Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 104 (28.12.1839)
- Date
- 1839-12-28
- Page
- Seite 688 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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688 hebräischen Literatur verdien-en. Das erste heißt das zweite ■pit 'W; beide von Juda b. Mosche Mifano von Venedig. Ich behalte mir es vor, Ihnen über diese Handschriften nächstens umständliches zu berichten. Bei seiner Rückkunft nach London gedenkt H. Dr. Bibas sein eignes Werk -süött nrrD in hebräischer und englischer Sprache herauszugcben. Der ehrenwerthe Reisende wird gewiß in Deutschland die freundlichste Aufnahme finden, und Rabbinen und Gelehrte werden ihm gewiß an die Hand gehen, um ihn mit den bürgerlichen, kirchlichen und wistenschaftlichen Verhältnissen der Israeliten in Deutschland vertraut zu machen. Wien, 3. Dez. (Privatmittth.) Ohne in die Martyrologie des Herrn Alexandersohn eingehen zu wollen, darf ich Ihnen doch als unpartheiisch beobachtender, und sich bloß an Facta haltender Correspondent die Mittheilung der. Thatsache nicht vorenthalten, daß das Sendschreiben des Hrn. Dr. Frankel an den seligen Rabbi zu Preßburg in den ungarischen Gemeinden mit einem Achselzucken gelesen, und unbeachtet ad acta gelegt wurde. Die unbedingten Verehrer des Rabbi, die ihm eine Art Jnfallibilitat zuschreiben, und deren Zahl nicht gering ist, glauben ihn in der öffentlichen Meinung so hoch gestellt, daß er gar keiner Rechtfertigung bedürfe. Die Gemäßigtem gestehen, daß er den Fehler hatte, Ohrenbläsereien und Klatschereien ein geneigtes Ohr zu schenken, und daß er ift der Jonathanson'schen Angelegenheit, wenn auch nicht nach juridisch giltigen Zeugnissen, doch nach seiner moralischen Ueberzeugung handelte, auf welche ec, bei seiner Klugheit und Menschenkenntniß, großes Gewicht zu legen, berechtigt sein konnte. Viele Unbefangene und Gutunterrichtete behaupten, daß die ganze Begebenheit nur durch Unklugheit des Betheiligten den bedauecnswerthen Charakter einer Verfolgung angenommen habe. Uebrkgens kann es denjenigen, der die betreffenden Personen und die vorwaltenden Umstände in der Nähe zu beobachten und zu erkennen Gelegenheit hatte, gar nicht befremden, -daß die, durch eine lange Reihe von Jahren begründete, öffentliche Meinung durch diese isolirte Thatsache nicht erschüttert worden. Und hat Hr. Alexandersohn die Absicht, wieder in Ungarn als Rabbine zu fungiren, so dürfte die öffentliche Verhandlung seines Märtyrerthums mehr ihm selbst, als dem Renome seines Inquisitors geschadet haben. Wien, 2. Dez. (Privatmitth.) So lange die neuern rituellen Synagogeneinrichtungen nicht die erzielte Allgemeinheit und wünschenswerthe Gleichförmigkeit in allen israelitischen Gotteshäusern erlangt haben, wird es immer von Interesse sein, die Art und Weise zu öffentlicher Kenntniß zu bringen, nach welcher einzelne gottesdienstliche Gebrauche in einzelnen Synagogen begangen werden, sobald diese/ in ansprechenden, erhebenden Formen geschieht. Und darum kann ich nicht umhin. Ihnen mktzutheilen, daß die Eingangsfeier der Tempelweihe, der ich gestern Abends im hiesigen Bethause beiwohnte, zu den schönsten,-neuen Einrichtungen dieser gottesdienstlichen Anstalt geh^rf.,« /Dem gewöhnlichen Minchagebete folgte eine Rede, welchesier Mannte Ausspruch:- niöbm yi:o v'w VA22 teypi uns© im b*rti *rbN “»itt 'tti nun zu Grunde lag. *) Dann folgte das Anzünden des n"d und das Abendgebet mit Chorbegleitung. Das Bethaus war gedrängt voll, und das Ganze machte einen höchst wohlthätigen Eindruck. Wien, 4. Dez. (Privatmitth.) Wenn es in einigen Journalen heißt, daß die ungarischen Juden Notabeln gewählt haben, um ihre Emancipation beim Reichstage zu betreiben; so ist dies dahin zu berichtigen, daß einige Männer nach Preßburg geschickt werden sollen, um den beiden Tafeln den Dank der israelitischen Einwohner Ungarns für die Humanität und Gerechtigkeit zu danken, mit welcher die jüdische Sache bisher beim Reichstage behandelt wurde. Von einer Betreibung kann, da die Juden beim Landtage gesetzlich nicht vertreten sind, die Rede gar nicht sein. Auch haben sich die gewählten Repräsentanten, die H. H. I. L. Boskowitz, Herrmann Löwy, Samuel Wochaner aus Pesth, M. H. Singer aus Preßburg, Joseph Basch aus Szegedin, Philipp Schay aus Güns, und N. Holländer aus Eperies, ihrer Mission bisher noch nicht erledigt. Prag, 3. Dez. (Einem uns nur mit Letternunterschrift zugekommenen Schreiben können wir unserm Grundsätze gemäß, anonyme Zuschriften nicht zu berücksichtigen. Nichts entnehmen, als die darin besprochene Nachricht, daß eine Lehranstalt von drei namhaften Männern zum Unterrichte im hebräischen Lehrfache, und in den Büchern der heiligen Schrift, in drei Klassen errichtet worden, und diese Anstalt so segensreich wirkt, wie man es hoffte und wünschte. Redakt.) Deutschland. Frankfurt am Main, 4. Dez. (Privatmitth.) Vor ungefähr vier Wochen sind hier sechs Synagogenräthe in den beiden großen Synagogen, also drei für jede, ernannt worden. Nun sieht man auch einer „Synagogen- Ordnung" entgegen, denn wo Inspektoren sind, muß es doch auch Etwas zu inspicicen geben. Auf welche Basis hin sollen diese sonst ihr schwieriges Amt verwalten? noch dazu, da drei Männer für eine Synagoge, die eirea 5—700 Besucher faßt, die ganz aus'Orthodoxen bestehen, welche sich schwer an Ruhe und Ordnung gewöhnen, kaum genügen; denn die Gemäßigteren ziehen sich meist nach den Nebenschulen, „hauptsächlich nach der Synagoge der Krankenkaffa. Doch es ist ein Anfang, und auch dieser begrüßenswerth. Darmstadt, 10. Dez. (Erwiederung.) In No. 98 der Ztg. -des Judenthums ist ein, von Cöln den 27. Oct. *) Zunz (Vortr. S. 39) sagt, cS wurde ein durch die Erfahrung bewahrter Satz, daß solche Gebote, für welche die Juden in der Verfolgungszeit Märtyrer geworden, hernach pünktlich beobachtet würden, und führt dafür in der Notars. drei Stellen an, von welcher jedoch nur die erste dahin gehört. Die beiden andern handeln von keinem Märtyrerthum, und ‘]rü heißt nichtsanderes, mit Pünktlichkeit und Ausdauer beobachten, wie besonders aus der Stelle Jer. Scheb. 1, 5 ganz klar hervorgeht, wenn man dieselbe im Zusammenhänge liest. In der ersten Stelle ist übrigens von keiner pünktlichen, sondern von einer öffentlichen Beobachtung («•»wiiss) die Rede.