Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 102 (14.12.1839)
- Date
- 1839-12-14
- Page
- Seite 641 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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661 errungen, daß auch der Lohn für ihn nicht ausbteiben werde. Bis dahin muß er sich für seinen Theil mit dem bescheiden, was er hat. So verstehen wir die Aufgabe, die der Mann der Kunst und Wiffenschaft in Israel zu lösen hat. Indem wir hier unsere Meinung unumwunden ausgesprochen haben, müssen wir zur Verhütung von Mißverständnissen noch einmal wiederholen, was wir schon angedeutet haben, daß nicht die in jenem Artikel angeregte Sache es ist, gegen die wir etwas einzuwenden hatten, wir wünschen im Gegentheil, daß bescheidenen jüdischen Künstlern und Gelehrten, denen es nicht gegeben ist, sich hervorzudrangen, so viel Unterstützung gewahrt werde, daß sie in Stande wären, sich nach ihren Fähigkeiten immer mehr zu vervollkommnen; unser Unwille wurde nur rege durch den Mangel an einer festen religiösen Ueberzeugung, die denjenigen, die unser Stolz sind/ zugemuthet, und noch mehr durch die versteckte Drohung, ihre Fahne zu verlassen, in d'en Mund gelegt wird. B e l l e t t i ft i ¥. Es t e r k a. Trauerspiel in fünf Akten. Dritter Akt. (Fortsetzung.) Achter Auftritt. Die Vorigen. Ben-Himmel und Esterka werden von den Richtern in den Saal geführt, hinter ihnen zwei Soldaten. Esterka. ist in der Trachr res ersten Auftritts. B en - Himmel, sehr verfallen, doch in reinlicher Kleidung. Beide lassen sich auf einen Wink des Kastellans auf den Sitz nieder. Kastellan. Ein furchtbares Verbrechen scheint begangen. Ein christlich Kind/mit Wunden schwer bedeckt Ward in dem Wald von Lobzow aufgefunden, Mit Zeichen, daß ein Jude es ermordet. Der Thater Spuren führten nach der Hütte, .Wo dieser Greis mit seiner Tochter wohnten. Schwer wird dem Herzen solches zu vermuthen, Es widerspricht der menschlichen Natur, Doch schweigen muß das Herz, wo sich das Urtheil , Aus aller Zeichen inniger Verknüpfung Soll bilden für den prüfenden Verstand. Nun, Jude, sprich, was . hast du zu erwkedern? (Ben-Himmel fährt zusammen.) Kastellan (nach einer Pause.) Nur muthkg, Greis, nimm deine Geisteskraft Zusammen, wir sind Richter, und hören drum Mit offnem Ohre die Rechtfertigung — Vertraue uns, wie wir Verbrechen strafen. So schützen wir die Unschuld vor Gefahr. Ben-Himmel, (stehtauf.) Wohl ungewohnt, vor vielem Volk zu sprechen, Kann nicht die Rede nach Gefallen setzen. Ich bin ein Greis, der Jahre Bürd' drückt mich, Doch schwerer noch der lastende Verdacht. Wenn sich die Sonn' im Abend röthlkch senkt. Kann sie die Strahlen nicht zu Gluth vereinen. Kastellan. Ermuth'ge dich, es gilt das Leben, Greis! Ben-Himmel. Ich denk' der Jugend-muthkg wie ein Krieger Des Walles Bresche füllt, als Damm dem Feind, Trat ich entgegen der Verlaumdung Schmach, Auflösend kräftig das vecworrne Netz — Es war ein Spiel des spähenden Verstandes. Doch weh, wenn Alter soll vertheid'gen sich. Zu schirmen nochmals die gebeugte Brust, Gekrümmten Rück n zu entziehn den Schlagen,. Die wohlbecechnet führt der sichre Feind. Ich fasse dies, ich hasche jenes auf, ■ Doch alles gleitet aus der schwachen Hand. O Richter, Volk umher, konntet dem Greis, Dem Lebensmüden, das Ihr nicht ersparen? Habt Ihr der Jugend Tage nicht genug Gehetzt, daß Ihr das Alter noch befeindet? — — Pater Martin. Hat dich vor Frevel doch das Alter nicht Geschützt? — Ben-Himmel. Dank, —- Frevel — du erinnerst mich. Ich hebe diese Rechte jetzt empor, Die zitternd den Gehorsam mir gekündigt. Ich hebe sie vor Euren Augen auf, Und frage, wer, wer kann anßlagend glauben, Daß diese Rechte sich' mit Blut beflecken, Das Blut des Kindleins wol vergießen konnte? Giebts kein Gesetz mehrt'menschlicher Natur? Ha, die verdorrte Hand, von Kerkertuft Zum Spiel des Luftzugs, der sich.regt, gemacht. Könnt' sie den Streich des Todes wol vollführen?' Ha, einen Schritt vom Grabe/ einen Schritt, Vom Richterstuhl, der in dem Jenseits steht. Könnt' wol der Greis unschuld'ges Leben treffen? Seid Ihr noch Menschen, ihr mit warmen Blut, Und mit dem Herzschlag wechselnder Gefühle, Und könntet solch' Gedanken nur noch fassen? 102«