Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 102 (14.12.1839)
- Date
- 1839-12-14
- Page
- Seite 639 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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659 ranz unserer Behörde — einzig und allein dem unenergkschen und gleichgültigen.Verwenden des israelitischen Schulvorstandes nur zugeschriebcn werden müsse. — Und wir müssen leider bekennen, daß diese Beschuldigung nur zu wahr ist, da man überhaupt eine größere Aufmerksamkeit von Seiten des israel. Schulvorstandes für die Schule mit Recht verlangen könnte.- Literarische Nachrrchten. München, 25. Nov. (Privatmitth.) Die erste Lieferung des vom Gönnte des hiesigen Synagogen-Chors intendirtcn Werkes: Vollständiger Jahrgang für Terzett- und'Chorgcsänge rc. rc^ ist bereits erschienen. Sie enthält die Gesänge für die Sabbate im ganzen Jahr. Die Ausstattung sowol als der Inhalt dieses ersten Heftes entsprechen den von dieser Unternehmung überhaupt gehegten Hoffnungen der Art, daß man mit Eifer und fast möchten wir sagen mit Sehnsucht den fernem zwei oder drei Lieferungen, denn auf so viele wird sich die Anzahl derselben belaufen', entgegensicht. Wir können um so mehr rühmend von den hier dev größeren Oeffentlichkeit übergebenen Gesangsstücken sprechen, als wir gleichsam praktisch durch Anhören derselben in der hiesigen Synagoge einerseits die Würde und Erhabenheit dieser Compositionen,• andrerseits das für den betreffenden gottesdienstlichen Akt Paffende derselben beurtheilen können. Es wird das Erscheinen dieses Werkes in dem jetzigen Zeitpunkte um so willkommner sein, als in der für die israelitischen Cultgemeindcn in Mittelfranken gegebenen Synagogen-Ordnung unter andern die Bestimmung enthalten ist, daß aus der männlichen Schuljugend ein Chor gebildet und im Gesänge tüchtig geübt werde. Würz bürg, 25. Nov.^ (Privatmitth.) Von der während des vorigen Landtags in München erschienenen Broschüre: „die Emancipation der Juden in Baiern," ist angeblich eine zweite Auflage erschienen. Zur Ehre der Herren Herausgeber wollen wir glauben, nur das Titelblatt sei neu aufgelegt worden, denn sonst ist nicht ein Wort verändert, aber auch nicht eine Zahl, und es ist doch schwer anzunehmen, daß die Statistik dieselbe geblieben sein soll. Und wenn sie es wäre, so sind schon damals in diesen Blättern einige Unrichtigkeiten in den Angaben nach gewiesen, sage: nach gewiesen worden, und auch diese sind unbeiücksichtigt geblieben. Von Männern, die es gut mit uns meinen, sollte man doch wahrhaftig erwarten, daß sie mit Vergnügen sich eines Bessern belehren lassen, wo sie zum -Nachtheil der Juden geirrt haben. — Tages-Controle. Ueber den Aufruf im Hamburger Telegraphen. Erster Artikel. (Eingesandt.)*) Der „Hamburger Telegraph" enthalt km 182. Blatte dieses Jahrganges einen Aufruf an die Israeliten Deutschö) Daß dieser Artikel wirklich ein gesandt ist, nickt etwa auS unsrer Feder geflossen, um versteckt Angriffe zu machen, brauchen wir wol kaum noch einmal zu versichern. Ein zweiter Artikel, von uns selbst geschrieben, wird in nächster Nummer erscheinen. Ein jeder unsrer Leser weiß, daß wir stets uns befleißigen, jeder Ansicht das Wort zu leihen, sobald sie eine wesentliche Begründung hat. , D. Redakt. lands, worin nach einer kurzen Erwähnung des Druckes, unter welchem diese Glaubenspartei noch immer in Deutschland zu seufzen hat, besonders auf die Künstle^ und Gelehrten unter ihnen aufmerksam gemacht wird, deren viele von Ehrgefühl und Lebenssorgen angetrieben, genöthigt sind, derr Glauben ihrer Vater zu verlassen, um im Staatsdienste eine Versorgung finden zu können. — Damit sich nun die Juden im Allgemeinen nicht einen strafbaren Jndifferentismus gegen solche Verluste vorzuwerferr haben, sollen sie in allen Landern und Städten Deutschlands Eomitös bilden, Kapitalien zusammenschießen, und davon jüdischen Gelehrten und Künstlern, so lange sie keine Anstellung haben, Pensionen verleihen. Wir würden uns bloß darauf beschranken, den Redakteur jenes beliebten Blattes für die Aufnahme eines anscheinend im Interesse des Judenthums geschriebenen Aufsatzes, so wie dem Verfasser, wenn wir gewiß wüßten, daß er kein Jude sei, wenigstens für seinen guten Willen zu danken. Verwahren müssen wir uns aber gegen solche Gesinnungen, wenn sie von einem jüdischen Gelehrten im eigenen — oder was noch schlimmer wäre in Mehrerer — Namen ausgesprochen worden waren. Mögen andere die Sache an sich für höchst unschuldig und von einem günstigeren Standpunkte aus ansehen, wir entdecken in diesem Aufrufe, wenn, er — wie gesagt — von einem jüdischen Gelehrten hercührt, einen Fleck, den sobald als möglich abzuwafchen wir uns in unserem Innern aufgefocdert fühlen, wenn wir nicht abwarten wollen, bis ihn irgend ein „Judenfresser" zu einer böswilligen Argumentation gegen das Judenthum aufgreift. Denn man bedenke, die Männer in Israel, die sich mit Erfolg der Kunst und Wissenschaft gewidmet haben, sollen bei ihren Bestrebungen höherer Art ihre Willenskraft nicht genug gestählt haben, um ihre Ueberzeugung über Alles setzen zu können; sie, die von früher Jugend an daran gewohnt sein sollen, das menschliche Leben von einem höheren Gesichtspunkte aufzufassen, thun sich noch was zu Gute auf ihv Jagen nach äußerem Glanze und nach Wohlleben, das sie beschönigend Ehrgefühl und Lebe ns sorge nennen; den Weichlingen wurden umsonst so herrliche Beispiele aus der Geschichte vorgeführt, woraus sie lernen konnten, wie es zu allen Zelten bei allen Völkern Männer gegeben hat, die in schlechten Hütten bei einer ärmlichen Kost rein der Wissenschaft und Kunst gelebt, und doch höher standen als viele, die über Millionen Gulden und Menschen zu gebieten hatten. Das Gefühl der Selbstständigkeit, das dem wahren Manne der Wissenschaft und Kunst einwohnen soll,, ist ihnen nichts, der Mensch .muß Professor, Gerichts-Referendarius oder Regierungs-