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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-12-21 · Heft 103 (21.12.1839) · p. Seite 672

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 103 (21.12.1839)
Date
1839-12-21
Page
Seite 672 (sequence 4)
Language
German
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672 geisterurig an das Studium der Sprache ihres Vaterlandes gehen, dessen Söhne sie sich hoffentlich in Kurzem mit vollem Rechte werden nennen können. Auch ist hierin der Fortschritt, sowol bei der männlichen, als weiblichen Jugend nicht zu verkennen. Viele jüdische Studirende haben sich bereits an Gymnasien auch in der ungarischen Sprache der Vorzugsklasse würdig gezeigt, und vor einigen Monaten wurde auch in hiesigen Journalen viel von dem Aufsehen erzählt, welches der reine magyarische Ausdruck der Judenmadchen in Kanischa auf einem Balle machte. Mehr als alles dies beweist die erste Erziehung, welche in allen gebildetem israelitischen Hausern den Kindern gegeben wird, wie sehr man sich bemühe, die gründliche Kenntniß der Nationalsprache zu verbreiten. In Pesth zumal wird ein großer Lheil der israelitischen Kinder im eigentlichsten Sinne in der magyarischen Sprache erzogen, und gewiß wird dieses Streben von Denjenigen zu wenig gewürdigt, welche die Juden noch immer als fremde betrachtet wissen wollen, wiewol auch diese Wenigen noch nie geäußert haben, daß ihnen ein Theil christlicher und magyarischer Judenantipathke eingeimpft sek. Won der seltsamen, affektirten christlichen und germanischen Judenantipathie eines deutschen Theologen kann in Ungarn, wo ein gesundes Naturell des Geistes und Gemüthes derlei Affektationen noch nicht aufkommen lassen, die Rede gar nicht sein. — Ich schließe meinen heutigen Brief mit der Bemerkung, daß ich einem großen Theile Ihrer Leser einen nicht unangenehmen Dienst zu erweisen hoffe, wenn ich auf die Angelegenheiten der Israeliten in Ungarn öfters zurückkomme, da sich im Auslande nur eine sehr oberflächliche Kenntniß der ungarischen Verhältnisse voraussetzen laßt. Ich gedenke Ihnen zu Ende dieses Jahres eine statistische Uebersicht mittheilen zu können, welche diese Verhältnisse in das klarste Licht setzen werden. Pesth, 1. Dezemb. (Privatmitth.) Kaum singen die in Preßburg versammelten Stände an, einige die Urbarialgesetze betreffende Artikel zum Vortheil der Juden zu modisiziren, als der hiesige resp. Gemeindevorstand, (an dessen Spitze Herr I. L. Boskovitz bereits drei volle Jahre ehrenvoll und zum Nutzen der hiesigen Gemeinde fungirt) es für zeit- und zweckgemäß erachtete, an sammtliche Eommunitaten Ungarns und der damit verbundenen Provinzen Einladtmgen ergehen zu lassen, in Folge deren jede derselben Ablegaten hieher zur Berathung sende. Sämmtliche Körperschaften wahrnehmend, daß sich jetzt eine seltne Gelegenheit darbiete, beeilten sich diesem Aufruf unverzüglich Folge zu leisten, und das Resultat der hierüber gehaltenen Sitzungen war, daß ein aus zwölf Gliedern bestehender Ausschuß und Herr I. L. Boskovitz als Präses sich nach Preßburg verfügten, um so viel an ihnen liegt für ihre Mitbrüder zu wirken, und die Lösung'dieser Zeilfrage heranzubrkngen und zu fördern. Sehr richtig hat Herr L. Löw bereits in diesen Blattern angemerkt, daß die Hintansetzung der Juden in Ungarn keineswegs mit der ehemals in Deutschland stattgefundenen verglichen werden dürfe, da selbe hier viel seltner als dort in Verfolgung derselben u. s. w. ausartete, sondern meistens auf Ausschluß von bürgerlichen und andern Rechten restrkngirt war. Ucbechaupt ist hier die zwischen Jud und Ehrist bestehende Kluft nicht so groß, um von der Idee, sie ausfüllen zu wollen, zurückzuschrecken. — Gehörige Würdigung wird hier den Aphorismen zur Erhellung der politischen Geschichte der Juden in Ungarn von Herrn L. Löw, da sie die Aufklärung mancher Begebenheiten versprechen, die sonst schwerlich waren ans Tageslicht gefördert worden *). H. P. Groß-Cankscha, 19. Nov. (Prkvatmitth.) Das Bedürfniß, geordnete'Schulen zu .besitzen/ durchdringt die jüdischen Gemeinden Ungarns immer mehr. Wo eine solche schon besteht, wird mit allen Kräften . nach. ihrer Vervollkommnung gestrebt. Ehrenhaft in dieser Beziehung erwähnt zu werden verdient besonders die hiesige Gemeinde^ Den edeln Mitgliedern derselben, den Herren Moritz Löwenstein, Rosenfeld und Pollak gehört das Verdienst, uneigennützig mit allen zu Gebote stehenden Kräften für die Errichtung einer Schule thq'tig gewesen zu sein; und ihnen ist es zuzuschreiben, daß die hiesige Gemeinde eine solche schon seit 1832 besitzt. Wie es gewöhnlich mit dem Neugeschaffenen der Fall ist und sein muß, hatte auch diese Anstalt mehrere Jahre hindurch verschiedene Schwierigkeiten zu bekämpfen, und Kleinmürhige genug zweifelten an ihrem jemaligen Gedeihen. Die würdigen Herren Direktoren, unter denen auch vi. Horschetzky, im Kreise durch seine Kunst und dem Auslande durch die unternommene Uebersetzung des Josephus bekannt ist, ließen sich hierdurch nicht abschrecken, suchten vielmehr durch Herbeirufung auswärtiger, tüchtiger Lehrer dem erkannten Uebel abzuhelfen; und ihr Blick war in der That ein richtiger. Dem gründlichen Schulmanne und mit vielen jüdisch.-theologischen Kenntnissen begabten Herrn Schönmann aus Baiern ist es in Verbindung mit dem nicht minder schatzenswerthen Herrn Gutfreund gelungen durch unermüdliche Thätigkeit und unerschöpfliche Liebe zum Fache, der Schule einen solchen Aufschwung zu geben, daß sie jetzt sich kühn den besten im Lande an die Seite stellen darf. Die Resultate der Prüfung, welcher der Herr Gymnasial-Dicektor beiwohnte, waren für die Mitglieder der Gemeinde höchst überraschend. Für die Zukunft wird die Zuversicht gesteigert durch die vortreffliche Acqnisi'tion, die die Schule neulich an dem praktischen Schulmanne Herrn Eichberg gemacht. Wolle man einem Fremden eine wohlgemeinte Bemerkung nicht übelnehmen; so möchten wir es bedauern, daß man dem Letztgenannten zu verschiedenartige Unterrichtsfächer aufgetragen. — Ein noch unbefriedigtes, aber tief gefühltes Bedürfniß ist für jetzt noch hier eine der genannten für Knaben entsprechende Mädchenschule, die leicht mit jener verbunden werden dürste. Aber in einer Gemeinde, wo Kräfte, wie *) Der durch feine literarischen Arbeiten vorthcilhaft bekannte Herr L. Löw wird bei seinen geschichtlichen Untersuchungen die Schlacken vom Erz zu sondern wissenda z. B. der durch seine Fabeln , die er den historischen Angaben beimischt, berüchtigte BonfiniuS, der Bibliothekar Mathiä Corvini, nicht als authentische Quelle angesehen werden darf. Correspondent.

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