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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-12-21 · Heft 103 (21.12.1839) · p. Seite 676

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 103 (21.12.1839)
Date
1839-12-21
Page
Seite 676 (sequence 8)
Language
German
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676 Haffen, wenn der Parther unsre Felder verwüstet, unsre Weiler verbrennt, unsre Habe plündert, unsre Jungfrauen schändet. „Nicht doch, mein Freund," erwkederte der König, „der Pacorus ist mein Freund und Bundesgenosse, er wird auf diese Weise nimmer schalten. Glaube mir, Pappus, wir werden seiner bedürfen. Wird es Herodes nicht geling gen, von neuem den feilen Römer'zu gewinnen, wenn wir ihn auch vertreiben?" - „Vertreiben, König — er darf nicht lebend aus der Burg!" „Und. wenn auch dies — jene Parther ziehen heim — wo sie irgend Schaden verübt, ich will es königlich erstatten und doppelt vergelten. Wir sind ihrer los, wenn sie Palästina einmal den Rücken gekehrt. Aber der Römer gieriger Blick ist immerfort auf dies Land gerichtet, sie sind die Hornisse, die uns den letzten Blutstropfen aussaugen, Judäa soll der Schemel sein, auf den sie zur Herrschaft von ganz Asien schreiten wollen. Sie kennen meinen Haß gegen sie, nimmermehr werden sie mich ruhig im Besitz des väterlichen Thrones lassen. Glaubst du aber, daß wir es mit einer ganzen Welt aufnehmen können, daß wir zugleich die Römer bekämpfen und die Parther von unfern Thoren abweisen können. Wahrlich, ich habe den Pacorus nicht gerufen, aber ihn zu beleidigen wäre Undankbarkeit und Wahnsinn zugleich." Pappus schüttelte das Haupt: „Ich dachte es mir anders, mein König. Wenn er dich liebet, dieser Pacorus, er würde die Stimme deines Volkes ehren und den Ehrgeiz des Judäers nicht kränken, der eben jetzt Alles auf's Spiel gesetzt, dich sein nennen zu können, ec würde heimziehen mit seinen Horden und den geheiligten Boden Judäas verlassen und dir gönnen, die Wunden, die die bittre Zeit dem Vaterlande geschlagen, zu heilen. Von neuem würde das Land erblühen, die Tage deiner Großmutter Alexandra würden zurückkehren, endlich würde das Kciegsgetümmel von diesen Bergen weichen und Jeder im Schatten seines Oelbaums ruhen. Wir aber würden eine Gesandtschaft nach Rom schicken, wir würden in Senat und Volksversammlung treten, wir würden ihnen sagen: So und so ist unser Wille, so unsre väterliche .Sitte, laßt uns die Freiheit ungekcänkt, wir sind nicht zum Kriege und zur Eroberung bestimmt von dem Gotte, den wir verehren, wir wollen jene Ehrgeizigen nicht, die unsre Gemüther aufregen, unsre Angelegenheiten verwirren, wir -wollen Friede und Freundschaft. Und sie würden es uns gewähren. O, Antkgonus, es käme die heißersehnte Zeit, nach der das Volk lechzet, du wärest der heilbringende Bote des Herrn, den wir erwarten!" — Der König trat dem Freunde näher und legte zutraulich seine Hände auf dessen Schultern. „Beruhige dich, alter Freund, die Zeiten werden kommen." Pappus lächelte wehmüthig. „Sie kommen nicht, mein König, — traurig, traurig! o viel Heldenmuth in Judäa, er wird erniedrigt werden, so viel Geistesreichthum, er wird verarmen, so viele Quellen des Glückes, sie versiegen, so viel himmelanstrebender Stolz, er wird gedemüthigt werden! Armes, mein armes Vaterland! Bist du noch das Land, auf welchem das Auge des höchsten Gottes mit Wohlgefallen ruhet! Und mein Volk, ach! schon bietet es das Bild einer schaudervollen Zukunft dar. Wie jetzt die Völker unter ihm auf seinem eignen Boden einhergehen und Gesetz und Recht Israels mit Füßen treten, wie Man den Judaer nicht mehr vom Joumaec unterscheiden könne, wie du bald auf Römer und Griechen, bald auf Parther, bald auf Aegyp-' ter und Araber stoßest und sie schalten siehst, als wären sie heimisch hier und herrschen, als waren Jsrael's Söhne Untergebne — so wkrd's noch schlimmer werden. König, ich sage dir, fühlst du jetzt nicht Geistesstärke genug, dieser Welt zu widerstehen, und deinem Vaterlande die Unabhängigkeit, deiner Nation die priesterliche, unangetastete Würde zu erhalten, — so werden, da sie jetzt schon gebietend über unfern Häuptern, unserm Palästina schreiten, wir bald bettelnd und heimatslos, sklavisch und elend durch ihre Lander ziehen, und wahrlich, da werden wir erkennbar sein. Jahrhunderte werden auf uns mit ihren ehernen Fingern zeigen und Völker uns mit Molochsarmen umschlingen, die Welt wird zu klein sein, ^daß wir eine Ruhestatt.finden, unser Haupt darauf zu legen, unsere Blicke werden sehnsuchtsvoll zurück nach diesem Lande gerichtet sein und Hinschauen werden wir betend, nach der Stätte des zertrümmerten Tempels, aber immer weiter gen Abend wälzt uns der Völkerstrom, daß wir athemlos fort keuchen und verzweifelnd in unermeßliche Abgründe stürzen"- Zfflßlidjuä trat jetzt ein. Ec schien dem Könige geheime Botschaft bringen zu wollen. Dieser ergriff die Hand des Pappus. „Entziehe mir diese Hand nicht," sagte er sanft, „verschließe mir dieses Herz nicht, mein Freund. Ach, ich glaubte ihn leichter, diesen königlichen Purpur, sie lastet schwer diese Krone." „Es ist", erwiedertePappus ernst, „es ist eine Krone, die nur mit Unwillen einst die Hände des Propheten auf eines Menschen Haupt setzten, eben, weil sie zu schwer ist, denn es ist die Krone Jehovah's, des obersten Königs dieses Landes."

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