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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1843-01-07 · Heft 1 (7.1.1843) · p. Seite 5

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
7 (1843)
Issue
Heft 1 (7.1.1843)
Date
1843-01-07
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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5 feines Volkes, - ein Persönliches.' Bei allen übrigen, an Wort und That mächtigen Männern .Jsrael's ist. es immer ein auf die Person selbst bezügliches Moment, was als Motiv ihrer Handlungen mehr oder weniger sich ausweiset: bei Moscheh ist Alles Aufopferung, Alles daS Heil Jsrael's-, Astes -Le Erhebung des Sklavenvolkes zu einer freien, und in der Anbetung des Einigen einzigen Nation — Nichts, sein. Zeigen, sein persönlicher Nutzen. In seiner Jugend verläßt er Würden und Reichthümer des pharaonischen Hofes, um der Rache an den Drängern seiner Brüder willen, in seinem Älter schaut er vom fernen Gipfel das Land, das getobte, das er selbst nicht betreten kann. Von seinem Geschlechte kennen wir nur zufällig die Namen zweier seiner Söhne, eben nur um der Namen willen. Er hat keine Dynastie gegründet, wie David. Die Herrschaft, die er übte, geschah in der — Wüste, und nur im Namen eines Hohem. Die Wurde überließ er seinem Bruder, die Ehre der Siege seinem Diener. Wir erfahren von ihm selbst strikte nur das, was nothwendig ist, um die Geschichte seiner Zeit, so weit sie sein Volk betraf, zu -verstehen. All' diese großen Momente, die also in Moschch's Persönlichkeit wie in den Begebenheiten, die "durch ihn sich vollendeten, enthalten sind, mußten wohl vielfach den dichterischen Geist anfeuern zum Gesang, zur dichterischen Reproduzirung dessen, was uns die heilige Schrift vermeldet. Im hohen Alterthum Jsrael's selbst war dies insofern unmöglich, weil in jener Zeit alle Poesie ein unmittelbarer Ausfluß des Selbsterlebten und Selbstgefühlten war, Einen außerhalb seiner liegenden Stoff zu ergreifen und dichterisch zu bearbeiten, lag ganz außerhalb der Sphäre des israelitischen Sängers. Ganz entgegengesetzt dem Hellenen, der nur objektiver Anschauung befähigt, selbst sein eigenes Jnnre außer sich in abgeschlossener Gestaltung sah, sprach der israel. Dichter nur aus, was er in sich hatte und trug. Darum ist die alt-hebräische Poesie allein Lyrik, und wir haben ebensowenig Drama wie Epos in ihr, wenn wir nicht der Geschichtschreibung eine epische Färbung zufchreiben wollen. Darum enthält selbst „Koheleth" nur eine subjektive Anschauung, mit den tiefsten Gefühlen geschwängert, und Hiob und die Psalmen sind lediglich Ausbrüche der persönlichsten Empfindungen. In solchen Zuständen ist es aber unmöglich, 'daß ein Dichter sich eines entfernten Stoffes, wie des Lebens Moscheh's bemächtige. Wasdemalthebräifchen Dichter möglich war, aus jenen heiligen Geschehnissen zu machen, ersieht man aus mehren „geschichtlichen" Psalmen — eben nur Psalmen und Hallelujah's. , Gleich nachdem aber das ursprüngliche, produktive Element aus Israel geschwunden, und die griechische Welt in Israel eingedrungen: sehen wir Moscheh besungen. Nur Schade, daß bei den Griechen , und noch viel mehr bei den Israeliten diese Zeit eine so matte, kraftlose geworden, daß es nur ein arckseliges Nachspiel einer untergegangenen Herrenwelt werden konnte. Was wir daher vom gedachten Versuche haben, ist eben nur als historisches Moment wichtig; in ästhetischer Beziehung völlig unbedeutend. Wir meinen des jüdischen Dramatikers Ezechiel ’E'QuyMyr} (Auszug aus Aegypten), von welchem Drama 270 Verse aus verschiedenen Akten noch übrig sind. Sie sind nichts, als -dialogisirte Geschichte, aus den Septuaginta ausgeschrieben. Moses tritt im Midianiterlande auf, erzählt die Schicksale seiner Jugend und feiner Flucht, und erblickt sieben Jungfrauen. Die eine dieser erklärt ihm, in. welchem Lande er sei. Die Heirath der Ziporah wird angezeigt. Moses erzählt seinem Schwiegervater einen.Traum, der. zu Gunsten ausgelegt wird. Aus einem andern Akte.wird die Erscheinung und das Gespräch Gottes mit M. mitgetheilt, wobei Gott gleich die Wunder, die in Aegypten geschehen sollen, aufzählt. Das folgende Fragment versetzt uns an das rvthe Meer, indem ein ägyptischer Bote. das Ereigniß erzählt. Dann finden wir noch einen Kundschafter, der dem Moses die zwölf Quellen und 7V Palmen bei Elim, nnd den wundersamen Vogel Phönix (!) beschreibt. Obgleich in dem griechischen Dramametrum, in Senarien, gesprochen wird, ist Alles höchst prosaisch -, und lediglich Schriftwort. Der Dichter lebte zwischen 200—100 vor der gew. Zeitrechnung *). Anders trat nun die Neuzeit auf. Sie, ungehindert von der Subjektivität, des alten Jsraelitenthums, jedoch auch nicht' befangen von der hellenischen Objektivität, mußte ihre tiefe Empfindsamkeit, die sich auch über außer ihr seiende Erscheinungen ergießt, auch über Moscheh in Fülle auszuströmen vermögen. Kaum daß der israelitische Genius aus den Fesseln des strengen Dogmatismus er-' wacht war, kaum daß sein produktiver. Gehalt, an der ausgebildeten Form der europäischen Aesthetik sich in wundersamen Fluge ermannt hatte: als Moscheh, der Held Jsrael's auch der Held des Sanges ward. Es konnte *) S. unsere Ausgabe, Berlin, 1830..

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