Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 101 (7.12.1839)
- Date
- 1839-12-07
- Page
- Seite 649 (sequence 13)
- Language
- German
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649 Verlaufe der dialektischen Rotation wieder getrübt worden; aber daß nun der absolute Geist sich der Menschheit offenbart hat, und — ewig unbekannt, wie? — zum Aussprechen reifer Wahrheiten seine Propheten aufstellt, das hat das Mosesthum in die Welt gebracht, und dieses Gewinnes werden sich auch alle spateren Religionen freuen, so lange nur die Herrschaft des Geistes wahren wird. Wenn ich aber gesagt habe, daß auf dieser Religionssiufe das Reich der Offenbarung begonnen hat, so wende man mir nicht ein, daß ja schon die Indier neun Incarnationen aufzahlen. Denn jede Religion-, welche Gott durch Inkarnationen sich manifestiren läßt, entwürdigt ihn; nur durch das Medium des reinen Gedankens muß er auf uns einwirken, wenn wir in Wahrheit auf dem Standpunkte des Gedankens, des Geistes uns befinden wollen. — Die Religion, deren Bekennern der Geist objektiv geworden ist, steht auf der Stufe des Bewußtseins, welche in der Ausbildung des Individuums den aus dem Jünglingsalter heraustcetenden vollendeten Mann charakterisirt. Daher der mannhafte Ernst, welcher zu allen Zeiten an den Mosaiken beobachtet worden ist, und daher ihr besonnener Geist, ,welcher, nachdem er durch den Druck von Jahrtausenden intensiver geworden ist, Böswillige „den atzenden Verstand" dieses Volkes nennen. Das Mosesthum stellte sich auf den Boden des Geistes, also des Uebernatürlichen, das von den Ln die Natur Versunkenen so leicht mit dem Unnatürlichen verwechselt werden kann. Darum war das Erbtheil Moses die ewige Antipathie der Völkerbund eben dieß hat seine mißverstandene Gesetzgebung niemals zu Popularität kommen lassen. In ihrem innersten, göttlichen Kern verkannt von der Welt, in welcher sie auftcat, hat sie sich kümmerlich durchkampfen müssen durch die Jahrhunderte des Parsismus, Chriftianismus, Muhamedanismus, dieser freilich nochwendigen Ideen des vor den Schranken der Wahrheit sich durchdkscutirenden Gottesbewußtseins, Betrachten wir noch diese drei Phasen in ihrer geistigen Entwickelung. Die Magier entdeckten in dem geistigen Monon„ das nun herausgeboren war, wiederum zwei Richtungen: Gutes und Böses sahen sie von ihm ausgehen und einander fortwährend bekämpfen. Sie ftatuirten in Folge dessen als Ausfluß der ungeborenen Zeit, eines allerdings monotheistischen Wesens, einen Fürsten des Guten, des Lichtes, der Reinheit, Ormuzd, und einen Fürsten des Bösen,, der Finsterniß, der Unreinheit, Ahriman; den Kampf zwischen diesen beiden Wesen'nahmen sie an, werde zwar am Ende zu Gunsten des guten Princips ausfallen, habe, jedoch einen gewissen Zeitraum hindurch volle Wirklichkeit. Das böse Princkp gelangte durch diese Annahme zu einer, wenn a-uch endlichen, doch unverdienten Positivitat. Es giebt kein Böses; moralische Uebel werden von einem bloß irregeleiteten Egoismus erzeugt, und das Dasein natürlicher Uebel nimmt nur der an, wer sich anmaßt, das Ende der Dinge eingefehen zu haben. Um das Gute als Ueberwindor des Bösen zu bezeichnen, ließ sich kein besseres Symbol auffinden, als das Feuer, das alles Unreine frißt und läutert, und so entstand die Feuecanbetung der Parsen; doch blieb das Feuer immer eben nur Symbol des Lauterers, und die Läuterung bewerkstelligte Ormuzd selbst. Parsische Ideen brachten die Juden aus dem Exil mit zurück, und ihre Anachoreten arbeiteten auf ihre Weise an denselben weiter, indem sie besonders jenem Dualismus den Gegensatz zwischen Gott und Welt, Seele und Leib, dem Reiche der Gottseligkeit und dem Reiche der weltlichen Lust fubstituirten. Als aber die theosophifchen Ansichten der späteren Griechen hierzu kamen, und man der immer unergründlicher und darum vornehmer gewordenen Gottheit nicht mehr mit Ehren glaubte jenes Geschäft der Läuterung, oder überhaupt einen Verkehr mit der Welt der Materie anmuthen zu dürfen; da verfiel der menschliche Scharfsinn auf die Idee eines Mittlers, der natürlich, wie alle von Menschen ausgehende Personisicationen, sehr bald mit einer menschlichen Form angethan wurde.. Zu deidem mochte der Umstand nicht wenig beitragen, daß die Propheten dem Messias eine Art von Vermittelung zwischen den Gottesverchrem und den Heiden zuertheilten, und ihn mit übermenschlicher Glorie umgaben. Soweit gingen nun die jüdischen Kabbalisten vor und nach dem Stifter der christlichen Religion, und diesem Standpunkte gehört an, was in den kabbalistischen Schriften von einem Urmenschenadam kaduion, Mittler, überhaupt von Trinität sich vvrfl'ndet. Um diese Zeit hatte nun aber das Elend-, unter welchem die Römer das jüdische Volk schmachten Ließen, bewirkt, daß die Hoffnung auf den verheißenen Messias sich Ln die Gemüther wieder Eingang verschaffte. Als aber das Ende des Meisters die Jünger überrascht hatte, 'da wurden sie auf das ähnliche Schicksal aufmerksam, das von Jesajas und Zacharias dem Messias vorausgesagt, aber vorher von ihnen gar nicht beachtet worden war. Und nun floß den nachweislich mit dem Parsismus und der Kabbala befreundeten Gemüthern der leidende Heiland mit dem so nahe liegenden kabbalistischen Mittler in Ein Bild zusammen. So hatte sich denn die errungene Einheit Gottes wieder in einen Duallsm und in eine Trinität müssen zersplittern lassen, der Polytheismus, welcher auf dem Gebiete der-Natur glücklich, besiegt worden war, hatte Ln der Sphäre ^es