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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-12-07 · Heft 101 (7.12.1839) · p. Seite 638

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 101 (7.12.1839)
Date
1839-12-07
Page
Seite 638 (sequence 2)
Language
German
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038 .keit und allen Eifer, ihr Veisprei — dies laßt sich mit Zuversicht Vorhersagen — wird gewiß nicht unbefolgt bleiben. Mg den Übrigen Kreisen ist jetzt nichts Beachtenswetthes m'ttMheilen. Wien, 12. Novembet. (Drivatmktlh.) Der Beschluß der ungarischen Stänbetafel rücksichtlich des Güterbesitzes der Juden, den ich Ihnen bereits mittheilte, liegt gegenwärtig der Magnatentafel vor. Ich werde Ihnen über diese wichtige Angelegenheit, welche bei den ungarischen Israeliten die freudigste Sensation erkegt, nächstens ausführlich berichten, und Sie werden sich überzeugen, daß Alles, was ich über die Zukunft der Israeliten Ungarns seit zwei Jahren gesagt, gegründet war, und schon jetzt in Erfüllung zu gehen beginne. Körmend, (Ungarn) 8. Nov. (Privatmitth.) Drei Ereignisse machen jetzt unter den Israeliten Ungarns Epoche, und sind deshalb auch für das Gesammtintereffe des Judenthums von Wichtigkeit genug, um in diesem Organe des letztem besprochen zu werden. Das erste Ereigniß ist das Ableben des Pckßburger Dberrabbinen. In unserm Lande, wo die Juden noch in einem gewissen Verbände stehen, konnte dies nicht als bloße Lokalsache erscheinen, sondern mußte aller Orten eine tiefe Aufregung Hervorrufen. Das Absterben dieses Mannes ist aber in Ungarn auf eine Weise gefeiert worden, die den tiefgemüthlichen und intensiven Charakter unsrer Glaubrnsbrüoer wieder einmal in recht Helles Licht stellte. Alle die sich feine Schüler nennen, oder die je an seiner rabbinischen Korrespondenz Theil genommen, trauerten wie um einen nächsten Verwandten, in den Synagogen klagte und jammerte man, jeder Rabbine bemühte sich auf's rührendste, die Verdienste des Verstorbenen darzustellen, und selbst die Nicht-Gelehrten, die seine Tugenden nur immer preisen hörten, setzten ihm ein Denkmal, indem sie allen der Zeit geborenen Knaben seinen Namen beilegten. Man beklagte, den Mann verloren zu haben, der sich allen deutschen Schriften entgegenstellte, der allen Einflüssen der Zeit und Aufklärung .sich als Damm vorletzte, der noch in seinem letzten Worte seinen Kindern den Fluch, nicht •tr»*’ ‘■p-iaw zu sein, vermachte, wenn sie je die Uebersetzungen Mendelssohn's. in die Hand nehmen sollten! Man befürchtete, einer der vom neuern Geiste durchdrungenen würde den Stuhl einnehmen, dessen nur ein '^N'-nirn nvä* würdig sei, von welcher Furcht man allerdings bald befreiet wurde! — Wie groß ist bas Herz Israels selbst in seinen Verirrungen! Sag' an; was haben denn diese Koryphäen eines unzeitlichcn Systems für Dich getharr? Haben sie deine Nationalität zu erhöhen gesucht oder nur gewünscht? Haben sie dich -und deine Kinder durch Reinigung der Lehre, durch Sichtung der Grundsätze, durch Klarlegung des Glaubens belehrt und begeistert? Hcrben sie sich und ihre Schüler zu Beschützern und Mehrevn deines Wissens und deiner Bildung gemacht? haben sie Schulen gegründet, und sie geleitet? Nichts! Sie haben dich mit kabbalistischen Exegesen und Sophismen fesseln und gängeln gewollt! (Zur Verwunderung seiner Verehrer hat der sel. Pceßb. Rabbine alle Freitag-Abende, so viele Jahre hindurch, den Bibelvers tanw anders ausgekegt.) Und dennoch diese Hingebung, -diese Dankbarkeit, diese Trauer über ihren Vertust! Was wird erst Israel sür die empfinden, die für seine Erhöhung, seine Läuterung, seine Befähigung zur Gleichstellung im bürgerlichen Leben — ihr- Leben und ihre Kräfte zum Opfer bringen!!-- — Wir sind bei dem zweiten Ereignisse — das Jubiläum des so hochvervienten Rabbinen A. Chorin in Arad. Aber Niemand bemerkte es, Niemand nahm KenNtniß davon, Niemand legte seine Theilnahme zu Tage — nein! würdiger Greis, es wird dich nicht entmuthigen, es wird dir den Abend deines thatigen Lebens nicht umwölken, du kennst die Geschichte aller derer, welche für Veredlung auf religiösem Gebiete je thatig waren, zu gut, um dich nicht damit zu trösten, und der Nachwelt gewiß zu sein, wo die Mitwelt dich verkennt. Rufe ihnen nur immer zu, was Hiob spracht K. 17. V. 4., und beherzige den Spruch: „Unserer Religion fehlt es an großen Geistern, und den großen Geistern an Religion!" — Der dritte Gegenstand, welcher das Tagesgespräch bei -uns ausmacht, sind die Landtagsverhandlungen über die Urbarialverhaltniffe, insofern die Unterthanen selbst an Juden ihr Grundeigenthum veräußern dürfen. In der heutigen Preßbürger Zeitung vom 5. November finden wir folgende, bei der hohen Skändetafel stattgefundene Berathung, welche ganz dem hohen, von allen Vorurtheilen ungeblendeten, edlen Charakter der ungarischen Nation entspricht. Wir geben hier treu die Worte, wie sie aus dem „Hirnök“ übersetzt sind: „Auf die Bemerkungen des Renun- „ciums, wurden folgende Berathungsergebnisse (der Stände- „tafel) mirgrtheilt, und zwar: der Landtag von I832|6 „nahm sich bei jenem Gesetze zur Richtung, daß mit dem „vorrückenden Zeitgeiste über das Volk, ein in seinen Fol- „gen wohlthäiiger Glückszustand verbreitet werde: Die Stän- „detafcl verharret auf dieser Bahn —; sie will die Israeli- „ten zur anständigen Lebensweise gewöhnen, damit sie sich „mehr ihren Mitcontribuenten nähern — und nebstbei, in- „dem die Zahl der Kauflustigen sich vermehrt, den Urbarial- „sessionen ein proportionirrer Werth verschafft werde: deßwe- „gen sollte die Verordnung des 6. §. vom 4. Artikel 1832|6 „auch auf die Israeliten ausgedehnt werden, die gleichfalls „die Lasten des Staates tragen. — Auch soll je die Zu- „strmmung des Grundherrn nicht ausgeschlossen werden, „vielmehr sollen die Verfügungen des 7. und 8. §. des 4. „Artikels 1832;6 gleichmäßig auch auf die Israeliten ausge- „dehnt werden. — Nach -den Principien jenes Gesetzes kann „also die Ständetafel auch nicht einwilligen, daß die Frage, „ob diese oder jene Urbarialsession kaufbar sei, der willkühr- „lichen Entscheidung der Grundherrn überlassen werde, da „hierüber das eben angeführte Gesetz, für die Sicherheit des „Grundherrn genügend sorgte. — Auch darin sind die Stande „nicht einverstanden, daß diese Sessionen nur durch Jsrae» „kiten bearbeitet werden sollen: denn kein Gesetz verbietet ih- „nen die Bentchung christlicher Dienerschaft, dieß wäre also „ein Rückschritt, und wenn die Israeliten bei dringender >,Arbeit keine christlichen Tagelöhner oder jährlichen Dienst- „leute aufnehmen dürfen, so werden sie in der Oeconomie, „das Volk aber im Gewerbe gehindert: mit einem Worte, „das Gesetz - würde dadurch in leere Worte ausgeheu, die „den Israeliten zugedachte Concession unerreichbar, «der meist

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