deren Fortgange neue Hindernisse geschaffen werden. Auch uns ruft man um Hülse an. Wir können nichts Anderes thun, als uns mit vollem Vertrauen an das große Herz des Kaisers, an dessen neuliche Worte wir nur erinnern wollen (No. 51), an den^Helden von Eriwan, dessen Intentionen uns als so vortrefflich auch für die Juden dargestellt worden, zu wenden. Und dies haben wir gethan. Diese, wir sind voll Zuversicht, werden Abhülfe, werden Gerechtigkeit und Gnade bringen, und die Gebeugten aufrichten! — — Wir legen auch diese Worte zu den Füßen des Thrones und in die Hände des durchlauchtigen Fürsten Statthalters. ' Q-effa, 2. Dezember. (Privatmitth. Schluß.) Es fei -mir vergönntdiese herzlichen 'Worte eines für die Förderung cher Kultur untern unfern russischen Glaubensgenossen - fo begeisterten Mannes mit einigen Bemerkungen zu begleiten.' Das erfreuliche Gedeihen unserer Lehranstalten, daß eben diese Anstalten als verwirklichte Vorbilder der Hoffnung - unserer kommenden Geschlechter von Herrn vr. Lilienthal betrachtet, zu werden verdienen, haben wir einzig und allein der Stellung unserer Schulen zur Gemeinde zuzuschreiben. Während daß diese nun in den sogenannten Polnischen Judengemeinden errichteten Lehranstalten noch immer als etwas Fremdartiges in ihren Gemeinden isolirt dastehen, während daß jene Gemeinden die Schulen als etwas Aufgedrungenes, sei es .von der Regierung¬ oder von einigen einflußreichen Individuen aus ihrer Mitte, betrachten, erfreuet sich unsere Schule einer solchen Popularität, hat sie sich mit unserer Gemeinde in allen ihren Beziehungen so innig verwebt, daß sie als ein wahrhaft nationales Institut nicht mehr , als Neuerung betrachtet wird, und alle Klassen nehmen dankbar die ihnen dargebotene Gelegenheit an, ihren Kindern eine zeitgemäße Erziehung zu geben. Wenn Lehre und Leben nicht innig verbunden, sind, wenn die jüngere Generation auf dem Wege zür/Aufklärung rasch voranschreitet, nnd die ältere weit hinter sich zurückläßt, so entsteht ein innerer Zwiespalt, der einer nationalen Bildung hemmend in. den Weg tritt. Die Jugend, durch ihre in der Schule erworbenen Kenntnisse zum Bewußtsein gelangt, daß manche unserer alten Institutionen nicht mehr zeitgemäß, sind, wenn ihre Umgebung starr das Alte festhält und mit frommer Scheu alles zurückweist, was nicht durch die Verjährung sanctionirt ist. Andrerseits schreckt eben diese Entfremdung alle wahrhaft Nationalen unserer Glaubensgenossen von einer Bildung ab, die auf Kosten unserer heiligen Religion zu theuer erkauft wird. So sieht man in. manchen unserer Gemeinden Aufgeklärte, und Orthodoxe, jüngere und ältere Generation wechselweis einen schädlichen Einfluß auf einander üben, und die sie trennende Kluft immer erweitern. — Dieses ist in kurzen Umrissen die Culturgeschichte mancher Judengemeinden in Rußland und Gallizien, und eben dieses ist die Ursache, warum die seit lange unter uns bestehenden Lehranstalten bei dem löblichen Eifer derer, die an ihrem Gedeihen arbeiten, doch