Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 103 (21.12.1839)
- Date
- 1839-12-21
- Page
- Seite 673 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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673 die des Herrn Löwenftekn und der Mitgenannten, thätig sind, kann man schon im Voraus der baldigen Verwirklichung auch dieses Wunsches entgegen sehen. Möge der Himmel nur seinen Segen dazu verleihen. Di-. A, Adler, Literarische Nachrichten. Aus Ungarn, 1. Dec. (Privatmitth.) Jst'S auch vielleicht rn Deutschland schon überflüssig, so ist'S doch in Ungarn gegenwärtig in doppelter Beziehung, nach innen und außen nämlich, nicht unwichtig, auf die scientifischen und artistischen der Israeliten von Zeit zu Zeit aufmerksam zu machen. WaS nun erstcre betrifft, so sind folgende Männer gewiß würdig, den Lesern dieser Blätter näher bekannt zu werden. Siegmund Saphir, Docwr der Medicin in Pesth, lieferte eine.gute lateinische Uebersetzung der Hempelschen Anatomie. Dem deutschen Publikum ist er als Uebcrsetzer einiger Theater von Victor Hugo, und als umsichtiger Redacteur des Pcsther Tageblattes rühmlichst bekannt, Baruch Schönfeld aus Sccnitz, seiner der ersten hebräischen Prosaiker unserer Zeit, bekannt durch mehrere im schönsten Hebräisch geschriebene Schriften, und der gerade jetzt im Begriffe ist, ein neues Wcrkchen herauSzugcben, das bei den Liebhabern der neuhebräischcn Literatur gewiß die freundlichste Aufnahme finden wird. Karl Beck, auSPesth, denen gepanzerte Lieder in Deutschland zu bekannt sind, als daß ich über ihn hier umständlicher sprechen sollte. Herrmann Klein, verdienstvoller Uebcrsetzer mehrer Josika'schcn Romane. Ahrvn Chorin, Rabbine in Arad, der in Deutschland bereits Anerkennung gefunden, und auch in diesen Blättern bei mehren Gelegenheiten rühmlichst genannt wurde. Wilhelm Schlesinger auSPesth, dessen geistvolle Recensionen und Kritiken so beliebt sind. Weniger Regsamkeit haben die ungarischen Israeliten bisher auf dem Gebiete der Kunst gezeigt, doch sind sie auch hier nicht müßig geblieben. Ich nenne nur Grein er aus Gar Dahcl, der in Wien als erster Kalligraph bekannt ist, und in seinem Fache wirklich BewundernSwcrthcS leistet, den rcnommirten und beliebten Porträtmaler Fischer und den Violin - Virtuosen MarcuS R'oßavolgyi (Roscnthal) aus Pesth, der nicht sowol seiner mechanischen Gewandheit, als der Originalität wegen gerühmt wird, welche er iw Auffaffung und Exccutirung der Nationallieder und Tänze beurkundet. Er wurde in Pesth, Raab, Papa, Steinamayger und Preßburg mit vielem Enthusiasmus gehört, und seine magyarischen Compositionen finden vielen Anklang. Wahre Anerkennung fand auch der hoffnungsvolle Violinspieler Michael Hauser in seiner Vaterstadt Preßburg, wo er öfters in öffentlichen Concerren, und einige Mal bei einem kunstliebenden, hohen Prälaten spielte. Allgemeine Bewunderung erregt der junge, achtjährige Joachim in Pesth, welcher ein Heros der Violine zu werden verspricht. Am wenigsten wird das' eigentlich wiffenfchaftliche Gebiet des Judenthums bearbeitet. Außer den Schriften ChorinS, welche mehr practischc als wiffenfchaftliche Tendenz haben, und denen Schönfeld's, welche pädagogische Zwecke erstreben, sind noch die Leistungen M. Stern'6 und L. Dukes aus Preßburg zu erwähnen. Die, vor einigen Monaten bei Schmid in Preßburg erschienene Bearbeitung des Hiob von Gabriel Dessauer entspricht zwar weder der deutschen Uebersetzung, noch dem hebräischen Commentare, noch den gegenwärtigen Anforderungen einer wissenschaftlichen Exegese. Wenn man aber bedenkt, daß dieses exegetische Product aus der'talmudischcn Schule hervorgegangen, — derVerfaffer ist ein Schüler des seligen Sopher, — so wird man daffelbe, besonders in Rücksicht auf daS schöne hebräisch, in welchem der Commentar geschrieben ist, gewiß mit Nachsicht bcurtheilen. Es'ist gewiß erwähnenswerth, daß R. MoseS Sopher auch der deutschen Uebersetzung seine Approbation gegeben. Ich kann nicht umhin, hier auf ein merkwürdiges Manuscript aufmerksam zu machen, welches ich in Pesth bei meinem werthen Freunde, Herrn vr. Schwimmer, zu sehen Gelegenheit hatte. ES ist eine bis zum Buchstaben (*,) forkgeführte v ollständige Concordanz des Talmuds, von einem, in Ungarn unter dem Namen N. Sina Lamdan bekannten, bereits verstorbenen Privatgelehrten, welche das bekannte Pach ad Tizchak an Ausführlichkeit und zweckmäßiger Anordnung bei weitem übcrtrisft. Diese, vomNerfaffer selbst mit ungewöhnlicher Zierlichkeit geschriebene Handschrift, welche zwei große Foliobände ausmacht, und nur Einmal existirt, wäre für manche Bibliothek gewiß eine schöne Akquisition, da schon die vollendeten Buchstaben bei mancher kritischen Arbeit sehr wichtige Dienste zu leisten geeignet sind, und bei der Genauigkeit, mit welcher der Vers, sein Werk behandelte, das mühsame Suchen in den Quellen, wenn nicht ganz überflüssig machen, doch mindesten« sehr erleichtern. Ein Buchhändler, welcher etwa durch einen Verein von Gelehrten dieses Riesenwerk, deffen Hälfte als fertig zu betrachten ist, und kaum einer Revision bedarf, seiner Vollendung zuführen wollte , könnte das Manustript um einen äußerst billigen Preis an sich bringen. — Die Literatur der Religionsbücher und Katechismen haben auch die ungarischen Lehrer, aber mit nicht sehr glücklichem Erfolge, zu bereichern gestrebt. C. Skreinka in Arad, C. Horowih in.Preßburg haben Katechismen geschrieben, die außerhalb der Grenzen-ihrer Gemeinden und Schulen kaum bekannt worden sind. Bernard Frankel'S Volksschriften haben das Verdienst, daß sie in den Landgemeinden Geschmack - an deutscher Lektüre verbreiten. (Fortsetzung folgt.) Paris, 19. Nov. (Privatmitth.) Endlich ist gegründete, Hoffnung da, daß deü Maimuni unsterbliches Werk, der More,' in seiner Urgestalr (arabisch) erscheinen wird. Herr Munk, der sich seit sehr vielen Jahren mit dem Studium dieses Werkes beschäftigt hat, laßt cs in der hiesigen königlichen Druckerei drucken. Der Text, nach 6 Manuscriprcn, wird einen schönen arabischen Quartband bilden, dem dann sofort die französische Uebersetzung, ebenfalls in Quarro, folgen wird. Berlin, 24. Nov. (Privatmitth. Verspätet.) Der sel. Oberrabbine zu Posen, Jacob Eger, hat die Früchte seiner 60 jährigen angestrengten Studien in cinen^ sehr ausführlichen C o m men ta r zur Misch na Hinterlagen, für dessen Erscheinen auf'Subscriptionswege einer seiner Söhne in Berlin gegenwärtig bemüht ist. Die, jetzt allhicr domicilirten früheren Bewohner der Stadt Märkisch-Fricdland, woselbst früher der sel. Eger Rabbine war, haben über 300 Thlr. für dieses Werk gezeichnet. Die jüdischen Bewohner Berlins haben, in Folge eineö Aussatzes des Herrn vr. I. I. Sachs in der Voß. Berl. Ztg., dazu conkurrirt, und bereits beträgt die Subscription 1800 Thlr. DaS Werk wird in sechs starten Bänden bestehen. Tübingen, 20. Nov., (Privatmitth.) Im Einklänge mit der dem Foreign Montbly Review entnommenen Anzeige in No. 93 Jdres geschätzten Blattes habe ich Ihnen zu berichten die Ehre, daß auch der alö Philologe, Geograph und Historiker berühmte Professor vr. Th. Luc. Fr. Tafel dahier eine neue mit historisch-geographischen Noten versehene Ausgabe des Benjamin von Tudela vorbereitet Ein Muster dieser neuen Ausgabe hat er als Anhang (Seite 467—520) seinem diesen Sommer zu Berlin bei Reimer erschienenen Werke de Thessaljonica ejusque agro beigefügt °), und dadurch dargcthan, daß er zu dieser Arbeit tüchtig und berufen sei. Einen ausführlichen Bericht über daö von ihm in dieser Probe schon Geleistete werde ich Ihnen in aller Bälde zusenden; für jetzt nur noch die allgemeine Bemerkung, daß auch Herr Professor Tafel dem Benjamin von Tudela die Wahrheit seiner Angaben vindicirt, und namentlich in dem mehr erwähnten Muster der neuen Ausgabe den Beweis widerlegt, den der Geschichtsschreiber der Israeliten auS der Nachricht über Amalfi für die Behauptung hernehmen will, die rn^öö seien eine Compilation, einen Beweis, den jener Geschichtsschreiber selbst alS fast den deutlichsten bezeichnet. (Siehe B. VI. *) Wir bitten um I Erempl. dieser Probe recht dringend. D. Rtdakt.