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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-12-14 · Heft 102 (14.12.1839) · p. Seite 643

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 102 (14.12.1839)
Date
1839-12-14
Page
Seite 643 (sequence 11)
Language
German
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j663 Kastellan (zu den Zuschauern.) Ein Weib hat ausgesagt, daß sie die Mutter Des Kindes sek, und todtgeboren dies — Wo ist das Weib, es trete jetzt hervor. (Pause.) Ben-Joseph (wild auffahrend.) O Gregoire, verläßt auch du uns jetzt! Kastellan (zu Ben-Himmel und Esrerka.) Was habt Ihr nun hiegegen einzuwenden? Esterka (steht auf.) Ja, sprechen will ich, weil's zu sprechen gilt. Bereit zu sterben, soll die Unschuld' doch Nicht unvernommen in die Grube fahren. Glaubt Richter, nicht, daß ich zu rühren hoffe Eur Herz, nach solchem schamlos falschen Aeugniß, Das offenbar mit Gelde ist erkauft. Doch kann es nicht die Kraft, den Muth mir beugen. Den mir verleiht das schuldlose Gewiffen. — Hab't Ihr gelesen nicht in euren Büchern, .Die von der grauen Vorzeit Euch verkünden: Einst war der Christen Zahl noch sehr gering, Und ringsum führten Heiden nur das Zepter. Da ward der Christ verfolgt, gehöhnt, beschuldigt, Der Heidenpriester fürchterlicher Haß Warf in den Kerker überfallne Christen; Er stellte Zeugen wider sie, die schworen, Daß sie die 'Christen Heidenkinder morden. Verzehren sahn, der Kinder Blut einschlürfen, Vorurtheilsvolle Richter glaubten schnell, Zum Tod verdammend den unschuld'gen Christen. — Wie? war es so? Gebot der Christen Gott Nicht Liebe wider alle Menschenbrüder? Und Freundesduldung für die Menschen all'? War sie gerecht die Klage? war das Urtheil Auf Recht gegründet? Sagt, wer spricht nicht: Nein!- Und seht ihr nicht, wie einst die Christen standen, Vor Heidenrichtern, gen die falschen Zeugen: Steh'n wir nicht, Juden, jetzo vor den Christen? — Weil treu wir bleiben, unserm Glauben treu, Der Väter Lehre mit dem Leben siegeln: Darum erhebt der Priester Haß sich wieder, Und schleudert, ganz — wie ehemals, Verfolgung Anklagen, Zeugniß reicherkaufter Lügner, Und bittern martervollcn Tod uns zu? Pater Martin. Bon wem wagt ihr zu sprechen, Magd? Esterka. Von euch! In euch erstand der Heiden Priesterzunft. Herunter eure Larve! fagt, was habt Ihr hier zu schaffen mitten im Gericht? Was höhntet ihr dem schwachen Greise zu, Daß seiner Rede Eindruck ihr verlöschtet? Was riefet ihr die Zeugen dann herbei. Die eurem Ruf sich gleich gehorsam stellten? — Und soll die Zeit nicht neu, soll nur die alte Verfolgungslust sich wieder jetzr gebaren, Ihr sollt doch wissen, wie sie/ sich erzeugt. Lest unsre Schrift, sie, die aüch ihr erkennt Als heilig, die auch euer Meister nannte Ein Gotteswerk: du sollst nicht tobten! ruft Auch uns sie zu — du sollst den Fremdling lieben! Du sollst ihm Brod von deinem Brode brechen! Und ein Gesetz, ein Recht sei uns und ihm!- Und wenn mein Vater auf sein Silberhaar, Auf seine alterschwache Rechte zeigte, - Soll ich nicht weisen ach! auf meine Jugend? Noch ist das Leben mir so reich und neu. Ich trat kaum ein, der Blüthen wenige Entfalteten in ihrem Dust sich mir — Und, mehr wie Mörder, die im Mord ergrauten, Mehr wie des Räubers stumpfverstocktes Herz, Soll ich ein Kindlein angetastet haben?. Mein eigner Vater mein Verführer fein? —, Seid Väter ihr? drückt ihr an eure Brust Die blühnde Tochter mit dem Vaterarm — Und aufgeschreckt erzittert nicht eur Herz? (Pause.) (zu Katherine.) Und du, die nie mein Auge sah, der nie Ein Wort des Leides meine Lippe sprach. Kannst du vor Gott, der deine Seele schaut. Kannst du bestät'gen, daß du mich gesehn, An jenem Ott, wo>man das Kindlekn fand? Katherine. Verruchte Jüdin, ich kann es bestät'gen. Esterka. Bist du gewiß, daß mich, daß mich du sahst? Katherine. Ich bin's gewiß, und wohl erkenn' ich dich. Doch sprachst du nicht so hoch, du flüstertest Mit jenem Greis, auf den die Strafe falle. « Esterka. Welch' Kleidung trug ich? Katherine. Ja, nicht so geschmückt, Mit Band und Perle tratest du dahin,

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