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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-12-14 · Heft 102 (14.12.1839) · p. Seite 635

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 102 (14.12.1839)
Date
1839-12-14
Page
Seite 635 (sequence 3)
Language
German
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655 Ist cs aber löblich', daß der Berliner Vorst, vor zwei Zähren das Geld schon auf dem Tische hatte, und noch immer nur Zeit und Geduld austheilen will? Zst es löblich, das Publicum mit großsprecherischen Verheißungen zu füttern, und ihm hernach das Hungertuch einer abzusehenden ersprießlichen Gelegenheit hikrzuwerftn? Zst es löblich, meine Wenigkeit, der die Zeit das kostbarste Gut ist, drei Zahre mit Schreiben und Porto zu ennuyiren und dann mit sanftem Händedruck vor die Thüre zu weisen? O wohl, ein Zeder wird darin nur sehen, wie man eine augenblickliche Begeisterung für einen erhabenen Zweck nach und nach abspeisen und büßen wollte; wie man zuerst mit der Hoffnung sich trug, die Erlaubniß zu collektiren würde irgend ein Hemmniß finden, und da die Zntelllgenz und die Toleranz der erhabenen Preuß. Regierung auch hier sich bewährte, wie man Hinhalten und ermüden wollte, und sich am Ende doch genöthigt sah, die Sache durch eine süßliche Pille abzuführen! Noch sind die Zsraeliten solche Schwachköpfe nicht geworden, um dergleichen nicht klar einzusehen. Ze mehr wir hier über alle Persönlichkeiten erhaben gestellt sind, je mehr wir bei der ganzen Sache kein Opfer irgend Zemandes zu bedauern haben, als das unsrige, denn auch jene' beim Beginne der Angelegenheit von zwei Biedermännern angebotenen 50 Thaler zur Bestreitung der Kosten haben wir nicht angenommen, und die Kosten an Porto, Drucksachen, Lithographien und dgl. belaufen sich auf ca. 300 Thaler. — Desto ruhiger und gelassener können wir solchem Verfahren eines Vorstandes der fast größten, und wie man sagt, intelligentesten Gemeinde unseres Vaterlandes, gegenüber uns verhalten. So gehet nun hin, und brüstet euch mit eurer Armenversorgung und eurem Seminar. Hättet ihr vom Anfänge an die Sache abgewiesen, so hätte man eine entgegengesetzte Ansicht in euch ehren können. Niemand aber wird ein dreijähriges Verheißen, Versprechen, scheinbares Mühen ff. mit solchem Resultate für würdig eines Vorstandes von 5000 Zsraeliten halten. Oder hättet ihr nur einen Versuch bei eurer Gemeinde gemacht, hättet ihr eure persönliche Verpflichtung — denn solche war nach dem Sollicitiren bei dem h. Ministerio vorhanden — wahrgenommen, so wäre dies gewöhnlicher Klugheit angemessen gewesen. So lebet wohl für immer, in dieser Angelegenheit, und schauet mit Fernröhren nach einer ersprießlichen Gelegenheit. Zum Abschiede aber nehmet die Versicherung meiner und aller Offenherzigen ganzen Hochachtung hin! Magdeburg. vr. Ludwig Philippson. Wir werden den nunmehrigen Stand unserer Angelegenheit in mehreren nächsten Artikeln besprechen. Much- und kraftlose Menschen würden die Feder darüber niederlegen; wir fühlen uns verpflichtet, die Sache nicht fallen zu lassen, um so mehr, da die Subscriptionen in Hamburg, Königsberg, Magdeburg und anderer Gemeinden uns solches auflegen. Die Redaktion. Zeitungsnachrichten. > Palästina. I London (Bert. 80 Es ist schwer, die Zahl der jetzt! im h. Lande lebenden Juden definitiv festzustellen; nach der j stärksten Schätzung rechnet man 15,000, Andere geben nur j 10,000 an. Sie wohnen hauptsächlich in den vier heiligen Städten, wie die Juden sie nennen:-in Jerusalem etwa 7000, in Hebron 700 bis 800, in Liberias 1200, in Safet 1500 — 2000. In den Städten längs der Küste wohnen sie zu 60 bis 150 und 200; in Jaffa, 60, Kaiffa 150 — 200, Acre 200, Lor 150, Sidon 300; in- Nablus (Sychar) fanden wir etwa 200 und 150 Samaritaner, und in den Dörfern von Galilaa mögen etwa4—500; wohnen. Seit 1832, wo Mehemet Ali Besitz von Syrien! nahm, ist ihre Vermehrung sehr stark gewesen; nur in den I beiden letzten Jahren war sie, wegen der Verwüstungen der j Pest, der theueren Lebensmittel, des schlechten Flnanzzustanr des der jüdischen Gemeinden und des Drucks ihrer Rabbis, geringer. In Europa werden an den Synagogenthüren Collecten für die Juden im heiligen Lande gesammelt, die sich, im Durchschnitt jährlich auf 2800 L belaufen. Jeder Jude, der. sich-ein. Jahr-im Lande aufgehalten hat, erhalt, mag er reich oder arm sein, seinen Antheil davon, wenn er ihn nehmen, will. Die Hauptursache ihrer Rückkehr nach Palästina scheint bestimmt in ihrer Anhänglichkeit an das Erbe ihrer Väter zu liegen. Türkei. Konstantinopel, 6. Nov. Als am dritten Nov. die neue Verfaffungsurkunde des türkischen Reiches unter angemessener Feierlichkeit statt fand, war auch der Chacham- Baschi (Oberrabbine) zu Konstantinopel nebst den drei christlichen Patriarchen, den Scheichen der Derwischorden rc.

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