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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-12-21 · Heft 103 (21.12.1839) · p. Seite 671

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 103 (21.12.1839)
Date
1839-12-21
Page
Seite 671 (sequence 3)
Language
German
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671 sammlung, den 11. Nov., vom Justkzminister im Namen der Regierung den Ständen ein Gesetzentwurf vorgelegt, wornach jenes gehässige Gesetz von 1811 aufgehoben wird und demgemäß die Juden auch in dieser privatrechtlichen Beziehung den Christen gleichgestellt werden sollen. Am 30. Nov. d. I. erfolgte die Discussion hierüber in der zweiten Kammer. Berichterstatter war der berühmte Abgeordnete Dr. v. Maker; auf dessen Arstrag beschloß die Kammer einstimmig die Aufhebung des Gesetzes von 1811. — Nun war aber in dem Eingänge zu dem von der Regierung vorgelegten Gesetzentwürfe u. A. als Motiv der Aufhebung jenes Gesetzes von 1811 angegeben, „daß Dasselbe mit Leichtigkeit umgangen werden könne;-" Dr. v. Maier beantragte daher die Abänderung dieses Satzes, „weil es nicht nöthig sei der Verschlagenheit der Juden eine Maßregel zuzurechnen, die durch die tüchtigsten Gründe des Rechts und durch den Geist der neueren Gesetzgebung für sich allein unstreitig geboten ist." Auch diesen Antrag auf Abänderung des Eingangssatzes genehmigte die Kammer einstimmig. — So wird also, nach erfolgtem Beitritte der ersten Kammer, wieder eine von den Fesseln gelöst sein, welche die Juden zur Zeit noch umstrickt halten. — Man erwartet auch nächstens eine Vorlage der Regierung an die Stände, die Vereinfachung der Formul des Judeneides betreffend. Herr Oberrabbine Dr. Frankel ist zu diesem Bchufe mit einer diesen Gegenstand gründlich beleuchtenden Schrift beschäftigt, welche, wie man hoffen darf, bald die Presse verlassen wird. — In dem den Ständen vorgelegten Staatsbudjet auf die Finanzperiode von 1840 bis 1842 ist neben den Postulaten für den evangelischen und römisch-katholischen Kultus auch eine Summe von jährlich 200 Rthlr.-für den israelitischen Kultus aufgesetzt.— Die in Folge des Gesetzes vom 16. Aug. 1838 angeordnete Vereinigung des jüdischen Armenvcrsorgungswesen mit dem städtischen ist nunmehr zur Ausführung gekommen und erhalten die jüdischen Armen Unterstützung aus der allgemeinen städtischen Armenkasse, nach denselben Grundsätzen wie solche den christlichen Hülfsbedürftigen gereicht wird. — Oesterreich. Pesth, 17. Nov. (Allg. Zeit.) Die bedeutendsten jüdischen Gemeinden in Ungarn haben Abgeordnete aus ihrer Mitte gewählt, die sich auf den Reichstag zu Presburg begeben sollen, um die dort vielleicht zur Sprache kommende Emanzipation der Juden in Ungarn zu betreiben. Mehrere einzelne Comitate Ungarns haben sich bereits über diesen Gegenstand sehr günstig ausgesprochen, und vorzüglich ist es das Pesther Comitat, das mit großer Liberalität seinen Deputirtcn bevollmächtigte, eine unbedingte Emanzipation der Juden anzunehmen. Preß bürg, 22. Nov. (Privatmitth.) Das in diesen Blättern bereits mitgetheilte Renuntium der Stände in Betreff des Grundbesitzes der Israeliten in Ungarn ist auch vor der Magnatentafel durchg egangen, und so fehlt nunmehr diesem, von den Betheiligten so heiß ersehnten Gesetze nichts als die königliche Sanktion. Wien, 19. Nov. (Prkvatmitth.) Als ein schönes Seitenstück zu einer edlen, fürstlichen Handlung, welche Ihnen neulich (No. 97 d. B.) berichtet wurde, thcile ich Ihnen folgenden edlen Zug zweier hochherzigen magyarischen Magnaten mit, welchen ich ungarischen Blattern entnehme, und der ebenfalls geeignet ist, von dem Geiste der Humanität des ungarischen Adels Zeugenschaft zu geben. , Die kleine israelitische Gemeinde in Palola, km Veßprömer Comitate, hat nämlich vor zwei Jahren den Bau eines neuen Tempels an die Stelle ihres alten, baufälligen, unternommen. Gleich beim Beginne des Baues erhielt sie von den beiden Grundbesitzern der Herrschaft folgende Beiträge: vom Herrn Nikolaus Grafen von Zichy 15000 gebrannte Ziegel vom Herrn Stephan Grafen Zichy v. Vazsonykeö k. k. wirkt. Kämmerer 50,000 gebrannte Ziegel, 900 Metzen Kalk, und 750 st. baar. Die kleine Gemeinde betrieb den Bau bereits zwei Jahre mit rastlosem Fleiße und unermüdetem Eifer, und hatte die Freude, denselben bis auf die äußere Verkleidung und innere Ausstattung vollendet zu sehen. Nun aber fehlte es der unbemittelten Gemeinde an Subsidien um die gänzliche Vollendung des Baues gehörig zu betreiben. Der letzt genannte hochherzige Graf Zichy bewilligte der bedrängten Gemeinde, ohne darum angegangen zu sein, einen abermaligen Beitrag von 75 st., und ließ sich auch dazu herbei, sich bei einigen hiesigen israelitischen Häusern für dieselbe zu verwenden. Der Synagogenbau wurde nun vom Baron Rothschild mit 100 st. C. M., vom Baron Eskeles mit 40fl., und vom Herrn Simon Edlen von Lemel mit 100 fl: unterstützt. — Auch der israelitischen Lehranstalten nimmt sich der ungarische Adel menschenfreundlich an, wie dies erst neuerlich auch au6 einer Gegend berichtet wird, wo die neuere Bildung und Gesittung in den israelitischen Gemeinden erst in ihrem ersten Erwachen zu verspüren ist. Ungarische Blatter melden nämlich aus Mada, im Zemploner Comitate, daß sich der Comitatsassessor, Herr Franz v. Drovezky für das Aufblühen der dortigen, jungen Schule sehr interessire, und daß die Zöglinge unter Leitung des Lehrers Schönfeld nicht nur in der Relkgionslehre und den deutschen Schulgegenständen, sondern auch in der ungarischen Sprache die besten Fortschritte machen. Letzteres ist besonders rühmenswecth, und es steht mit aller Zuversicht zu erwarten, daß auch die größern israelitischen Lehranstalten in Ungarn dem Studium der ungarischen Sprache mehr Aufmerksamkeit schenken, und auf dasselbe mehr Zeit verwenden werden. Nicht nur ein vaterländisches Interesse macht die Kenntniß dieser Sprache, welche nunmehr vollkommen zur Gesetz- und Gerichtssprache erhoben worden, sehr wünschenswerth; * für den Israeliten hat diese wohlklingende Sprache noch den besondern Reiz, daß sie in grammatischer und lexikalischer Hinsicht sehr frappante Vergleichungen mit dem Hebräischen gewährt. Die jüdischen Jünglinge Ungarns werden jetzt vollends mit Be-

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