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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-12-28 · Heft 104 (28.12.1839) · p. Seite 686

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 104 (28.12.1839)
Date
1839-12-28
Page
Seite 686 (sequence 2)
Language
German
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686 so kann die Mg. Zeit/des Judenthums sich nicht bloß auf die Entfaltungen des geistigen Judenthums sich beschränken, ihre Mission wäre damit nur halb gethan, sie muß auch das Iudenthum in seinen weltlichen Beziehungen betrachten, darstellen, fortführen, und da hier noch so Vieles an Vorurtheilen, Irrungen, Wirrungen von außen und Im Innern sich aufbürdet, hat sie auch Manches zu verfolgen, was sie sonst gern von sich abhielte. So nimmt die Mg. Zeit, des Iudenth. eine eigenthümliche Stellung ein. Sie ist eigentlich ein religiöses Zeitblatt, und muß doch immerfort den weltlichen Entwickelungen folgen, sie ist an sich ein theologisches Journal, und hat doch immerfort so Vieles einzusehen, worin kein QE02 und kein A0r02 ist. Wir haben auf unserm Wege bis hierher neben vielen Hindernissen, auch viele Lheilnahme gefunden. Viele Hindernisse, und.noch mehrere Lheilnahme in jüdischen und christlichen Kreisen. Wir sagen unfern Dank dafür. Wir hoffen, daß wir, nach menschlichen Verhältnissen, auf Beide Anspruch machen konnten, auf Hindernisse und Lheilnahme.- Wir wünschen, daß wir auch in Zukunft darauf Anspruch machen können. Eifer, und wir können auch sagen, Erfahrung, sprechen für uns. Unsre Liebe hat sich nicht vermindert, unsre Gefühle sind nicht kühler geworden, und wir umfassen noch unser Gebiet mit demselben warmen Herzen, das wir an dasselbe gebracht haben. Möge nur der Blick schärfer, und das Wesen gediegener geworden sein. So schenke denn auch das Publikum uns immerfort seine Zuneigung und sein Vertrauen. Das Judenthum in Leben, Gedanke und Wort auf seiner Höhe zu erhalten, das Judenthum durch das Gewirrs der Gegenwart im innern Glanze der Göttlichkeit und lautersten Moralität zu geleiten: das ist unsre Aufgabe — jegliches Gelingen ist in der Hand des Herrn! Es ist bereits Allen klar, daß nur durch das offene Besprechen aNer unsrer Zustände, durch die freimüthige Darlegung aller unsrer Hindernisse-, das Judenthum jene reinere Stellung vor den Augen Europa's, insonders vor den Augen Deutschlands eingenommen, die wir ihm schon öfters von Unpartheiischen nachrühmen sahen. Mag dies auch bisweilen mit Verletzung des Einzelnen verbunden sein: es ist genug, daß wir zeigen, wir opfern den materiellen Götzen nicht, denen zu opfern wir so oft verdächtigt worden und werden, daß wir zeigen, wir ringen nach der lautersten und religiösesten Gestaltung, und zerbrechen, was uns daran hindern könne: Egoismus, Schein und Heuchelei! So wandeln wir der höhern Mission des Judenthums nach, so folgen wir der Mission unsres Geschlechtes für das Judenthum und darin lasset uns fortschreiten, mit Lhat und Wort! Die Redaktion. Zeitungsnachrichten. Preußen. Berlin, II. Dez. Die Allg. Augsb. Zeit, enthält unter dem Dalum: „Vom Rhein, 6. Dez." folgende Mittheilung: „Nach bewahrten Mittheilungen aus Berlin darf ich Ihnen melden, daß die in Ihren Blattern und sonst vielbesprochene Angelegenheit des vr. Geiger zu einem glücklichen Ende gediehen ist. Bekanntlich waren gegen seine Wahl zum Prediger der Judengemeinde in Breslau mancherlei Jntriguen angesponnen worden; die sogenannten Rechtgläubigen unter den dortigen Juden hatten eine Protestatkon versucht, . die verfaßt war von demselben Joel Jacobi, welcher unmittelbar darauf zur katholischen Kirche überging. Doch minder als diese bald zu Nichte gewordenen Ranke, stand seiner definitiven Ernennung der Umstand entgegen, daß Dr. Geiger nicht in Preußen geboren ist, für nichtpreußische Juden aber die Erlangung des Bürgerrechts, (d. h. so viel davon die Juden haben) sehr schwer fällt, und dieß Bürgerrecht gerade die Conditio sine qua non war, von welcher der Antritt seines Postens abhing. Diese Schwierigkeit ist nun beseitigt: auf einen Bericht, der dem Ministerium des Innern, von dem er ausgegangen, gewiß Ehre macht, hat Se. Maj. durch Cabinetsordce dem Dr. Geiger das Bürgerrecht, und somit die Qualificatkon ertheklt, die ihm einzig noch mangelte, um in einen schönen segensreichen Wirkungskreis einzutreten, als Vermittler zwischen Altem und Neuem, als Verkündiger einer reineren Zukunft für ein Geschlecht, das unter dem Drucke der Zeiten oft nur kümmerlich die Reste freier Menschenwürde bewahren konnte. Die preußische Regierung hat hier bewahrt, daß sie eine sittliche Regeneration des Judenthums gerne zu fördern bereit ist, eine Regeneration, wofür in diesem Jahrhunderte schon so viel geschehen ist." Liegnitz (Schlesien), 25. ,Nov. (Privatmktth. Verspätet.) Der echte Geist der Religion und Humanität, der nur in brüderlicher Eintracht und. frommer Toleranz auch der verschiedensten Glaubensbekenner gipfelt, hat seine wohltätige Macht auch hier wahrhaft erhebend geäußert. Bei der am -26. Oct. d. I. zum erstenmal öffentlich hier stattgehabten Consirmation dreier Mädchen und zweier Knaben aus dem hiesigen ist. Lehrinstitute, wo außer einer zahlreichen Versammlung aus allen Standen sich auch die Repräsentanten der hohen resp. Behörden und der Geistlichkeit beider Konfessionen befanden, hat sich nicht nur der Ausdruck der allgemeinen Zufriedenheit und der innigsten Freude über die zeitgemäßen Fortschritte unserer Nation gezeigt, sondern kurz darauf fand sich auch in einem hier öf-

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