Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 100 (30.11.1839)
- Date
- 1839-11-30
- Page
- Seite 635 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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635 Aufforderung an Hrn. Vr. Carmoly. (Eingesandt). In den I. A. Nr. 39. d. I. spricht Herr vr. Carmoly gelegentlich (S. 309. b.) von dem großen Philologen Abulwalid, wobei er zeigt, daß er die ausführliche Grammatik desselben, sowohl arabisches Original, wie hebr. Uebersetzung vor Augen gehabt. Ohne dieses Glück vollständig zu genießen, beschäftige ich mich seit geraumer Zeit mit Studien über Abulw. und benutze dankbar jeden mir gegebenen Wink, von der Hand derer, die zu Paris, Oxford und Rom die Quellen selbst vergleichen konnten».^ Herr I)?. C. möge uns daher wohlwollend die Bitte um Aufschluß über folgende Punkte gestatten: 1) Gleich Anfangs sagt er: „Eine Menge Gelehrten verließen diese Stadt (Cordova). R. Jona b. Giannach floh mit andern nach Saragossa." Es ist wahr, daß Abulw., in Cordowa geboren ist und in Saragossa lebte; aber woher hat Hr. C. die bestimmte Angabe, daß er bei den Bürgerkriegen (zu Anfang des 11. Jahrh.) aus seiner Vaterstadt, und direkt nach dem so weit entfernten Saragossa floh? Als eine Vermuthung ginge es an; ich habe sie längst gehegt und würde froh sein, sie durch eine bestimmte Nachweisung bestätigt zu sehen. 2) Hr. C. sagt: „Er darf nicht verwechselt werden mit Abu Walid b. Hisdai, einem andern Grammatiker, (S. des Hisdai b. Js. b. Sparot), den er selbst als schon verstorben im genannten Werke Cap. XIV. citirt." Zwischen Abu Walid und b. Hisdai muß noch ein Name, und zwar der eigentliche VornarNe liegen, da ja Abu Walid nur der Ehrenname ist. Wie heißt also (Cap. XIV. des Rikina) der Mann vollständig? Und steht dort ausdrücklich, daß er Sohn des Hisdai b. Js. b. Sp. (des berühmten Korrespondenten des Ehazaren-Königs) ist? Bei dem sehr fühlbaren Mangel an historischen Aussagen'der Juden über Abulwalid, bei der Seltenheit seiner sämmtlich noch ungedruckten Werke, und deren Unzugänglichkeit, und endlich bei den fortgepflanzten Mißverständnissen über ihn können nur dann glückliche Resultate gewonnen werden, wenn mehrere Gelehrte öffentlich das von ihnen Gefundene und Erforschte mittheilen. In der That ist der berühmte Name jetzt von einer literarischen Theilnahme umgeben, die zu den schönsten Hoffnungen für seine Lebens- und Literärgeschichte berechtigt. Nachdem ihn Gesem'us gewissermaßen erst wieder entdeckt hat, sehen wir auch das Streben von Männern wie Zunz*) und Munk für ihn gewonnen. ') Dieser scharfsinnige und gründliche Forscher spricht bereits a« vielen Orten mit gewohntem Geiste von ihm. Aull) verdankt — In der „Notice suf Rabbi Saadia Gaon“ sin den sich schon schöne Fortschritte für Abulw., und ihr Verfasser wird bald, wie mir Herr Prof. Benary in seinem Namen aus Paris berichtet, mehreres Handschriftliche im Journal Asiatique bekannt machen. Möge Hr. Carmoly ebenfalls die Handschriften, die ihm zu Gebote stehen für diesen Zweck ausbeute», und zwar genauer als es in dem Aufsatze: „Maimonides und seine Zeitgenossen" geschehen ist. Bei dieser Gelegenheit müssen wir aber die Leser noch auf den Mißbrauch aufmerksam machen, der oft von ihrem Vertrauen gemacht wird. Nicht nur ist es unwahr, daß der von Abulw. angeführte Js. b. Sau! bei. Abenesra an den drei genannten Stellen citirt wird. (Pf. 147, 3. ist pmsy ein ganz anderer); nicht nur kühn behaupten zu wollen, daß im gedruckten Jesod .Mora nichts von den 22 Büchern des Sam. Hannagid stehe; nicht nur ist es eine sehr'unbillige Forderung an Abraham b. Daud, daß er den später lebenden Jacob b. Elieser namhaft mache, sondern auch das Meiste über Abulwalid (und dieses nehmen wir nur in Anspruch) mit bedauerlicher Flüchtigkeit gesagt, dagegen das Wichtige, z. B. über das Gedicht des Js. b. Saul unterdrückt. Wie konnte Hr. C. z. B. mit so vieler Zuversicht aus der Stelle im Mosnaim 32, a schließen, daß Abulwalid's Vater Hisdai geheißen? Dort wird einfach ein 'NNQN S"i2P genannt, im Zachot (ed. Lippm. 52, a) dagegen wird dieselbe grammatische Meinung im Namen des ■nbn. wan w vorgetragen. Rabb. I. b. Hisdai muß noch nicht identisch mit R. I. b. Gannach sein, noch weniger paßt zu diesem der Name R. Hisdai Hallevi. Der sicherste Beweis aber, daß ■p'ap Won nicht Abulvalid ist, geht aus jener grammatischen Ansicht selbst hervor, der von Abulw. an vielen Stellen im Lex. und der Grammatik widersprochen wird. Rapoport hat diese Identität erfunden, und gesucht dem arab. Worte (^-^>) dieselbe Bedeutung abzugewinnen, die das hebr. nün im üblen Sinne hat. Allein Rapoport hat sich längst das Recht erworben, auch einmal irren zu dürfen (ein Recht, von dem Andere viel mehr Gebrauch machen, als er selbst). Der Name nr»2 bedeutet: Flügel; daher-nennt der des Arabischen kundige Palkira unfern Abulwalid in seinem ^2)2^ sehr passend: WP pn fcPSiS!"» ein epitheton ornans von Heiligen und Gelehrten. Rap. spricht nur eine flüchtige Vermuthung aus; aus Hrn. C. sicherer der Unterzeichnete den freundscbaftlichen Mittheilungen von.Zunz schon viele lehrreiche Notizen für seine Arbeit.