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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-12-14 · Heft 102 (14.12.1839) · p. Seite 634

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 102 (14.12.1839)
Date
1839-12-14
Page
Seite 634 (sequence 2)
Language
German
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654 Mensch pflegt zu lieben, was ihm schwer geworden, und ich sprach diese auch an a. O. aus. Nach langer, langer Zeit erhielt ich die Antwort, ich solle das Original des Nescriptes des hohen Ministern einsenden. Es geschah. - Nun, nach einem abermaligen Vierteljahre erhielt ich ein neues Schreiben des Vorstandes, ich sollte ihm den Rath ertheilen, wie die Subscription anzufangen sei? Ob durch Umhersendung von Exemplaren meiner früheren Aufforderung, von einigen Worten des Vorstandes eingeleitet und mit Erwartung der Rücksendung und Zeichnung, oder ob ich nicht einige Mitglieder der Berliner Gemeinde kenne, diefür die Sache sich intereffirend, persönlich die Subscriprion befördern wollten, wozu denn der Vorstand einige einleitende Worte geben wolle! Meine Antwort blieb nicht aus, denn ich wollte die Tragikomödie zu Ende spielen. Zum fünften oder sechsten Male erwiederte ich mit den eindringlichsten Worten, daß auf diese Weise Nichts, gewonnen würde, die Theilnahme des Vorstandes ja Null sei, sondern der Vorstand müsse sich als solcher und in seinen Mitgliedern persönlich der Subscription voranstellen, und diese dann nach ihrer Zeichnung durch einen Beamten des Vorstandes mindestens courstren lassen. Als Antwort erhielt ich nun unter dem 18. November folgendes wörtlich copirte Schreiben: „Bereits früher hat der Unterzeichnete Vorstand sich gegen Ew. W. dahin ausgesprochen, daß er die Errichtung einer jüdisch-theologischen Fakultät und eines Seminars wichtig und sehr wünschenswerth erachte. Es kommt gewiß dem Vorstande einer jeden jüdischen Gemeinde zu, für die Ausführung eines solchen Unternehmens mitzuwirken. Früher konnte jedoch in hiesiger Stadt zur Eröffnung einer solchen Subscription nicht geschritten werden,, da ein Ihnen angezeigter Umstand'*) zuvor aus dem Wege geräumt sein mußte. Gegenwärtig und für die allernächste Zeit möchte indessen auch ein günstiges Resultat nicht zu erwarten sein. Die Mitglieder der Gemeine werden nämlich jetzt, nach einem bereits vor längerer Zeit gefaßten Beschlüsse**), zu freiwilligen Beiträgen für die Armen aufgefordert, auch wird zur Zeit ein Seminar in hiesiger jüdischen Gemeine eingerichtet. Indem wir Ew. W. hiervon auf das gefällige. Schreiben vom 20. v. M. benachrichtigen, fügen wir'noch hinzu, daß wir die in Rede stehende Angelegenheit keineswegs als rejouirt betrachten, vielmehr darauf bedacht sein werden, solche in Anregung zu bringen, sobald sich nur eine ersprießliche Gelegenheit dazu darbieten wird. Berlin, den 18. Nov. 1839. Die Aeltesten der Zudenschaft." Dies die simple Geschichtserzählung. Daß die ganze Judenheit dem Berliner Vorstände für die Anerkennung, daß eine jüdisch-theologische Fakultät wichtig und wünschenswerth sei, höchst dankbar sein wird, versteht sich von selbst, denn wer wird nun noch daran zweifeln? Daß ein jeder jüdischer Vorstand dahin Mitwirken solle, ist auch eine Anerkennung, wofür sämmtliche Juden dem Berliner* Vorstande Weihrauch streuen werden; denn welcher Vorstand wird nun noch zurückstehen. Daß der Berliner Vorstand nach zwei Jahren noch die passende Gelegenheit abwarlcn will, ist eine so löbliche Vorsicht, eine so weise Sicherheit, daß gewiß ein Jeder in Zukunft sich danach richten wird. Vielleicht haben die meisten Vorstände der deutschen Israeliten in diesem Gedanken noch immer gezögert, und diese Uebereinstimmung ist wirklich so rührend und so augenfällig, daß der mir noch kommen soll, der von Spaltungen im Zudenthume spricht. Daß der Berliner Vorstand erst seine Armen abthun will, wird jeder Gefühlvolle als schönes Zeichen des Mitgefühls dieses Vorstandes ansehen, und ein jeder Vorstand wird nun diesem Beispiele folgen, wir haben dann den doppelten Vortheil, die Armen und die Fakultät zu gleicher Zeit abgethan zu sehen, und die einzige Besorgniß wird nur sein, daß unterdes; die Armen sich vermehren, die Aussichten für die Fakultät sich verringern werden. Daß der Berliner Vorstand zuvor sein Seminar einrichten will, ist überaus löblich, denn dies Seminar hat viel Geld, mehrere Lehrer und fast keine Schüler, die noch dazu — welch ein Segen — für den Besuch dieser Anstalt honorirt werden. Wie gesagt, wir sehen nur Löbliches, und da die Saat nur löblich ist, wird die Ernte gewiß löblicher sein, und der Berliner Vorstand wird am Ende nicht wissen, was er mit allem Löblichen machen soll. Es mag ihm nun auch gleichgültig sein, aber er nehme unser Lob auch noch dazu! 0 Die Erlaubniß von Seiten des hohen königl. Ministern. **) Wahrscheinlich noch früher als 1837! Redakt. R e d a k t.

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