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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-12-07 · Heft 101 (7.12.1839) · p. Seite 647

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 101 (7.12.1839)
Date
1839-12-07
Page
Seite 647 (sequence 11)
Language
German
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647 Doch ungern sieht der Mensch sich ausgestoßen- Der Oed' und Wildniß schließt er schwer sich an, Und kehrt zurück, sobald ihm Frieden wird; Ich könnte bürgen für ihr treu Gehorchen. Kasimir. Du hast den Weg mir schnell geebnet, Jude. . Ben-Joseph. Doch auch des Ausgangs muß man sicher sein. Befehlt, mein König, und in dreien Tagen Verschmachtet fallt das Roß im Feindeslager, Und schwächt den Reiter bittren Mangels Druck —' Kasi mir. Bist du ein Zaubrer? Ben-Joseph. . Wahrlich nicht, mein Herr! Gleicht der Bojar dem Woiw'oden nicht? Sie ziehn zum Kampf mit Muth, doch nicht MitVorsicht, Ihr Schwert'ist ihr Genoß, doch Vorrath nicht, Und sie verlassen auf den Juden sich. Der dienstbeflissen sie mit Speis versteht. Ich sag" ein Wort, und meine Brüder weichen Vom Feindeslager ■— und der Mangel hängt Sich zähnefletschend an das Roß, den Reiter! Ein leichtes Spiel habt Ihr, mein König, dann. Kasimir (springtauf). Bist du ein Mann mit Geisterkraft versehn? Ben-Joseph. Jst's nicht natürlich, was ich Euch geboten? Sind es Dämonen, die ich Euch berief? Doch nicht so enden wir — ja, eine Krone Will dieser Edlen blutbegkerger Troß Euch rauben — zwei muß tragen Euer Haupt! Wenn so verschmachten Feindes Fürst und Krieger, Dann nahet Ihr, mit Gnade reich versehn. Und bietet selbst dem Feinde die Erquickung,.^ Versprecht der Duldung süße Huld zu üben — Und der Bojar begrüßet Euch als Herrn, (Paust.) Kasimir. Ich beuge mich vor deiner Einsicht, Freund, Die dich zum Rath der Könige befähigt -- Du bist ein seltner Mann — doch wie gelang's. Dich so zu stellen in der Dinge Mitte? Ben-Joseph. Mein König neigt ein offnes Ohr mir zu, Und so geziemt's , ein offnes Wort zu sprechen. Ich Hab gelitten, Herr, was leiden heißt, Der Sturm des Lebens hat mir keinen Stoß Verspürt, deS Körpers Schmerzen wie des Geistes, Ich kenne keinen, den ich nicht empfand. Doch stählte dies der Seele Kraft nur mehr -* Seit mir Bewußtsein in des Geistes Kammern Gekommen, stand in Riesengroße mir Der Zweck des Lebens ungebeuget da: - Zu lindern meiner Stammgenossen Weh, Mit neuer Kraft die Müden zu beleben, Und sie zu führen zu der Freiheit Ziel — In Gottes Hand steht jegliches Gelingen. Und wenn ich wallte einsame Gestege, Wenn Schmach und Hohn mich fast zu Boden drückten. Ich gab die Hoffnung nicht den Winden preis. Und so gelang mir's. Manches zu vollführen. Kasimir. Ich ehre Dich, ich fühl" mich tief ergriffen — O möcht" in Allen solch ein Streben walten. Du hast mir nun gezeigt, was ich zu thun, Du hast mit reichbegabter Hand gespendet Die Mittel zum Triumph ob meinen Feinden — Doch was erwartest Du als Deinen Lohn? Ben-Joseph. Du hast, o König, viel für uns gewirkt, Mit hoher Gnade Mein Geschlecht beglückt. Ist es nicht so das Werk der Dankbarkeit, Was ich vermag, zu Füßen Dir zu legen? Kasimir. Das ist zu allgemein — ich kenn' Dich nun —- Dem König ziemt es schlecht, Geschenke zu Empfangen, die er nicht alsbald vergütigt — Sprich offen, zaüdre nicht, wie lohn ich Dich? . Ben-Joseph. Wohlan! ein schlechter Kaufmann, der den Preis Zuvor entnimmt, bevor geprüft die Waare. Wenn ziehen wird in Lembe.rg's offne Thore Mein König mit Rothrußlands Diadem: Dann werd" ich sprechen, was die Brust verschließt. Doch Eines, Herr, ist jetzt noch zu bedenken. Von dem allein hängt das Gelingen ab. Verzeiht, daß ich den sorgenschweren Geist Des Königs darauf lenk' — indeß wir sprechen. Wird der Gerichtshof feierlich eröffnet, Der über unser Schicksal schwer entscheidet — Und morgen ist — Ihr wißt's — Sankt Urselstag. — - Kasimir. Laß diese Sorgen, Freund, nur mir allein,

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