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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-12-14 · Heft 102 (14.12.1839) · p. Seite 636

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 102 (14.12.1839)
Date
1839-12-14
Page
Seite 636 (sequence 4)
Language
German
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656 ringefaben worben, im Kreise um die Kanzel, auf welcher auf einem freien Platze im Serail der Hattischerif von Neschid-Pascha vorgelesen wurde, Platz zu nehmen (O. B.) (Man sieht hieraus, daß trotz der religiösen Unduldsamkeit, mit der der Türke auf Andersgläubige sieht, er dennoch die einmal vorhandenen Glaubenspartheien seines Reiches als Lntegrirende Lheile desselben ansieht. Redakt.) Afrika. Algier. In einem, sehr - großes-Aufsehen erregenden, Berichte des Herrn Blariqui über den Zustand von Algerien, heißt es: „Bis jetzt hat noch keine Vereinigung zwischen uns und den Eingebornen stattgefunden. Die Juden allein sind zu ihren Siegern in eine Verbindung, als neue Clienten, getreten. Man sieht viele Franzosen, die das arabische Kostüm angelegt haben, aber noch kein Araber legte das französische Kostüm an. Diejenigen Kinder der Eingeborenen, denen die Eltern einen Umgang mit den unsrigen gestatten, zeigen eine große Leichtigkeit in Erlernung unserer Sprache, aber sie gehören auch gemeinhin den Familien der, untersten Klassen an. Die Mauren in Algier haben bis diese Stunde erst drei oder vier Zöglinge in das städtische College geschickt, das wenigstens auf 150 gerechnet hatte. Auch auf einem Balle, der dem Kronprinzen zu Ehren gegeben wurde, sah man keine maurische, und nur 7 oder 8 jüdische Frauen; die Antipathie hatte über die Neugier den Sieg davongetrageu." (So steht also dennoch der Jude überall der europäischen Kultur naher, als der Muhamedaner, und fügt sich ihr schnell und leicht. Redakt.) DesTerreich. Prag, 12. Nov. (Privatmktth.) — Das auch in der Allg. Ztg. des I. besprochene Buch des H. De. S. Lowosttz hat auch hier einiges Aufsehen erregt;, die Tendenz des Buches ist um so auffallender, als der Herr Verfasser hier als ein kenntnißrekcher und humaner Mann bekannt, aus einer mißverstandenen innern Ueberzeugung, oder aus Oppositionsgeist, auf solche Irrwege gerathen konnte. Wohin, fragt man sich, sollen solche Ansichten führen^ Etwa bis zu dem Testamente des seel. verstorbenen preKurger Rabbinen? Dann wäre eswirklich der Mühe nicht werth<so viel gerungen und gestrebt zu haben, wie dieses feit den letzten fünf Dezennien im Judenthume geschehen ^Daß man doch Nichts lernen, und Nichts vergessen will! Daß man Nichtwissen will, wie sehr durch Zelolismus/alles Gute, wozu jetzt eine bessere Aussicht ist, als je miebyrf im Keimen vernichtet werden. — Unser Prediger H. Dr. Sachs hat dem zu Tarnopol m Galizienverstorbenen Schuldirektor, Joseph Perl, einige anerkenn nde Worte des Andenkens gesprochen» Der würdige Mann wurde als Vorkämpfer für die Verbesserung des geistigen Zustandes seiner israelitischen Landsleute, und als Muster uneigennützigen Skrebens dargestellt. Schöne Worte, die in dem Herzen Aller, welche da wissen, wgs das heißen wolle, trotz der Ansiindungen dummer und böswilliger Eiferer unerschrocken auf der Bahn des Guten f^rtzuschreiten, vollen Anklang gefunden haben- Deutschland. Aus Unterfranken, 25. Nov. (Privatmitth.) Die Privatmittheilung in Nr. 97. d. Z., datirt Pfersee (bei Augsburg), 15. Okt., enthalt ein, von einem einfachen Manne an die bayrischen Jugendlehrer gerichtetes Wort: ,,Warum dieselben den Unterricht im Hebräischen bei der Jugend so sehr vernachlässigen." —- Diese harte Anklage aller bayrischen Jugendlehrer erfordert naher beleuchtet zu werden. Gewiß, wer nur einige Kenntniß von dem Stande der bayrischen Religionsschulen hat, wird solche als ungegründet finden. Wenn nun aber, was Thatsache ist, diese Klage von mehrecn bayrischen Israeliten dennoch geführt wird, so ist die Ursache keine andere, als Mißkennung der Tendenz der Religkonsschulen im Allgemeinen. — Nicht höhere Bildungsanstalten sind die Religionsschulen, nicht Theologen heranzübilden, ist ihre Aufgabe; ihre Bestimmung ist keine andere: „dem jungen Israeliten Gefühl für das Höhere, Ewige und Unvergängliche einzuflößen, ihn mit seiner Religion vertraut zu machen — Liebe zu seiner Religion bei ihm zu erwecken, damit er, wenn er der Schule und der väterlichen Gewalt entwachsen, nicht leichtsinnig von der Religion seiner Vater abfalle; nebstdem muß aber auch die Religionsschule den Israeliten dahin zu bilden suchen, baß er, wie alle Staatsbürger und Unterthanen anderer Religionen, durch seine Gest'nnungs- und Handlungsweise fähig und geeignet werde, auf alle Rechte der Mitmenschen Anspruch zu machen." — Diesem Ziele wird nun aber in allen bayrischen Schulen eifriast nachgestrebt; denn wird in denselben gleichwohl nicht Talmud, der fei* nesweges eine Volksschrift ist, noch sein soll"), nicht der Commentar Raschi, welcher am allerwenigsten ein Commentar für die Jugend ist *°), gelehrt, (was wahrscheinlich der einfache Mann und Konsorten unter Vernachlässigung des Unterrichtes im Hebräischen verstehen): so wird doch in allen bayrischen Religionsschulen gründliche Uebersetzung und Erklärung der Tora"""), Gebetübersetzung, bibl. Geschichte, Relkgions- und hebräischer Sprach-Unterricht gründlich und tüchtig betrieben; in allen bayrischen Religionsschulen werden die Kinder an Ordnung und Reinlichkeit, Verträglichkeit, Gehorsam und Treue gewöhnt; und mehr kann von den Religionsschulen in Bayern, bei der, durch die christl. deutschen Schulen, ihnen sehr spärlich zugemessenen Schulzeit, nicht gefordert werden, und ist meines Dafürhaltens genannter Unterricht im Hebräischen für die Jugend auch hinreichend. Des einfachen Mannes Beschuldigung stellt sich daher als falsch und grundlos heraus. — Findet man übrigens hier und da Schulen, in denen wirklich wenig geleistet wird, so erwäge man einerseits, daß mehrere Schulen so ausgestattet sind, daß kaum die nothigsten Bedürfnisse des 'Lebens sie dem Lehrer zu befriedigen vermögen,., diese also um ihrer Subsistenz, willen, anderem Erwerb nachgehen müssen, wodurch nothwendig ihr Beruf leidet; anbrerseits, daß eben solche lieblose Aeußerungen und Anklagen, die nicht •i Abot, Abschn. 5*, Mischna 2T. •*) 2lben Eörri's Safa bcrura fol. 5. Corresp. *") In den bessern auch Uebersetzung der Propheten und Psalmen. Corresp'.

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