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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-12-07 · Heft 101 (7.12.1839) · p. Seite 644

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 101 (7.12.1839)
Date
1839-12-07
Page
Seite 644 (sequence 8)
Language
German
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644 Kasimir. Was ich gebeugt? wen hätt' ich wol bedrückt? Ich weiß es wol, es ist der Herren Brauch, Der unglückselige, in diesem Reiche, Wenn sich der Staat in vollen Nöthen findet, Nur mit gefüllter Hand das Schwert zu ziehn, Wenn abgepreßt ist ungebührlich Recht, Und Unrecht ward zu neuem Recht gestempelt. Ich bin gewilligt, nicht darin zu will'gen. Es ist eu'r Heil, vom Feind euch zu befreien, Drum werd' ichnicht der Anmaßung mich beugen. Doch hören will ich, welch ein Netz gesponnen,' Eu'r Uebermuth für mich und für mein Volk, So saget an, was Ihr zu fordern waget. Rosny. Nennt's wie Ihr wollt, doch unser ist der Schluß. Zuerst, daß wieder aufgehoben werde Das Obertribunal für der Leibeigenen Anklag' und Urthel, das ganz wider Brauch, Des Polenstaats Ihr eingesetzet habt — Wir find die Herren, uns gebührt das Recht, Zu schalten über unser Eigenthum — Alsdann daß Freiheit uns gegeben werde, Das lügenvolle, jüdische Gezücht, Dem Ihr erlaubt sich durch das-Reich zu breiten. Zur Stunde zu verjagen aus den Gränzen, Und eknzuziehen, was sie sich erlistet. Zu unsrem Voctheil — es versteht sich dann, Daß die gefangnen Juden unsrer Macht Gleich übergeben werden, das Gericht, Das angesagte, unterbleibt. — Dann daß Ein Reichstag der Nation sei ausgeschrieben Mit freiem Veto, wie's die Vater hielten. Das fordern wir in unserm guten Recht; Und eh' dies nicht verwilligt und gegeben, Entblößt kein Pole seine gute Klinge, Und spannt kein Pole seinen Bogen an. Pan von Mola. Und wer es wagt, dennoch den Arm zu heben, Werd ich die Sehne mit dem Dolch zerschneiden! Lubomirz. Ihr müßt uns weichen, Sire — wir sind vereint, Ihr steht allein und brauchet uns zur Stütze. R o s n y. Dahin hat nur eure unsel'ge Wuth, Den Sklaven über seinen Herrn zu heben, Euch und auch uns gebracht — drum gebet nach. Pan von Wola. Die Krön' ist eitel Gold — wir sind die Krone, Wir wollen Polen, wie's gewesen ist! Kasimir (nach einer Pause.) Ich hatte viel erwartet — doch nicht so viel. Solch widerwärtig, solch rebellisches Geschwätz traf keines Königs Ohr bis jetzt. Was ich erstrebt mit meines Lebens Kräften, Wofür ich Tag und Nacht mein Blut verzehrt, Das werf' ich nicht der ersten Fodrung hin, Die böse Thoren in der Zeit der Noch, Dem Throne trotzend, übermüthig stellen! Zu Menschen macht' ich, die dem Vkehe gleich, Das in der Hürd' des Zwingherrn Hände leckt, Ihr hieltet, Menschen öffnet' ich die Freistatt, Die ihr gleich Thieren mit den Hunden hetztet — In Eure Hand geb' ich sie nimmer wieder! Ich stehe ein für Gottes hekl'ges Recht, Das Ihr getreten in der Erde Koth, Und eh' soll dieser Königsmantel fallen. Zerrissen von der Russen Feindesschaar, Eh' ich vergebe, was nur Gott gehört! Rosny. Dies der Bescheid, den ihr uns geben möget? Bedenkt die Folgen — laßt uns so nicht gehn. Kasimir. Die Folgen fallen nur auf Euch zurück! Rosny. Mit Worten läßt der Feind sich nicht bekämpfen. K-asimir. Mit seiner Hülfe wird der Herr mir «ahn. Pan von Wola. So wißt, was Ihr uns nicht zu geben denkt. Das werden wir uns mit dem Schwerte holen. Kasimir. Empörer, schweig! Meinst du, ich kenn Euch nicht, Ich wüßte nicht, was Ihr im Dunkeln treibt? Doch scheut den Rächer — wer Empörung sinnt, Den Priester lass' ich in die Weichsel werfen, Den Edlen Hungers in dem Käficht sterben! *) Pan von Wola. So nehmt in Acht Euch vor demselben Schicksal! Kasimir. Entfernt Euch flugs — sonst seid der Erste Ihr! (Pan von Wola weicht in den Hintergrund zurück.) Ihr habt vernommen nun, was ich beschlossen; Ich lasse jetzt das Aufgebot ergehen ») Historisch. Redakt.

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