Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 104 (28.12.1839)
- Date
- 1839-12-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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in. Jahrgang. Allgemeine No. 104. Zeitung -es Zu-enthums. Ein unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redacteur: Verlag von Dr. Ludwig Philippfon, Baumgärtners Buchhandlung— israelitischer Prediger in Magdeburg. zu Leipzig. (Mit König!. Sächsischer allergnädigster Concession.) Leipzig, den 28. Decembcr 1839. Diese Zeimng erscheint wöchentlich einmal, Sonnabends, und wird jährlich 96 Bogen in Quart incl. des Titels, Registeru. s. w. umfassen. In Gemäßheit de- Zweckederselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Thir. für den Jahrgang — l Thlr. 12 Gr. für sechs Monate — 18 Gr. für das Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitung-- erpeditionen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letztere hat sich die Königl. Sachs, wohllöbl. Zeitung- - Expedition allhier unterzogen. An die Leser». Wir beginnen mit nächster Woche den vierten Jahrgang der Allgemeinen Zeitung des Judenthums. Es ist allgemeine Sitte, die drei ersten Jahre eines Zeitblattes als seine Lehr- und Pflanzschule zu betrachten. Mit dem vierten Jahre tritt es in die Reihe der bewährtesten und begründetsten Institute der Oeffentlichkeit. Es ist nun Mann geworden. Seine Lebensrichtung, seine Aufgabe, seine Grundsätze sind klar, bestimmt, anerkannt, gebilligt worden. Seine Autorität, seine Gränzen sind genau abgesteckt. Man weiß, was man von ihm zu erwarten, was man darin zu finden hat. Es bedarf daher nicht mehr ängstlichen Haschens, eigenen Lobpreisens, Befürchtung von Mißverftändniß. Es hat sich nur noch nach innen zu entwickeln, in seinen Tendenzen zu bekräftigen, diese auszuarbeiten, und die Früchte zu zeitigen. Sein äußeres Dasein ist ihm längst gegeben. — So freuen wir uns, mit allen wahrhaften Freunden des Judenthums, dahin gelangt, diese Zeitperiode überstanden zu haben, und das Organ, welches allein das ganze Judenthum, wie es ist, repräfcnttrt, zu einer Konsistenz gekommen zu sehen, die seiner Wirksamkeit aller Orten Eingang verschaffen muß. Der, welcher unfern Weg bis jetzt mit uns gewandelt, weiß, welche Kämpfe wir bestanden, welche Rechtfertigung wir durchgeführt, welche Ideen wir verfolgt, welche Hoffnungen wir angeregt, welche Regungen wir geweckt, welche Fortschritte wir gemacht, welchem Ziele wir näher gerückt: wir brauchen es ihm nicht zu sagen. Der, welcher uns seine Aufmerksamkeit geschenkt, ist es inne geworden, daß hier das Judenthum in seiner Gesammtheit, die allerdings aus ziemlich auseinandergeschlagenen Parthieen besteht, betrachtet, daß eine jede einzelne, gesonderte Richtung in ihrem Licht und Schatten ausgenommen, daß ein Aufgehen Aller in den festen und unverrückbaren Höhen- und Mittelpunkt des Judenthums angestrebt, daß aber immer ein totales Bild in seinen gröberen und feineren Skizzen gewonnen wird. Wol ein Jeder, der dem Rechte, welches jede. Idee hat, der der Billigkeit, welche jede Ansicht fordern kann, huldigt, wol ein Jeder, dem das Lebensprincip unsrer Zeit zum Bewußtsein gekommen, allem Streben ein gemäßes Dasein zu gönnen, und nur die Nichtigkeit, Flachheit, Trägheit, denn dies ist der Tod, zu verwerfen, hat es eingesehen, welche hohe Wichtigkeit die „Allg. Zeitung des Judenthums" dadurch erlangt hat, wie sie allerdings darum dem Judenthume zu einem festen Anhalt geworden, und wie sie, während anderswo das Judenthum in unfaßbare Atome, in Bruchstücke zu zerfallen, wie Wasserringel zu verschwimmen .scheint, das Judenthum wieder als ein Festbestehendes, Organisch-Sich-Bewegendes, Substantiell-Sich- Fortbildendes, Wahrhaft-Belebtes dem sich beruhigenden Gemüthe zeigt. Das Judenthum ist allerdings nur ein religiöser Verband. Da aber gerade in der civilisirten Welt Religion noch nicht zu bloß geistiger Existenz gekommen, da sie immer noch auch einen materiellen, realen Bestand hat, indem man noch immer nach den Religionen das Maß des bürgerlichen Daseins abmißt: