Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 101 (7.12.1839)
- Date
- 1839-12-07
- Page
- Seite 648 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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648 Durch Krakau sind die Truppen all vertheilt. Um jeden Auflauf in Geburt zu Lobten, Und Gott wird lenken meiner Richter Spruch. Ben-Joseph. Wohl, Herr, doch wenn — das Urtheil anders fällt? Kasimir. Wie werden nah' mit unserm Schutze sein. Ben-Joseph. O zaudert nicht — sonst muß mit eigner Macht Der Unterdrückte sich die Rettung schassen, Zusammenstürzt, was mühsam ausgebaut, Wenn, wilde Machte feindlich sich begegnen. Kasimir. So geh mit Gott, und schaffe, was Du kannst. ‘ (Ben-Joseph links, der König und Melchtin zur Siechten ab.) Siebenter Auftritt. Ein großer Saal auf dem Rathhause zu Krakau. Rechts die Sitze der Richter, vor ihnen der' Stuhl des Kastellans, neben welchem ein kleiner Altar mit einem Krucifix, gegenüber zwei niedrige Sitze für die Angeklagten. Im Hintergründe der Raum für das Publikum. ES treten zuerst Soldaten ein, welche sieb in Zwischenräumen aufstellen. Dann folgt der' Zug der Richter, an deren Spitze der Kastellan von Krakau, neben ihm der Erzbischof von Gnesen. Nachdem sie Platz genommen, füllt sich der Hintergrund mit Männern, worunter viele Juden mit schwarzen Mänteln. Kurze Zeit darauf treten der Pan von Wola und der Pater Martin ein, und stellen sich zwischen die Richter und die Zuschauer im Hintergründe, von der andern Seite tritt später Ben-Joseph ein, und stellt sich unbeweglich an eine Säule nach vorn, hinter ihm zu jeder Seite ein Jude. Der Kastellan erhebt sich. Kastellan. Im Namen Gottes, der die Wahrheit liebt, Die Unschuld schützt, und das Verbrechen bringt Zum Licht des Tages, zu der Frevler Schrecken, Eröffne ich eiw unfehlbar Gericht, Deß Urtheil gilt zum Leben oder Tod, Und nicht Appell am Menschen noch gestattet. Ich lege Pön auf jede Unterbrechung, Und nehm' in Strafe alle Ruhestörer. Man bringe die Gefangnen in die Schranken. (Setzt sich nieder.) - (Zwei Richter entfernen.sich.) (Fortsetzung folgt.) Relig^onsphilofophie. Skizze einer Entwickelung des Gottesbegriffes vom heutigen jüdischen Standpunkte aus. Don Nr. Herzfeld iw.Braunschweig. (Schluß.) Kehren wir aber wieder zü dem ersten Aufblktzen. des Monotheismus zurück. Das Zusammenlaufen aller Radien der Außenwelt in den Menschen hatte dm Naturmonotheismus erzeugt. Dieser kann aber nur da genügen, wo der Mensch in Ueberschatzung seiner selbst sich gleichsam von der Natur ablöst, und einig, untheilbar, selbstständig dazustehen glaubt. Kommt aber der Augenblick, in welchem der Mensch in sich selbst Richtungen anerkennen muß, die von Neuem einen Mittelpunkt fordern, sieht er dadurch sich an die Natur verfallen, und muß doch eine Einheit haben, die sich weder außen, noch innen will auffindm lassen: dann tritt ein überirdisches Wesen in das menschliche Bewußtsein ein', — eine Offenbarung des allgemeinen Geistes ist geschehen. Auf diese Weise ist die religiöse Entwickelung bei dem Monotheismus des Geistes, bei dem wahren Monotheismus angelangt, und wir stehen auf dem Boden des Abcahamismus oder des Mosaismus, welcher indessen rücksichtlich unserer Untersuchung nichts anderes ist, alö der bei Gelegenheit der Constituirung Israels, zu einem Staate klarer gefaßte Abcahamismus. Wenn ich hier aber das Mosesthum dem Griechenthume hinterordne, so soll damit nicht gesagt sein, daß jenes aus diesem historisch sich entwickelt hat, sondern hier gilt, was für alle von mir bemerkkich gemachten Stufen innerhalb dieses Entwickelungsverfuches respektive Giltigkeit hat, daß das religiöse Moment des Griechenthüms in den Griechen und in Griechenland so günstigen Boden hatte, um dort für .'eine Reihe von Jahrhunderten staiionac zu werden, dagegen in Abrahams Geiste so wenig Anklang fand und in seiner Nichtigkeit so bald erkannt wurde, daß es in ihm nur einen schnell zurückgelegten Durchgangspunkt bildete. Bei ihm nun, wörtlich bei Moses, ist Gott „ein Gott der Geister alles Fleisches," nun ist er von den Banden der Natur emanckpirt, nun ist diese bloß zu seinem Organ herabgesetzt, und darum ist er frei, und steht über der Natur. Der Gewinn also, den die mosaische Stufe der religiösen Entwickelung dem Menschengeschlecht gebracht hat, besteht mit mehr Recht darin, daß das Stadium des Geistes, als daß das Stadium 'des Monotheismus erreicht worden ist. Dieser war verhüllt-schon im Griechenthume da, und ist, wie . wir sehen werden, im