Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 7 (1843)
- Issue
- Heft 1 (7.1.1843)
- Date
- 1843-01-07
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- Tunis 3× ep/1048155
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7 Die Israeliten zu Tunis th eilen sich in tunesische und in livorneser Juden ein, .die ihre verschiedenen Synagogen haben; dies hat nun die Folge, daß kein Theil dem andern in der Ausschmückung seines Tempels nachstehen will, daher diese dann vermittelst freiwilliger Gaben oder Kollekten besser als zu Algier ausgestattet find. Indessen giebt es unter den 159 Synagogen, die Tunis besitzt, doch auch nur sechs oder sieben, die sich besonders bemerklich machen. Die schönste unter ihnen ist die sogenannte Scuola grande dei Livornesi , in der Nähe des Bezirkes Hhara; ihr folgt die Scuola graade deiTunesini in demselben Quartier, und eine zweite Livorneser Synagoge unfern des Souk-Touila. Dieses sind ziemlich geräumige, mit Marmorsäulen geschmückte Tempel, doch können auch sie sich mit denen in Europa nicht messen. Zu Tripolis, der Hauptstadt der Regentschaft dieses Namens, die kaum noch 12009 Seelen zählt, während ihre Bevölkerung sich vor dreißig Jahren, wo noch ihr Handel und ihre Industrie im Flor waren, auf 35 bis 40,000 Individuen belief, giebt es kaum 1909 bis 1200 Juden, die ihre Andacht in sechs oder acht Synagogen verrichten; die ausgezeichnetste darunter ist erst unlängst von mehreren Israeliten, zum Theil aus religiösem Eifer, zum Theil aber auf Spekulation, um sie zu vermiethen, erbaut worden. Diese Synagoge, die ich mehrere Male besucht habe, und die tief in der Stadt belegen ist, ist aus Steinen aufgeführt und hat auch unten einen Vorhof und mehrere Gemächer, die zur Wohnung der Rabbiner bestimmt sind. Ein recht sauberer Hofplatz und ein kleiner Garten ergötzen das Auge des Reisenden, der bis dahin nur verfallene und unsaubere Gebäude zu sehn gewohnt war. Man steigt längs einer kleinen Windeltreppe zu diesem Tempel hinauf, der im ersten Stock belegen und mit einer Menge von Gemälden verziert ist, welche biblische Gegenstände darstellen. Dir Wände find auch mit andern passenden Ornamenten versehen, und zum Theil mit grüner Fayence bekleidet, was dem Ganzen ein Ansehn von Frische und Koquetterie giebt, daß man diese Synagoge fast das tripolitanische Loretto nennen möchte. Zu Tunis leben bei tausend Rabbiner. Sie stehen in hoher Achtung und Ansehn bei ihren Glaubensgenossen, und verwalten die Justiz, schlichten Streitigkeiten, wachen über die Reinhaltungder Sitten, rc, * , : ' - , Eine große Tugend der Juden , die auch unter denen in den Barbareskenstaaten gefunden wird, ist ihre Bereitwilligkeit, einander hülfreich beizustehrtt Als im Jahr 1840 das Getreide sehr theüer geworden war, veranstalteten die jüdischen Handlungshäuser und andre reiche jüdische Familien zu Tunis sogleich eine Kollekte zum Besten ihrer dürftigen Glaubensgenossen, aus deren Ertrag dieselben bis zur nächsten Ernte, d. h. volle drei Monate lang, zu den früheren billigeren Preisen mitBrod versorgt wurden. Die Klaffe von Dürftigen, die sich in der Annahme dieser Art von Almosen hätte verletzt fühlen können, d. h. verschämte Arme, erhielten insgeheim Unterstützungen an baarem Gelbe. In dieser Weise wurden wöchentlich nicht weniger als 700 bis 809 türkische Piaster gespendet! Rußland und Polen. Magdeburg, 1. Januar. (Privatmitth.) Während wir die herrlichen Maßnahmen Sr. kaiserl. Majestät von Rußland zur Veredlung und Erhebung der russischen Israeliten zu besprechen, während wir über die Reise des vr. Lilienthal durch die von Juden bewohnten Gouvernements die Berichte der beglückten Gemeinden heranzubringen Haben, während wir von Warschauer Korrespondenten mit erfreulichen Berichten über die Absichten Sr. Durchlaucht des Fürsten Statthalters, die Israeliten durch Erleichterungen dem Ackerbau zuzuwenden, überschüttet werden, während so Alles für diesen Theil unsrer Glaubensgenossen eine lichte Morgenröthe geistigen und bürgerlichen Emporkommens verspricht: kommen von der andern Seite tief betrübende Nachrichten, Nachrichten, welche den Bestand der Juden in Polen in den innersten Wurzeln angreifen, und unser Mitgefühl vielfachst erregen. Nachdem die öffentlichen Blätter Deutschland's von allen Seiten dieselben Berichte bringen, welche uns durch jüngste Schreiben zugekommen sind, können wir den Gegenstand nicht bezweifeln, und müssen ihn aussprechen. Erstens bringt man einen Befehl, daß die Juden nicht auf „christlichen" Straßen wohnen sollen, mit Strenge.in Ausführung, nur zwei jüdischen Kaufleuten soll ferner gestattet werden, auf einer jener