Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 103 (21.12.1839)
- Date
- 1839-12-21
- Page
- Seite 674 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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674 S. 377 seiner Geschichte.) Bei dieser UcLereinstimmung in der Grundansicht wäre es wol denkbar, und gewiß auch wünschenswert!), Laß der Engländer, von welchem jene Anzeige im ^oreixn Älontdl^ Review ausging, und unser deutscher Professor sich vereinigten, um dieses alre itinerririum mit correktem'Le.rte und guten erläuternden Anluerkungen dem Publikum in die Hände zu geben. W. B elletrifiik. Die Wanderung durch's Lebe». Eine Zeit-Novelle. (Fortsetzung.) Die le$tm H asmonaer, (Fortsetzung). Lautes Schlachtgetümmel in der Hochebene Esdrelon! Weit erschallet die silberne Trommete des Krieges durch Judäa's Gefilde, es tönet das Horn von Tabor und rufet die Bewohner des Gebirges, sie sammeln sich vom See Genezaret, von Saron's üppiger Flur, sie kommen vom tobten Meere, von des wüsten Arabien's Grenze. Alles, alles strömt zur Fahne des Maccabäer's, greise Krieger, die schon längst auszuruhen gedachten, und die Waffen, an der alten Sache verzweifelnd, niedergelegt, suchen Speer und Lanze wieder. Sieg beim Enkel des Mattathias, Sieg bei der Fahne: wer dir gleich unter den Starken, Jehova! „Sind denn dahin die Tage des Ruhmes, sollen Fremde dein Ecbtheil beherrschen, Barbaren auf David's Throne sitzen!" — An allen Kreuzwegen stehen Priester, auf allen Straßen Leviten und predigen zum Aufstande, daß der Landmann den Pflug zurücklasse und jetzt noch einmal das Schwerdt ergreife gegen den Jdumäer Herodes, den Römerfceund! Jerusalem, Jerusalem, das sei das Ziel, der Tempel und Zion muß Schlachtpreis werden! Dahin ist die Erntefreude, es verstummet der Gesang der Schnitter, der Gruß des Friedens hat keine Bedeutung, denn Krieg lodert in den Herzen. Wol wallen die Schaaren durch das Thränenthal, aber nicht zum frohen Feste, nicht zur heitern Volksversammlung, sie ziehen düstern Blickes zur Davidsstadt, um den Kampf zu beginnen, um das Blut der Brüder am Altar des Herrn zu vergießen. Immer größer wurde der Volks- und Kriegerhaufe, der sich bei Drymus um Antigonus sammelte, wie durch Zauber fortgetragen erscholl der Ruf im Lande, daß wieder ein Hasmonaer aufgetreten, daß er noch einmal und zum letzten Male das Schwerdt gezogen, das Reich seiner Vater den Unterdrückern zu entreißen. Denn unerträglich ward das Joch des übermüthigen Herodes und seines Bruders Phasael. Sie, auf denen der Flecken idumäischer Abkunft haftete, waren es, die durch die erschlichene Gunst der römischen Imperatoren, durch Kabale und Heuchelei den kräftigen Hasmonaer Aristobul gestürzt und in's Elend gejagt, sie, die ihm durch römische Hände den Gifttrank heimlich beim Mahle reichen ließen, die dafür seinen Bruder Hyrkan zu ihren ehrgeizigen Absichten benutzten und das wankelmüthige Herz und den schwachen Geist dieses von den heidnischen Feinden eingesetzten Hohenpriesters wie Thon in des Töpfers Hand beherrschten. Schon war auch ein Sohn Aristobul's, der muthvolle Alexander, als Opfer ihrer Rache und ihrer Furcht gefallen, sein Haupt auf dem Blutgerüste zu Antiochia setzte die Bewohner Palästina's in Wuth, zähneknirschend sah sich der Löwe Juda's gefesselt und daniedergehalten von den römischen Legionen, laut schrie Alles um Rache und nach vergeblichen Versuchen, die Freiheit zu erlangen, schien endlich der Tag gekommen, der Eclösdng in dem jungen Hasmonaer versprach. Bald drang auch das Gerücht in die königliche Burg zu Jerusalem. Hohnlachend empfing Herodes die Nachricht; was vermochte der Jüngling gegen ihn, den mächtigen, von den Weltbezwingern geschützten Tetrarchen, was der rechtgläubige, fanatische Haufe alter Judäer gegen seine jugendlichen Krieger, die schon unter seinem Vater Siege erfochten, in allen Künsten römischer Strategie geübt waren, vor denen Aegypten gezittert, der trunkene Parther sein Haupt gebeugt. Und wenn er hinunter schauete von der Zinne der Burg, diese prächtige Hügelstadt, von allen Sekten befestigt, unzugänglich selbst der äußersten Tapferkeit, sollte sie der verzärtelte Jüngling mit siechen Greisen erklimmen! Aber doch stiegen Gedanken der Unruhe in seiner Seele auf.' — So nahe am Ziel, so sicher des Purpurs, für den schon sein Vater gestrebt und gearbeitet, und — wer kennt nicht den Wechsel des Krkegsglücks — dennoch vielleicht durch des verhaßten Hasmonaer von neuem weit, weit zurückgestoßen? Auch wurde der Haufe des zur Feier des Wochenfestes in Jecusalem's Mauern eindringenden Volkes immer größer, schweigend zog er vorüber vor den Gaukelspielen, die Herodes zur Belustigung veranstaltet, voll Abscheu sah er auf die heidnische Pracht kn der Nähe des Tempels des Einig-Einzigen, hierhin waren die düstern Blicke gerichtet, sehnsuchtsvoll stellte man sich an die Pforten, voll Ingrimm schauete man auf die fremden Mischlinge seiner Leibwache. Deswegen säumte auch er nicht und heraus zogen in der Stille der Nacht die Schaaren bewaffneter Krieger durch das Roßthor nach dem Bezirke von Drymus, um dort den Aufruhr in der Geburt zu ersticken, um sich den Alten unter Antigonus Anführung entgegenzustellen