Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-12-21 · Heft 103 (21.12.1839) · p. Seite 675

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 103 (21.12.1839)
Date
1839-12-21
Page
Seite 675 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3225013-3225117--02374-3235495
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

673 und mit der Niederlage des Feindes zu überraschen, ehe noch die Feier des Festes in Jerusalem begann. Von neuem tränkte dein Boden sich, Palästina, mit dem Blute deiner Kinder! Mit wildem Geschrei stürzen die idumaischen Krieger des Herodes sich auf die Schaar deö Antigonus, von den Rossen der Reuterei scheint die Ebene Jesreel zu erbeben, als wenn vom unterirdischen Feuer verderbenbringender Berge die Erde zittert, in geordneter Schlachtlinie rücken fröhlich die Fußtruppen an und bilden mit ihren Schildern eine unabsehbare weich!» glanzende Decke über ihren Häuptern und hoch wird die Standarte des Herodes von seinen Hauptleuten aufgerichtet und schauet stolz von den Bergen herab. Aber alles dies dämpft den Muth der alten Streiter Judaa's nicht. Zwar stehen sie nicht in künstlicher Ordnung da, aber Aller Augen glänzen, wie die Fahne des Maccabäers enthüllt und entwickelt wird und als Pappus David's Schild im Lager erhebet, es klopfet das Herz an den Panzer, als wollte es die eherne Decke zersprengen, ein Fceudenruf ertönet, als sich Antkgonus auf arabischem Rosse zeiget und das Schwerdt nach Jerusalem richtet, und in dichtem Kreise umringen ihn die bärtigen Krieger und küssen den Saum des purpurnen Mantels, der über seine Schulter herabhing. Es wüthet die Schlacht , nicht weichen die alten Judaer, von den jugendlichen Kriegern gedrängt, da stürzet .der Haufe bewaffneter Landleute Galiläa's herbei, sie schwingen die Sensen über den Feind, als mährten sie Gras am Abhange ihrer Hügelketten, sie verwirren die Kunst der Schlachtordnung und in ihrem rauhen Dialekte sich gegenseitig zurufcnd, sind sie überall, wo Gefahr drohet, wo das Glück den Hasmonäer zu verlassen scheint. Die Soldaten des Tetrarchen weichen, bald verwirrt sie wilde Flucht und Verfolgung. Alles drangt sich jetzt nach Jerusalem. Immer größer wird die Anzahl der Streiter für Antkgonus, aus allen Flecken und Städten eilen sie herbei und strömen nach der Hauptstadt. Dort ist Alles im größten Aufruhr, denn schon bringen Flüchtlinge die Nachricht der verlornen Schlacht. Jauchzen und Frohlocken auf den Straßen machen den Herodes und seinen Bruder zittern, vergebens zeigt sich der Hohepriester Hyrkan vor dem Tempel, seine schon in den Staub getretene Würde erregt keine Ehrfurcht, kein Mitleid. Aus allen Dächern steht die Bevölkerung und schauet über das Roßthor und Eckthor nach der Gegend, wo die Erretter Kommen sollen und als dies geschieht, stürzt die Menge ihnen entgegen , und öffnet die Thore. Da sammeln Herodes und Phasael von neuem ihre Anhänger im Hofe des königlichen Palastes, unwiderstehlich drängen sie d,ie Masse zurück nach dem Markte, wo ein gräßliches Gemetzel entsteht. Ueberall, wo sich der Tetrarch zeiget, scheint der Sieg an seine Gegenwart gefesselt, und nach vergeblichen Versuchen, seine Schaar zu überwältigen, weichet Antkgonus und besetzet den Tempel. Jetzt entsteht eine förmliche Belagerung des Heilkgthums, eine Schaar der Leibwache nimmt die Hauser um dasselbe ein. und wehret dem Volke ab, welches den Antrgonus entsetzen will, doch vergebens. Hell lodert die Flamme von den angezündeten Hausern Am den Tempelberg himmelwärts, Weheruf ertönet von allen Seiten/ein Gebrüll wie Meeresbrausen und als Helven fallen die herodeischen Krieger. Die Tetcarchen mit dem Hohenpriester schließen sich, von Wenigen gefolgt, von neuem im Palaste ein« War doch nun Jerusalem und der Tempel in den Händen des Hasmonäers, ertönte das Jubelgeschrei des singenden Volkes für den jungen König. Weit öffnen sich die Pforten des Heiligthums und eine unermeßliche Menge ziehet ein und wirft sich nieder zur Anbetung. Hell klingen die Cymbeln und Posaunen zum Gesänge der Tausende von Leviten, hoch steiget der Opferdampf vom Altäre. Von seinen Kriegern umringt und auf dem Schilde Davids getra- , gen, nähert sich Antkgonus dem Allerheilr'gsten, schon zieret die goldne Krone das jugendliche Haupt und Aller Augen glanzen beim Anblick des Jünglings. Aber auf einmal vernimmt man ein dumpfes Gemurmel unter der Menge, die Blicke der greisen Streiter werden ft'nster, Boten kommen eilens zum Könige, die Pärchen waren zu Lobana, vor den Thoren Jerusalems, heißt es überall, und schwüle Gewitterluft scheint die Brust der Judäer einzuengen. Bald verstummen Gesang und Freudengeschrei. Aus dem Tempel bewegt sich die dichtgedrängte Menge langsam und zerstreut sich auf den Markten und vor den Thoren, nur der Beifallsruf einiger Haufen begleitet den Antigonus zur königlichen Wohnung. Pappus nahet sich dem Monarchen, ein finstres Gewölk liegt auf der Stirn des Greises, seine Lippen beben von den preßhaften Gefühlen, die sein Jnnces bewegen. „Sie sind dennoch da, mein König, die Heiden, vergebens hat dein Volk für dich gestritten, vergebens, sein edles Blut für den Hasmonäer vergossen, o was brauchtest du dieser Hülfe! Haben wir dich' nicht hierher gebracht durch unsre .Kraft, glaubst du, daß Judäa nicht stark genug sei, dich zu schützen und die Elenden zu vertreiben, die in der Burg dem Willen einer Nation trotzen? Höre» wird's das Volk und die Gemüther werden trauern ob des Mißtrauen des Königs in unsere Liebe und unsere Macht; die sich zu dir gedranget, sie werden dich verlassen, die dich angebetet, sie werden dich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.