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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-12-07 · Heft 101 (7.12.1839) · p. Seite 640

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 101 (7.12.1839)
Date
1839-12-07
Page
Seite 640 (sequence 4)
Language
German
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640 wöchentlichen 7 Stunden ein öffentlicher Unterricht in der hebr. Sprache, in der Religion, in der Verfertigung von religiösen, schriftlichen Aufsätzen (resp. Vorträgen) «ruf Staatskosten unter Aufsicht des K. evangel. Consistoriums und der K. israel. Obec-Kirchenbehörde ertheilt werde. Es ist zu erwarten, daß das hiesige Seminar, das zwar erst vor Kurzem durch den Tod seines in der pädagogischen Welt wohl bekannten Vorstandes"') einen bedeutenden Verlust erlitten hat, unter der Leitung seines jetzigen Vorstandes, Hrn. Rieke, eines äußerst thätig'en, höchst toleranten Mannes und gewandten Pädagogen, seine bisherige Berühmtheit behaupten werde. Darum bietet sich jungen Israeliten auch des Auslandes vielleicht nirgends eine günstigere Gelegenheit, sich zum-Lehrfache zu bilden, dar, wie hier, wo außer den allgemeinen auch noch die besonder» Kenntnisse des isr. Lehrers zu erlangen sind. Auch können Eltern und Pfleger ihre Kinder und Pfleglinge keiner andern ähnlichen Anstalt mit mehr Ruhe anvertrauen als dieser, wo ein Religionsverwandter den Zöglingen als Führer, Rathgeber und Beschützer stets nahe ist. — Was die Aufnahme in die Anstalt betrifft, so wird erfordert, daß die. jungen Leute das 15. Lebensjahr zurückgelegt, angemessene Vorkenntnisse in der bibl. Geschichte, im Rechnen, in der deutschen Sprache, in Verfertigung leichter Aufsätze, in Musik (Clavierspielen — besonders der Tonleiter — und Singen) rc. haben. Der Unterricht wird unentgeltlich ertheilt. Die Lehrzeit ist gewöhnlich 3 Jahre, doch, werden auch Auskultanten auf 1 und 2 Jahr aufgenommen. Die Aufnahmsgesuche werden jedes Jahr etwa im Januar oder Februar an das Könkgl. evangel. Consi'storium eingereicht und die nöthigen Zeugnisse beigeschlossen. Das Aufnahmsexamen findet darauf ungefähr im März, der Eintritt Anfangs Juni Statt. Die Stadt Eßlingen liegt 2—3 Stunden von Stuttgart entfernt, in einer äußerst schönen, fruchtbaren, gesunden Gegend des Neckarthales. Die Unlerhaltskosten dahier sind billig. Uebrigens erhalten die armen (inländischen) israelit. Zöglinge gleich den chcistl. Stipendien. Grebenau (Großherzogth. Hessen), 30. Okt. (Eingesandt.) Die Großh. Hess. Regierung genehmigte auf Nachsuchen der israelitischen Gemeinde zu Grebenau im Kreise Alsfeld die Errichtung einer eignen Elementarschule. Diese trat denn auch alsbald ins Leben. Manchen widrigen Verhältnissen wurde dadurch abgeholfen und vielen Hoffnungen für die Zukunft Raum gegeben, die, wenn sie einst in Erfüllung gegangen, der schönste Lohn für die Opfer der Gemeinde find. — Wer es weiß, wie wenig der Satz „der Buchstabe tobtet, nur der Geist macht lebendig" bei der hiesigen Gemeinde seither in Anwendung kam; wer es weiß, wie störend für die geistige Entwickelung der Religionsunterricht namentlich seither ertheilt wurde, der wird gewiß die Errichtung dieser Schule mit Dank anerkennen und eine Regierung segnen, die, ohne einen Unterschied hinsichtlich des Glaubens zu machen, für alle ihre Unterthanen sorgt **). ") Hrn. Prälaten von Denzel. * ) Wir wünschen vom Hrn. Einsender zu wissen, ob diese Die Gemeinde, aus 28 Familien bestehend, hat eine Besoldung regulirt, mit welcher schon auszukommen ist, und daher wurde auch, ihrem Wunsche, einen Seminaristen zu bekommen, höchsten Orts willfahrt. Dem isr. Schulkandidaten Hrn. Saul Buchsweiler aus'Friedberg, einem jungen eifrigen Manne, wurde das Vicariat übertragen. Die Einweihung geschah am jüdischen Freudenfeste, den Isten October d. I. in der Synagoge bei Anwesenheit der ganzen Gemeinde und der christl. Honoration. Nachdem der hiesige Geistliche einige ergreifende, den Zweck der Schule betreffende Worte gesprochen, hielt auch Herr Buchsweiler eine Anrede an seine Glaubensbrüder, worin er sich zuletzt ihr Vertrauen erbac und sie seines Eifers und seines guten.Willens versicherte. Namentlich bewies er ihnen, wie durch ruhige Ueberlegung und freundliche Rücksprache mehr das Wohl der Schule befördert werde, als durch rasches und unüberlegtes Handeln. Möchte Gott es geben, daß diese Worte, sowol der Gemeinde, als auch dem Lehrer im Gedächtniß bleiben und eine Ursache werden segensreicher Folgen. Hamburg, 15. Nov. Der hier erscheinende Telegraph für Deutschland enthält in Nr. 182 folgenden bemerkenswecthen „Aufruf an die Israeliten Deutschlands. Gemeinschaftliche Leiden schließen die Menschen enger aneinander, als gemeinschaftliche Freuden. Jede ecdesia pressa wird folgerecht dadurch am meisten erstarken, wodurch ihre Gegner sie zu vernichten gedenken. Die Anfangs negative Macht wird sogar in Augenblicken, wo -sich das Bewußtsein des erlittenen Unrechts der Gesammtheit bemächtigt, selbstständig und freithätig in's Leben treten. Welcher deutsche Jude hat die Stimme dieses Bewußtseins überhört; wo lebt der deutsche Jude, der sich nicht gekränkt, nicht verwundet fühlte, daß er, als solcher, wie ein Fremder in seinem Vaterlande behandelt wird! — Ueberall sind seiner Beförderung im Staate Schranken gesetzt— Schranken, die er nur durch ein Aufgeben des Heiligsten, durch einen Protest gegen seine ganze Vergangenheit, durch einem Einschnitt in die zartesten, innigsten Bande überschreiten kann. Der Staat, hält ec nicht mit den Waffen sogar des Liebe predigenden Christenthums die Schranken besetzt? Nein, sie scheinen nicht so Leicht wie die Mauern Jericho's einzustürzen, wie oft und wie mächtig auch sich die Posaunenstöße der Humanität haben hören lassen. Daher ist es endlich Zeit, daß sich die Ln ihrer Freiheit Gebundenen zusammenthun; daß Mittel und Wege aufgesucht werden, dem Abfälle entgegen zu arbeiten. Der Druck von der einen und der Verlust von der andern Seite unserer gerade durch Wissenschaft und Kunst ausgezeichneten Glaubensbrüder, ist zu groß, daß er langer ruhig und gleichgültig angesehen werden könnte. Nur da, wo Ueberzeugung sich als das Motiv eines Glaubenswechsels herausstellt, hat die vom Apostaten verlassene Gemeinde kein Recht Sorge höheren Orts nur in der Einwilligung zur Einrichtung der Anstalt bestand, denn dann ist dies für eine deutsche Regierung noch nicht Etwas, was mit einem bcsondern Segenöspruch belobt werden müßte. Leere Phrasen sind Allen gleichgültig, auch dem, dem sie gespendet werden. Redact.

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