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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-11-30 · Heft 100 (30.11.1839) · p. Seite 630

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 100 (30.11.1839)
Date
1839-11-30
Page
Seite 630 (sequence 10)
Language
German
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630 Lerer Zeit die Juden dem Ackerbau entzogen habe, bedarf kaum einer Erinnerung, daß sie zu jener Zeit auch königliche Aemter bekleiden konnten und auch wirklich bekleideten, und wie und wenn sie diese Rechte verloren, wird in der nächsten Nummer nachgewiesen werden. III. Die Israeliten und die Jsmaeliten. Jeder geschichtliche Jrrthum, und hatte er gar kein praktisches Moment, verdient Berichtigung aus rein wissenschaftlichen, von der Praxis abstrahirenden Rücksichten. Hat der Jrrthum'aber Folgen, eine ganze Menschenklasse krankende Folgen, so ist es doppelt Pflicht, der Wahrheit Recht zu verschaffen. — > In der ältesten ungarischen Gesetzgebung ist öfters von Jsmaeliten die Rede, von eingewanderten Muhamedanern nämlich, welche sich schon unter Kolomannus dem Ersten größtentheils zur christlichen Kirche bekannten, aber oft noch an ihren herkömmlichen Gebrauchen hingen, und nicht selten in ihren frühem Glauben zurücksielen. Um nun diese Jsmaeliten vollkommen zum Christenthum zu bekehren, wurden verschiedene Gesetze^ gegeben, welche das corpus juvis ausdrücklich auf die Jsmaeliten bezieht. Von einer Jdentifi'cirung mit den Israeliten kann in dieser Gesetzessammlung nicht die Rede sein, da jene immer Judaei genannt werden. So heißt es schon in den Dekreten des Königs Ladislaus I: Oe negotiatoribus, quos appellant Ismaelilas, si post Baptismum ad legem suam anliquam, per circumcisionein rediisse inrenti fuerint, a sedibus suis scperati ad alias removeantur (L. I. cap. IX.), und gleich darauf cap. X. die bereits angeführten Worte si Judaei Auch in der spätem Gesetzessprache werden Jsmaeliten und Juden genau unterschieden. Hiernach wird es nicht schwer fein, folgende Stelle eines ungarischen Geschichtschreibers gehörig zu würdigen: „Uebrigens umfaßt der Gesetzgeber Kolomann auch „eine neue Volksgattung, die seit Kurzem in Ungarn „sich aufgehäuft, die Juden. In Frankreich und „Deutschland von den Kreuzfahrern gedrängt, flüchteten sie in jene Lande, wo sie nicht verfolgt wurden- „nach Ungarn und Polen. Kolomann erließ neue Gesetze ihretwegen, -er Zweck dieser Gesetze war, sie zum „Christenthume übertreten zu machen. Auffallend sind „zwei Verordnungen: keiner dürfte seine Tochter einem „seines Stammes zur Frau geben, und wenn lein „Israelit Gäste Hatte, oder jemand zu sich lud, mußte „er und die Gaste alle bloß Schweinefleisch essen." Wallach I. pag. 96.) Der Verfasser entdeckte jedoch selbst, wie sehr er durch die Verwechslung der Jsmaeliten, denen jene Verordnungen gelten, und Israeliten gefehlt hätte. Er läßt sich hierüber lm Anhänge (pag. 266) folgender Maßen vernehmen: „Ich sage, daß Kolomann, der König, Gesetze wegen der „Israeliten gab, die wahrend der Zeit der Kreuzzüge hantig nach Ungarn ausgewandert sind. Die Gesetze lauten zwar über Jsmaeliten, weil aber die spatem un- „garischen Gesetze Jsmaeliten und Juden häufig unter eine „Verfügung stellen, glaube ich, daß auch Kolomanns Ge- „setze die Israeliten ebenso angehen, wie die Jsmaeliten. „Wenn ich hierin irre, so nehme ich meine Angabe gern „zurück." Wer die Sprache reuiger, ihre begangenen Jrrthümer bekennender Schriftsteller nur einiger Maßen kennt, wird aus diesem Bekenntnisse sehr leicht ersehen, daß sich auch der Vers, von der Unrichtigkeit seiner frühem Angabe vollkommen überzeugt hielt, und daß ihn nur etwa ein flüchtiger Blick in die Quellen irre führte, was bei der Aehnlichkeit der Namen Jsmaeliten und Israeliten leicht zu begreifen ist. Aber ein Professor der Geschichte sollte wol seinen Hörem nicht Dinge auftischen, deren Unrichtigkeit so offenkundig ist, und die nur geeignet sind, Gehässigkeiten und Spöttelei zu erregen. — Wo sonst, wenn nicht in Schulen, soll jenem Meinungshasse entgegengewirkt werden, welcher — ein Azot in bet Atmosphäre der menschlichen Gesellschaft — kein Licht und kein Leben, kein. Recht und keine Liebe gedeihen laßt? — Wo sonst, wenn nicht in Schulen, soll reine, der Wissenschaft und deren Jünger würdige Humanität gelehrt und durch Wort und Beispiel vorbereitet werden? — Indessen muß man es zur Ehre der höhern Lehranstalten in Ungarn gestehen, daß ähnliche Ausfälle nur höchst selten Vorkommen, daß sich die jüdischen Studenten daselbst von Seiten ihrer Lehrer und Mitschüler einer freundlichen Behandlung erfreuen, und daß man ihnen im Ganzen Gerechtigkeit wiedecfahren laßt. Feindliche Stimmen, wie die des verstorbenen Professor Schwartner in Pesth, werden nicht mehr vernommen, und fänden auch, bei der jetzt in Ungarn durchaus vorherrschenden humanen Gesinnung gar keinen Anktang. (Fortsetzung folgt.)

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