Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 100 (30.11.1839)
- Date
- 1839-11-30
- Page
- Seite 628 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3225013-3225114--02324-3234900- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
628 der Höhe in die Tiefe schossen Sternschnuppen wie Pfeile « vom Bogen. Immer näher brausten die Signalhörner,'bis i man endlich viele Stimmen vor dem jenseitigen Eingänge vernahm und sich durch diesen Gewaffnete einer nach dem andern durchwanden, so daß bald sich der weile Raum mit solchen füllte, von denen einige leuchtende Kerzen und Fakkeln trugen. „Friede mit dir, Pappus," sprach Malichus einen der vordersten an, ,,wir harren eurer schon eine Weile, hier ist unser Prinz." Pappus that einige Schritte vor, blieb dann vor Anti, gonus stehen und beugte ein Knie. Es war ein schon bejahrter Mann; das gebräunte/ etwas mürrische Gesicht, der lang Herabhangende schwarze Bart, die kriegerische Kleidung aus einem blauwollenen durch einen ledernen Gürtel festgehaltenen Rock und einem weitfaltigen Mantel bestehend, bekundeten den Palästinenser, der am Alten hing, dem der römische Luxus ein Gräuel war und der mit der Sitte der Vater auch zugleich alle Wohlfahrt des Vaterlandes verloren glaubte. „Glücklich der Tag," so redete er den Prinzen an/„wo ich dich, Sohn unsrer Könige sehe, Abkömmling des großen Mätathias, Enkel des Jannäus, dem ich bei Gerasa, Gaulana und Gamala zur Seite stand, sieh meine Stirn, das ist die Narbe einer Wunde, als ich den Hieb eines Syrers bei Lana, der gegen deinen Vater, damals noch zarter Knabe, gerichtet war, auffing. Und der Sohn Judäa's muß jetzt herumirren und das Erbe seiner Väter besitzen die schändlichen Jdumäer, sie, die die Zwietracht schürten zwischen dem Söhnen Alexanders, die zuerst den Römer in's Land riefen, sie die, wehe! wehe! dem Pompejus Zion und den Tempel übergaben, die den Araber" gegen Israels ruhige Wohnplatze hetzten, die die Würde des Hohenpriesters zum Spkelwerk in den Händen der Heiden machten; alle Verluste, die wir erlitten, alle Schmach, die wir erduldet, aller Fluch des Herrn, der uns getroffen, wir verdanken sie dem idumakschen Antkpater und seiner Brut. Doch, mein königlicher Prinz, -hier sind die Männer, die ich gesammelt habe, es sind die Ueberblcibsel jener Schaar, die dein erhabener Vater gegen den Römer Servilius führte, jener zwei tausend jüdischen Männer, die die Schlachtlinie der stolzen Weltbezwinger bei Macharus durchbrachen, die auf den Trümmern der Veste ihre.Leiber der heiligen Sache opferten, bis schmählicher Verrath uns Allen Verderben brachte. Wir sind von neuem bereit, für dich, den Hasmonäer, zu kämpfen, dem Herrn über uns und dir übergeben wir unsre Person, führ' uns nach Jerusalem!" : „Führ uns nach Jerusalem!" erscholl es von allen i Seiten und ein begeisterter Beifallsruf ertönte durch den weiten Raum. „Judäer!" redete sie jetzt Antigonus an, „ich habe mich nicht getäuscht, wol seid ihr noch die Männer, die mein Ahn, der Maccabäer, bei Adasa gegen Antiochus führte, wol ehrfürchtet ihr noch den einig einzigen Gott eurer Vater, wol empfindet ihr für den Enkel eurer Könige und Priester, wol schlaget euer Herz noch für Recht und Billigkeit. Mit diesem treuen Freunde kam ich bei diesem Gebirge vor wenigen Monden zuerst an's Land. Als ich die Wunden sah, die die Schändlichen meinem Paterlande geschlagen, da blutete mein Herz, da rissen die alten Narben wieder auf, die ich schon verschmerzt glaubte, da war der Entschluß, den ich wol eher gefaßt hatte, in der Einsamkeit mein Vaterland und den Glauben der Väter zu beweinen und zurückgezogen von allem Glanze königlicher Herrlichkeit der Erinnerung alter glorreicher Zeit zu leben, dahin — ich sah nur Judäa, wie es die Kette Rom's schleppte und eine. Beute war der Jdumaerssöhne, die sich Tetrarchen nennen, wahrend sie meinen schwachen Ohm am Gängelbande führen. Judäa, ein Spielweck in den Händen des Herodes, der heilige Boden nur Früchte tragend für seine Lüste, die Söhne Juda's seinem Ehrgeize dienend und für Heiden zur Schlachtbank geführt! Von ihm, der Brüder gegen Brüder waffnet, der selbst der Knecht ist bald des Pompejus, bald des Cäsar, bald der römischen Satrapen. Judäer, immer war der Name der Hasmonäer das -Wahrzeichen der angestammten Religion, der angestammten Freiheit, die ehemals Wunder verrichtete, ^der Freiheit, die das Erbtheil ist der Gemeinden Jacobs. Klein war die Anzahl der Männer, die anfangs zu mir kam, zweimal versammelten wir uns im Gebirge und wenig Hoffnung bot sich dem Beginnen dar. Aber sehet, immerdar war unser Gott ein Freund der Tugend und des Rechtes. Bald vermehrten sich die Unfern, "an allen Orten harren jetzt die Eingeweihten des Winkes ihres Königs. Nur noch einige Tage und wir sind im Stande, den Eindringlingen die Spitze zu bieten und sie aus der Nahe des Tempels zu vertreiben." „Und wir kommen nicht ohne anderweitige Hülfe," fuhr Malichus fort, „Lysanias, der Herrscher von Chalcis, jener edle Verwandte des hasmonäischen Hauses, Pacorus, der Sohn des Partherkönigs mit seinem Satrapen, die Einwohner von Ptolemais und Sidon, sie alle unterstützen unsre Sache und feurige Kohlen werden von allen Seiten! auf die Häupter der Jdumäer gehäuft."! „Wir brauchendes Auslandes nicht," trat jetzt Pap-! pus hervor, „sollen wir dieselben Vorwürfe auf uns laden,