Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 104 (28.12.1839)
- Date
- 1839-12-28
- Page
- Seite 690 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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690 wirklich aus keinem andern Grunde annullirt worden, ist aus dem Rescrkpt der Königs. Regierung zu Köln ä.F. 12. Oct. t. I. klar und deutlich zu ersehen. Aus dem Ganzen ergibt sich, daß Di-. A. A. im Besitze des vollkommensten Vertrauens nicht nur der Gemeinden des Sprengels, sondern auch der hohen Staatsbehörde sich befindet; allein um andererseits auch dem Buchstaben des Gesetzes zu genügen, konnte letztere ihn dermalen nicht bestätigen. Das das wahre Sachverhaltniß und das einzig richtige Resultat der besprochenen Rabbinenwahl! vr. B. H. Auerbach in Darmstadt. vollendeten gleichsteht,— der erwähnte A. A. anzusehen sei, als habe er das 30. Lebensjahr zurückgelegt. - Ueberdies wurden bei Erörterung des Gegenstandes ähnliche Fälle erwähnt, namentlich, daß der letztverstorbene Consistorialrabbirie S. Marx zu Trier bei seiner Erwählung und Bestätigung das 30.Lebensjahr noch nicht vollendet hatte. Literarische Nachrichten. Magdeburg, 16. Dezember. Angekommen: Confirmationsreden von Salomon P leßner. Berlin, 1839. — Wien, 1. Dezember. (Privatmitth.) Bekanntlich herrschte in früherer Zeit,. und herrscht zum Theil noch in der unsrigen, vorzüglich in Deutschland eine gewiffe wissenschaftliche Intoleranz welche unter den Repräsentanten der verschiedenen Zweige der menschlichen Erkenntniß und geistigen Bestrebung vielfache Händel und Streitigkeiten angestiftet hat. Man denke nur an den, noch immer nicht beigclegten Kampf der Humanisten und Philanthropisten! Noch in der neuesten Zeit haben in einem sehr verbreiteten deutschen Journale Mathematik und Philosophie mit glühender Kampflust um die Superiorität gerungen- Eben so hat sich — si licet parva componere magnis — in der, in ihrer ersten Entwicklung begriffenen Literatur des Judenthums eine Unduldsamkeit geltend zu machen gesucht, die für den Fortschritt und die Fortbildung derselben nur von nachtheiligen Folgen sein kann. Hier ist es namentlich die literarhistorische Richtung, welche sich als die allein seligmachende preist, ohne zu bedenken, daß ihr, als einem kleinen Theil der Propädeutik der jüdischen Theologie, nur ein untergeordneter Werth beigelegt werden könne, und daß von der Bibliolatrie kein wissenschaftliches, kein religiöses Heil zu erwarten sei. Man kann es, besonders den jüngern Arberrern im Weinberge der jüdisch-theologischen Literatur, nicht genug ans Herz legen, daß nicht in wechselseitiger Verketzerung, sondern in der Würdigung und Benutzung der gegenseitigen Bestrebungen eine schönere Zukunft der jüdisch-theologischen Disciplinen vorbereitet werde, und daß sie also einen weniger absprechenden und wegwerfenden Ton annehmen dürften. Ueber manche Dinge wäre jedes Urtheil weislich zu suspendiren, bis man in den zu besprechenden und zu beurtheilenden Gegenstand tiefer eingcdrungen ist, und denselben in allen seinen Theilen näher betrachtet und erkannt hat; weil.man sich sonst sin den Augen der Bessersehenden nur blamirt, und die Unmündigen irre leitet. — Ueber keinen Theil der neuern jüdischen Literatur ist aber so vornehm und wegwerfend geurtheilt worden, wie über den eigentlich hebräischen. ES ist allerdings nicht in Abrede zu stellen, daß sich zumal in den poetischen Leistungen der modernen hebräischen Schule nur selten eine freie, schaffende, dichterische Kraft ausspreche, daß von lebendiger Begeisterung nur in manchen Gesängen des frommen Hartwig Wessely, in manchen Stücken Salomon Löwisohn's, — man denke nur an dessen herrliche Einleitung seiner Poetik, -— die Rede sein könne; aber das hebräisch Schreiben sollte, von andern Rücksichten abgesehen, schon deswegen betrieben werden', weil es zu einem gründlicher» Studium, zu, einem tiefern, lebendigern Verständniß der heiligen Urkunden führt, waö von den größten Gelehrten — matatis mutandis rückstchtlich des Latein schreibenS geltend gemacht wurde. Und darum wird jeder Unbefangene eine jede neue Erscheinung auch in diesem Gebiete der Literatur ohne Vorurtheil würdigen, und Res. glaubt Vielen keinen unangenehmen Dienst zu erweisen, wenn er sie auf ein, hier bei Franz Edlen v. Schmid erschienenes Merkchen aufmerksam macht. Das Merkchen zerfällt in zwei Theile. Den ersten Theil bildet das ttbtf von dem Arzte Ephraim Luzatto, von welchem die erste, in London 1769 vom Verfasser selbst veranstaltete Ausgabe zu den Seltenheiten gehört. Der zweite Theil enthält unter dem Titel ‘jväti eine Sammlung Gedichte von Joseph Almanzi, einem Schüler S. D. Luzatto's, dem die. Gedichte gewidmet sind. Der größte Theil derselben sind Sonette, die viel Gewandtheit in Sprache und Reim beurkunden, sonst aber ziemlich matt sind. Von den Uebersetzungen aus dem Italienischen sind manche recht gelungen zu nennen; am meisten dürften die poetischen Lebensbeschreibungen Leon di Modena'S und Jfak Barbanel's ansprechen. Das Ganze beschließt ein Gedicht von S. D. Luzatto, welches mit folgenden Worten endigt: wb* a» nsptbi , bä nsrip’» Tb ‘rbfip vtf hin t\R ■jitöV» pbbn ü« ■»‘p ttüvi sinr Eine erfreulichere, keiner Apologie bedürfende, neue Erscheinung ist die, in derselben Officin herauskommende Uebersetzung, oder vielmehr freie Bearbeitung des Machsor'S von Manheimer, von welchem diese der Probebogen mit dem Prospcctus erschienen ist. .Ohne sich wörtlich an den Pijuttext anzuschlicßen,— was auch gar nicht zu erwarten ist, — giebt diese Uebersetzung nicht nur den Geist, sondern auch die Eigenthümlichkeiten des Originals, so weit sich dies mit dem Genius der deutschen Sprache vertragt, getreulich wieder, und man kann dieser geist- und gemüthvollen Behandlung der mittelalterlichen Liturgie eine gün- ' stige Aufnahme prognosticiren. Dinkels buhl, 10. Dezemb. (Privatmitth.) Vor einiger Zeit erschien Hierselbst eine SubscriptionSeinladung zu einem Werke, dessen Beförderung wir unfern Glaubensgenossen zur dringenden Pflicht machen müssen. Es heißt in derselben: >,Jm Verlage der Fr. Walthr'schen Buchhandlung zu DinkelSbühl erscheint auf Subscription: Israelitischer Ehrentempel von E. B. Feder. „Ein christlicher Freund der Israeliten hat die schwere Aufgabe übernommen, aus den ältesten Urkunden und Schriften — von mehr als 100 Jahre vor Christo an, die Großthaten und edlen Charakterzüge der Herrn Israeliten zu sammeln, in einem Werke zu vereinigen und somit dieser edlen Nation ein bleibendes Denkmal zu setzen. Das Ganze theilt sich in nachfolgenden vier Abtheilungen: I. Charakter der Israeliten nach seinen ,eigenthümlichen Vorzügen. — II. Leben und aus dem Leben berühmter und merkwürdiger Israeliten. Eine Reihe von Biographien und biographischen Notizen der berühmtesten Männer und Frauen aus : Israel von hundert Jahren vorChristus an bis auf unsere Tage.— Hl. Erzählungen, Anekdoten, Charakterzüge und Aussprüche großer und berühmter Israeliten. Weisheir- und Tugend-Beispiele der mannigfaltigsten Art. — IV. Witzworte und Einfälle,von Israeliten. — Wir haben den Verlag dieses Ehrentempels übernommen, der aber nur auf Subscription erscheinen kann. Wir werden an der äußern Ausstattung nichts fehlen lassen, damit auch diese dem innern Werth entspricht; nur bitten wir, daß uns die Herren Israeliten bei diesem Unternehmen, das einen bedeutenden Kostenaufwand erfordert, durch recht zahlreiche Unterschriften unterstützen mögen. — Das Werk erscheint in gr. 8. auf Maschienen-Velin, mit neuen Lettern, rein und korrekt gedruckt,