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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-12-07 · Heft 101 (7.12.1839) · p. Seite 646

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 101 (7.12.1839)
Date
1839-12-07
Page
Seite 646 (sequence 10)
Language
German
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646 Sind sie bereit, sie haben's wohl erwogen. Sie fachten selbst die Kriegesflamme an. Kasimir. So ist's. Ben-Joseph. Ihr brauchet Geld, ihr braucht ein Heer, Und Beides schießt nicht aus dem Boden auf — Kasimir. Ich weiß. Ben-Joseph (tritt ganz nahe). Wohlan — der Jude wird's Euch geben l Kasimir. Wie? Ben-Joseph. Beides — Geld und Heer — Kasimir. Du spottest Jude— Ben-Joseph. So soll einst spotten mein der Fürst des Todes! Ihr habt zu winken, und es ist bereit. Zweihundert Beutel Goldes warten Euer, Ich leg' sie nieder an des Thrones Stufen — Kasimi r. Ich nehm' sie an, und werde sie erstatten Doch wie das Heer? — Will sich der Juden Schaar Bewaffnen gegen Rußlands Kriegsmacht? Ben-Joseph. Ob auch der Jude weiß das Schwerdt zu führen? Ich schweige drob — doch noch ist nicht die Zeit, Wo wir das Blut für Andere verspritzen — Vielleicht in spätrer Zeit, wenn Freiheit erst Die goldnen Strahlen auch auf uns versendet. Wenn Juda's Söhne eingereiht den Völkern, Mit Freundlichkeit in ihren Schooß gezogen — Jetzt wahrlich nicht, da Knechtschaft unser Loos, Ob Pole sieg', ob Russe führ das Zepter — Kasimir. Verzeih, mein Freund — nicht spotten wollte ich. Doch sag, das Heer, nicht münzen kann man dies. Ben-Joseph. Laßt ausgehn ein Edikt, ein feierlich Versprechen, daß, wer jetzt mit Waffen kommt, Leibeigner oder Sklav, zum Kampf zu ziehrr, Gen Eurer Feinde Macht, und tapfer streitet, Frei sei für immer, und sein eigner Herr: Und Hunderttausend steh'n Euch zu Gebote. Kasimir. O Jud', du machst zu Schanden unsre Weisheit! Ben-Joseph. Auch ist's' Nicht Ungebühr, Ihr führt mit einem Streich, Und sehr gerecht, was Ihr seit Jahren sinnt — Das Volk befrei'» von seinem schweren Joch! Und diese Waffe, furchtbar wird sie sich In Eurer Hand gen die Empörer wenden. Kasimir. Doch das ist Fußvolk, wo die Reiterei? Denn stark an dieser ist der Russen Heer — Ben-Joseph. Wo der Karpathen himmelhohe Felsen Der Schluchten Tiefe und der Höhlen Weite Mit unnahbaren Passen rings umgürten, Ti§f im Gebirge, jedes Angriffs frei. Da weilt die Schaar der Ausgestoßenen, Die man Gorallen mit Entsetzen nennt. Leibeig'ne sind's, die sich dem Joch entzogen,. In deren Herzen Glut für Freiheit brannte, Oder die flüchtig wurden, voll der-Angst, Mit schwerer Strafe leichten Fehl zu büßen. Sechstausend an der Zahl zieh» sie daher,. Wie Sturmgewölk am blauen Himmel fliegt. Doch nicht den Armen, der im Schweiß sich müht, Den Reichen nur, der in der Wohllust praßt. Den unbarmherz'gen, überfallen sie,' Und üben streng das Strafgericht des Herrn. Ich kenne sie — oft hat mein Arm mit Brod, Mi.t Salz und Eisen sie versorgt, oft hat Mein Haupt geruht auf ihrem harten Lager -r- Gebt Ihr Eur königliches Wort, daß Freiheit, Vergessenheit für das Vergangene Ihr Antheil werde, wenn, sie für Euch streiten : Und in sechs Tggen führ' ich sie Euch zu, Die treusten Kampfer eines treuen Herrn. Kasimir. Ich staune, Jude — doch ich liebe nicht. Die, das Gesetz verletzen — Ben-Joseph. Nothwehr nur, Verbrechen nicht ist dieses, Herr, zu nennen. Wenn das Gesetz den Einen nur betheiligt, Den Einen nur mit feiner Wucht erdrückt, Und federleicht des Andern Thun beschwingt, Dann steht ein anderes Gesetz geschrieben Im Menschenherzen, und dem' folgt es endlich.

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