Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-12-28 · Heft 104 (28.12.1839) · p. Seite 687

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 104 (28.12.1839)
Date
1839-12-28
Page
Seite 687 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3225013-3225118--02389-3235511
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

687 fentlich erscheinenden Blatte folgende Anzeige, die durch Form und Inhalt den Mann bekundet, der den Namen eines Hocherleuchteten in jeder Beziehung verdient. Den Aufsatzließ nämlich der, an der Spitze der hiesigen katholischen Geistlichkeit stehende Herr Erzpriester inseriren. Nichts ermangelte der Feier als ein, für solch hohen Akt angemessenes Gotteshaus, welches jedoch unter dem Beistände des Allgütigen auch bald seiner Vollendung entgegensieht. M. L. - Lkegnktz, den 30. Oktober 1839. „Am vorigen Sonnabend war die hiesige israelitische Gemeine zu einer seltenen und in dieser Bedeutsamkeit hier wol noch nie vorgekommenen Festlichkeit versammelt. Fünf israelitische Kinder legten öffentlich ihr Glaubensbekenntnis ab und wurden zur Treue in der Religion der Vater eingesegnet. Referent, ein Zeuge dieser Feier, glau^-es^der würdi'gernsten und rührend schönen Handlung schuldig zu sein, ihrer mit ein paar Worten öffentlich zu gedenken. Der Akt war in dem Schul-Lokale der Gemeine veranstaltet.. Das Lokal war geschmackvoll und ansprechend geschmückt. Die israelitische Gemeine war zahlreich versammelt. Repräsentanten der hiesigen hohen Behörden erhöhten die»Festlichkeit. Diese ward durch eine vom Herrn vr. Sammter, als zeitherigen Prediger, gehaltene und gediegene Rede eingeleitet. Daran knüpfte sich die Prüfung der einzusegnenden Kinder in der Glaubens- und Sittenlehre. Wenn die Bestimmtheit der Antworten, die Vertrautheit mit dem Gesetz und die Innigkeit, mit welcher die Antworten nicht aus dem Verstände blos, sondern zugleich aus dem Herzen flössen, ein rühmliches Zeugniß für die Kinder selbst ablegte und ein noch ruhmvolleres für den wackeren Lehrer, so sprach der geläuterte Geist, der die vorgetragene Lehre, ohne der Orthodoxie das Mindeste zu vergeben, durchwehte, noch lauter für die Amtstüchtigkeit des Herrn vr. Sammter und mußte ihn seiner Gemeine auf das eindringlichste empfehlen. Nach der Prüfung legte jedes Kind einzeln das Glaubensbekenntniß, der Form nach verschieden, dem Inhalte nach einig, ab und dankte in einem freien, kindlichen, vom Herzen kommenden und zum Herzen gehenden kurzen Gebete den Eltern, Pflegeeltern und dem Lehrer, und gelobte, diesem Bekenntnisse treu zu bleiben. Hierauf gingen die Kinder zu den Ihrigen und baten um den Segen. Weinend vor Freude und Rührung legten diese ihnen die Hände auf. Es war ein ergreifender Moment. Endlich sprach auch der Herr Prediger den Segen über sie und die Handlung ward durch ein ernstes und väterliches Schlußwort beendigt. Referent wünscht dem Herrn vr. Sammter das vollste Vertrauen seiner Gemeine, das er verdient, und die reichsten Früchte seiner gewissenhaften Bemühungen." Mühlhausen, 10. Dez. (Privatmitth.) Auch hier, in Mühlhausen in Thüringen, wo nur eine kleine jüdische Gemeinde weilt, wurde das Bedürfniß gefühlt, hinter den Fortschritten des jüdischen Kultus nicht hintenan zu bleiben, und die Gemeinde hat den vr. G. Cohn aus Dessau zu ihrem Prediger und Religionslehrer erwählt, der seit Ostern d. auf eine kräftige und gediegene Weise, die Wahrheiten unsrer Religion bespricht. Am zweiten' Tage des Laubhüttenfestes fand die erste Einsegnung zweier Knaben auf eine feierliche Weise statt, wobei deutsche Gesänge vor und nach der Predigt eingeschaltet wurden. Die Ausbildung unsres Gottesdienstes geht insonders. durch die Mühewaltung des Vorstehers Oppe ihren ruhigen, aber sichern Gang. (Im Herzogthum Sachsen zählt man bereits drei Gemeinden, wo regelmäßig deutsche religiöse Vorträge gehalten werden: Magdeburg, Nordhausen, Mühlhausen. In der Mark eine: Berlin. In Schlesien eine: Glogau. In Preußen zwei: Königsberg und Danzig. Im Rheinland mehrere, die wir aber nicht mit Bestimmtheit angeben können. Redakt.) Dänemark. Kopenhagen, 7. Dez. Unter den bei dem Könige (Christian Vlll.) zugelassenen Deputationen befanden sich auch der Geistliche und die Vorsteher der hiesigen mosaischen Gemeinde. Die von vr. Wolfs gehaltene Anrede wurde von Sr. Majestät auf's Huldreichste erwiedert. (Hamb. Cocrdsp.) -Oesterreich. Wien, 2. Dez. (Privatmitth.) Daß hier neben dem neuen Bethause und der sogenannten polnischen Synagoge, — welche seit einigen Monaten unter Leitung der Vertreter steht, und dem Hm. M. LBidermann eine etwas freundlichere Einrichtung verdankt, — auch eine Synagoge nach spanischem Ritus besteht, kann ich wol als bekannt voraussetzen. In frühem Jahren hatte die Gemeinde auch ihren eigenen Chacham. Da aber dieselbe nur 20 Familien zählt, und sich die Kosten des Synagogenunterhalts auf 3000 fl. C. M. belaufen; so ist sie seit längerer Zeit ohne geistliches Oberhaupt. Dieser Uebelftanv führte nun in Synagoge und Gottesdienst eine gewisse Unordnung herbei, welche bei dm sonst gar nicht vorkommt. Die Vorsteher der Gemeinde, die H. H. Elias und Ascher hatten schon früher versucht, die Synagoge zu reorganisiren; aber ohne geistliche Autorität konnte ihnen dies nicht gelingen. In diesem Augenblicke scheint jedoch ein besonderer Umstand ihr gottgefälliges Vorhaben-fördern zu wollen. Es ist dies nämlich die Durchreise des Hrn. vr. I. L. Bibers, der sich der Liebe und des Vertrauens der ganzen Gemeinde erfreut, und welchem dieselbe die Entwerfung eines Synagogen-Reglements übertragen. Der Reisende, Hr. vr. Bibas, ist Rabbine und Chef der Israeliten in Corfu und den jonischen Inseln, ein Mann, der mit einer ausgezeichneten Belesenheit in allen Theilen der hebräischen, rabbinischen und kabbalistischen Literatur, eine Kenntniß der Natur und Geschichte verbindet, die man gewiß bei keinem deutschen Rabbi seines Alters. — er ist ein starker Fünfziger — findet. Da er in Frankreich, England und Italien gelebt hat,-und französisch, englisch und italienisch mit gleicher Geläufigkeit spricht, so wird er wol das Ziel seiner gegenwärtigen Reise, —1 die deutschen Juden und deren Bestrebungen näher und durch persönliche Anschauung kennen zu lernen, — erreichen, ohne deutsch zu verstehen. Er gedenkt etwa in Leipzig zwei Manuskripte herauszugeben, die mehr denn in einer Rücksicht die Aufmerksamkeit der Freunde der 104»

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.