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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-12-14 · Heft 102 (14.12.1839) · p. Seite 642

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 102 (14.12.1839)
Date
1839-12-14
Page
Seite 642 (sequence 10)
Language
German
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662 Dann laßt mich ruhn, und zwingt mich nicht zu sprechen, Die Sprache ward für Menschen nur geschaffen. (setzt sich nieder.) Pater Martin. Mit leerem Ausruf wird erwiesen Nichts, Man fand euch doch in blutbeschmutzten Kleidern. . Ben - Himmel.' Ich bin ein Rabbi, und mein Nachbar dort, Zonathas, wollt' des Kindes Hochzeit feiern, Drum mußt' ich ihm an jenem Vormittag, Das Vieh, das er geschlachtet, untersuchen. Ob's koscher sei nach unserem Gesetz; Der Arm wühlt dann im blut'gen Eingeweide, Und blutbefleckt wird das Gewand da leicht. Pater Martin. Man fand den Schlitten noch an eurer Thür, Worauf das Kind ihr in den Wald gebracht; Ben-Himmel. Der Schlitten war's, auf dem mich JonathaS Von seinem Haus zu meiner Hütt' gefahren. Er kann's beweisen, holet ihn herbei. Pater Martin. Er ist ein Jude, und sein Zeugniß falsch. Kastellan. ES ist an mir, Herr Pater, zu befragen. Pater Martin. Verzeiht, verzeiht, daß mich zu weit geführt Der Unwill', daß der Jud' so frech ableugnet. Was gute Christen doch bezeugen werden. Neunter Auftritt. Die Vorigen. Katherine und Valentin drängen sich hervor. Katherine. Ja wol, ja wol, die Juden sind die Mörder. Mit unsren Augen sahn wir es vollbringen, Doch war's zu spät, dem Kind zur Hüls zu kommen. Verruchte Juden, wie, ihr wollt es leugnen? Kastellan. Wer seid Ihr? Katherine. Gehorsam' Diener, edler Herr. Ich heiß Kathink, und das ist Valentin, Der Organist von Wola, und mein Mann. Sprich, Valentin. Valentin. So ist's. Die Juden waren's. Kastellan. Erzählt. Katherine. WaS zu erzählen — kurzes Ding, Doch traurig, daß die Augen überlaufen, Wie wenn den Hund der eigne Herre peitscht. Mein Mann und ich, wir gingen in den Wald, Früh Morgens, Reiser in dem Busch zu sammeln. Sie nach dem Schloß zu bringen, daß der Herr Mit Trinkgeld uns, wie er gewohnt, beschenke. Da hörten wir ein Winseln und ein Schrein, Wie von 'nen Kind, dem man was Leides thut. Wir gingen näh'r, da sah'n wir diesen Jud' Und diese Magd, wie sie das Kind geschlachtet. Noch warm verscharrten in den tiefsten Schnee. Wir gingen heim, dem Pater es zu melden, Doch war er nicht zu Haus, und als wir kehrten Zum Busch zurück, war schon das Kind gefunden. Sprich, Valentin, war's nicht? Valentin. So war's, so war's. Pater Martin. Nun seht die Schuld auf ihrem bleichen Antlitz, Bemerkt es wohl, sie sind verstummt, die Thater! Kastellan (zu der Frau.) Seid ihr gewiß, daß es dieselben sind? Katherine. Sie sind's, ich irr' mich nicht, erkenne sie, Die schwarzen Äugen, und den langen Bart — Kastellan. Habt ihr sie früher schon einmal gesehn? Katherine. Nie, Herr! nichts Leids, nichts Guts wußt ich von ihnen. Kastellan. Die Spuren waren viel zu groß für sie. Katherine. Was thuts? Sie thaten größre Schuhe an. Kastellan. 'Ne andre Spur wies nach St. Dominik. Katherine. Das war die unsre. Kastellan. Habt ihr Pferde auch? Katherine. Der Pater Martin leiht sie uns bisweilen. Kastellan. Doch sagtet ihr, ihr gingt zu Fuß zum Wald? Katherine. Zum ersten Mal, das zweite Mal im Schlitten, Der Eile wegen. Valentin war's nicht? Valentin. So war's, wir fuhren in dem Schlitten.

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