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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-12-14 · Heft 102 (14.12.1839) · p. Seite 638

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 102 (14.12.1839)
Date
1839-12-14
Page
Seite 638 (sequence 6)
Language
German
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638 Leider ersehen wir ein Beispiel dieser Art in der im Jntelligenzblatt der königl. Regierung von Oberbayern vom 27. Sept. 1839. an sammtliche Distrikts-Polizei-Behörden von Oderbayern ff. erschienenen Verordnung, in welcher es §. 5. heißt: „Den Juden ist jede direkte oder indirekte Einmischung in Güterzertcümmerungsgeschäfte strengstens untersagt. Da dieselben gleichwohl die Unterhändler und Mäkler bei solchen Geschäften zu machen pflegen, so muß auf sie die wachsamste Aufsicht gepflogen werden. In vorkommenden Fällen ist nach Vorschrift der allerhöchsten Verordnung v. 28. Novbr. 1816, die Bettler und Landstreicher betreffend, zumal nach Art. 3. N, Xl, so wie nach Anleitung der allerhöchsten Verordnung vom 4. August 1807. St. XXXVI. S. 132. und der höchsten Ministerial-Entschließung vom 18. Novbr. 1837. den Guter-Handel auswärtiger Juden betreffend, Jntelligenzblatc X. 49. S. 1313. nachdrücklichst einzuschreiten." — — Aus dem Orte Schönhausen bei Günzburg sollen an fünfzig Personen sich vocbereiten, um im nächsten Frühjahre nach Amerika auszuwandecn. — Wüczburg, 24. Nov. (Privatmitth.) Unsere Kultusangelegenheiten haben jetzt ein getreues Abbild in unserer Synagoge. Alles Material ist herbeigeschafft, die Steine sind ausgeführt, eine Synagoge ist es nicht. Sie steht halbfertig da. — Leipzig, 29. Nov. Die hiesige Allg. Leipz. Zeit, enthält folgende Erklärung: „Das Frankfurter Journal vom 9. Nov. enthält einen gegen den Unterzeichneten gerichteten Artikel, der viele Unwahrheiten enthält; einen Artikel, der der vielgecühmten protestantischen Gewissensfreiheit wahrlich nicht das Wort redet, indem er einen Gewissenszwang sonder Gleichen zu beschönigen sucht; einen Artikel, der um so weniger in das frankfurter Journal gehörte, als er einen in demselben gar nicht besprochenen Gegenstand betrifft, also rein persönlich ist. Der Unterzeichnete hat es aus der Erfahrung, daß das Frankfurter Journal Widerlegungen solcher Artikel stets nur fürJnsertionsgebühren aufnimmt, hält es aber nicht für gut, Jnsertionsgebühren an dergleichen wegzuwerfen. *) Der Unterzeichnete erklärt daher ein für allemal dem Frankfurter Journal, daß. er solche Schmähartikel in einem sonst achtungswerthen, hierdurch aber nur zu einem Organe einer gewissen Clique herabsteigenden Blatte fortan mit Stillschweigen übergehen werde, sich ohne Mühe darüber tröstend. Magdeburg, im November 1839. Nr. Ludwig Philippsorr." Preußen. Bonn, 25. Nov. (Privatmitth.) Die Artikel ^aus Köln in No. 98 Ihres mit so großem Interesse gelesenen" Blattes über unsere.Rabbinatsangelegenheit, hat hier, so „*) Nur einen Punkt will ich berühren, daß die gewaltsame, aufgezwungene, und mit der Ertheilung von Hausirzetteln und Trödelpatcntcn in Verbindung gebrachte Reform des vr. Heß nicht erst jetzt, sondern schon 1837, Nr. 7. der Allgemeinen Zeitung des Judenthums, 1838 Nr. 28, und 1839 Nr. 85 der Allgemeinen Zeitung deö Judenthums bekämpft worden, und so die lügenhafte Insinuation des Frankfurter Journals über den Haufen fällt." wie in der ganzen Umgegend, eine außerordentliche Sensation erregt. So wahr und treffend aber auch der ganze Gang dieser Angelegenheit und einige Charaktere in besagtem Artikel geschildert werden: so können wir doch mit Vielen die Art und Weise, in welcher gegen Herrn C. gesprochen wird, nicht ganz billigen. Denn müßte auch das Benehmen desselben bei dieser wichtigen Sache Manchem auffallend erscheinen: so laßt sich dieses doch durch eine gewisse Pietät des Herrn C. gegen den alten Nabb. A., den er schon viele Jahre als seinen Geistlichen innigst verehrt, wenigstens entschuldigen. Zwar sollen und müssen bei solchen Dingen, die das allgemeine Wohl und vorzüglich das Heil der Religion betreffen, alle derartigen Nebenabsichten schwinden, aber nicht jeder besitzt die Kraft, seine speciellen Gefühle und Empfindungen sogleich für das Allgemeine aufzuopsern. — Soviel wir nun Herrn C. und die beiden andern Konsistorialrathe kennen, glauben wir mit Recht erwarten zu dürfen, daß, besonders nachdem sich durch den bisherigen Erfolg die Stimme der Einsichtsvolleren für einen tüchtig wissenschaftlich gebildeten zukünftigen Rabbinen deutlich kund gegeben hat, auch jene ihren Einfluß zur Realisirung dieses allgemeinen Wunsches verwenden werden, und somit den Anfang ihres neuen Wirkungskreises mit einer der schönsten Thaten schmücken. — Bei dieser Gelegenheit erlauben wir uns auch', Ihnen einiges über unsre Elementarschule zu berichten, und dieses noch um so lieber, weil ihrer bis jetzt — so sehr sie auch die öffentliche Anerkennung schon langst verdient hat —- noch niemals -erwähnt wurde. — Diese leitet schon 6—7 Jahre der tüchtige und bescheidene Lehrer Herr Sulzbach von hier. Trotz vielen Schwierigkeiten ist es Herrn Sulzbach doch gelungen, seine Schule auf solchen Standpunkt zu erheben, daß sie den besten christlichen in nichts nachsteht, was ihm die Schulkommission auch bei jeder abgehaltenen Prüfung immer zugestand. — Die größte Anerkennung seines rastlosen, unermüdeten und uneigennützigen Wirkens und seiner Leistungen ward Herrn Sulzbach bei der am 21. des vorigen Monats stattgefundenen öffentlichen Prüfung zu Theil. Außer den betreffenden Eltern und vielen anderen Zuhörern waren die 3 Mitglieder der Schulkommissi'on, die Herren Gymnasi'aldirektor Biedermann, Dr. Elshof und Pfarrer Wichelhaus und der Landrath Herr von Hymnen gegenwärtig. Die Prüfung begann mit Gesang, worauf Religionslehre, Bibelübersetzen, verbunden mit hebräischer Sprachlehre, Uebersetzen der Gebete, deutsch Lesen, deutsche Sprache, Rechnen, Geographie und Geschichte folgten. Das Ganze beschloß wieder der Gesang. Jeder der Anwesenden äußerte die größte, Zufriedenheit über das glänzende Resultat der ganzen Prüfung, und noch um so mehr, da nebst dem Hebrä'schen die übrigen vielfachen Elementarfacher nicht im Geringsten beeinträchtigt wurden. — Je mehr nun die anwesenden christlichen Nobilitaten mit den ausgezeichneten Leistungen des Herrn Sulzbach zufrieden waren, um desto mehr mußte es einige derselben befremden, daß von der städtischen Behörde der israelitischen Schule kein ihr angemessenes Lokal zugetheilt sei, und äußerten sich dahin, daß dieses — besonders bei der bekannten Tole-

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