Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 101 (7.12.1839)
- Date
- 1839-12-07
- Page
- Seite 645 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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645 An alle Polen, die ein Schwert zu führen Versteh'n, wer ausbleibt binnen sieben Tage, Der fallt der Straf! anheim der Felonie, Sein Wappen wird von Henkershand zerbrochen, Und seine Güter werden eingezogen. . Glaubt mir, ich bin der Fels, an dem sich bricht Der Ungetreuen schwellendes Gewässer, Doch vierfach lohn' ich den getreuen Freunde Bedenkt das wohl — jetzt seied ihr entlassen. - (Die Herren ab.) Fünfter Auftritt. Kasimkr. Melchtin. Melchtin. Ihr seid bewegt, mein Herr — Kasimirs Ein großer Wurf! Ich seh's — nicht klein ist die Gefahr, doch soll Unrühmlich schwach das Schicksal mich nicht treffen — Melchtin. Soll ich den Juden jetzo vor Euch führen? Kasimir. Laß ihn herein, ich will ihn gern vernehmen. (Melchtin ab.) Sechster Auftritt. Der König (seht sich auf einen Lehnstuhl). Melchtin. Ben Joseph. Kasimir. Tritt näher, Jude. Wohl gefiel es uns. Daß du mit Treue uns berichtet hast. Was später sonst zu unsrer Kunde kam. Ben-Joseph. . Gelobt der Herr, der seiner Majestät Abglanz gelegt auf eines Menschen Haupt. Kasimir. Du sollst den König undankbar nicht finden. Ben-Joseph. Jst's nicht genug der Gnade, daß ich jetzt Gewürdigt bin das Antlitz deß zu schauen, Der, wie der Herr mit heil'gem Oel ihn salbte. Geöffnet meinem Volke eine Freistatt, Der jetzt noch hält das Henkerbeil zurück Von denen, die schuldlos sind eingekerkert, Dem Mund der Unschuld freie Sprache gönnt! > Kasimir. Das ist nicht Gnade, ist Gerechtigkeit, Der Gott erleichtern mag das schwere Werk. Doch sage an, wie habet ihr erfahren, Was an der Gränz', was kn der Edlen Mitte Vorging, eh' wir die Kunde noch erhielten? Sprich frei und offen, ich bin Euer Freund. Ben-Joseph. Der König mag in seiner Weisheit sich Erinnern, welches Stamms ich bin. Der Glaube, Den wir bekennen seit Jahrtausenden, Die Noth, das Drangsal, der Verfolgung Härte, Die uns betrifft gemeinsam groß und klein, Reich oder arm, unschuldig oder schuldig, Sie hat ein Band um Israels Geschlecht Gewunden, wie kein andres enger ist. Wir theilen Glück, wir theilen jede Noch. Ihr wißt, wie unsre armen Hütten stehn Durch alle Zonen der bewohnten Erde — Doch Hütt' an Hütte stehet eng gereiht. Wo es nur gelte ein gemeinsam Ding. Und da — wie gerne änderten wir dies — Verflochten ist das Schicksal unsrer Brüder Mit dem Geschick der Länder, wo wir wohnen, Ihr Friede unser Friede, Krieg uns Krieg. Fliegt schnell die Kunde dessen, was geschieht. Von Haus zu Haus durch schnelle Wanderer, Bis uns bekannt ist, was uns drohend naht. Kasimir. Ich staune nicht — es ist natürlich so. Es krümmt im Staube sich der Wurm zusammen. Wo ihn bedroht des Wallers schwerer Schritt, Und die Natur gab Jedem seine Waffe. Doch wie erfuhrst du, was die'Edlen sinnen? Ben-Joseph. In ihrem Rathe war ich gegenwärtig Als niedrer Harfner bei der Bosheit Mahl. Kasimir. Man sage nicht, daß schlau nur ist das Laster, Und nicht gemeine Klugheit ist dein Theil; Drum sprich, was meinst du zu dem bösen Sturm? Ben-Joseph (tritt näher). Ich sah die Großen zornig von Euch scheiden, Ihr standet fest, und habt nicht nachgegeben. Nun wohl. Kasimir. Ben-Joseph. Ihr könnt auf sie nicht rechnen — min Au Eurem Sturz, doch nicht zu Eurer Hülfe 101 »