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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-11-30 · Heft 100 (30.11.1839) · p. Seite 627

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 100 (30.11.1839)
Date
1839-11-30
Page
Seite 627 (sequence 7)
Language
German
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627 des Carmels Waldungen geeignet schien, und wenig den vom Dornengestcüpp zerrissenen und beschmutzten Sandalen an den nackten Füßen entsprach. Er bog das wilde Gesträuch von dem Eingänge der Höhle zurück und trat einige junge Stämme von Balsamspinien nieder,, die das Hinabsteigen verhinderten. Mittlerweile kam auch Antigonus heran, ein Jüngling von schlankem Wüchse, zarten Angesichts, welches von den durch die Nässe unordentlich herabhangenden blonden Locken beinahe bedeckt war. Obgleich seine Bewegungen Festigkeit und Gewandheit verriethen, so zeigte sein Blick doch weniger Entschloffenheit, als sich dies bei seinem Begleiter ausspcach, ja die Züge seines Gesichtes waren eher weich, als männlich zu nennen. Er war mit einem langen Schwerdte gegürtet, dessen goldner Griff reiche Edelsteine einfaßten, und mit einem wollenen, scharlachfarbenen, mit Purpur verbrämten Mantel bekleidet, den nur Feldherren der damaligen Zeit trugen. „Wo da hineinkommen, Malichus?" fragte er den andern. / „ Folge mir nur dreist, mein Prinz, ich kenne jeden Winkel, die Höhle hat vielfache Windungen und du mußt auf sechs Kaneh weit den Kopf ducken-nun, gieb mir die Hand, wir schurren einige Ellen weit hinunter — schon ist das Loch geräumiger, noch wenige Schritte links und wir sind geborgen." So kamen sie in einem großen unterirdischen Raum an. Es war eine jener vielen Grotten, welche die Gebirge Palästinas ln ihrem Innern hegen, die so oft Einsiedlern und Verfolgten einen sichern Zufluchtsort gewährten, es. war die nämliche Höhle, in welcher, der Sage nach, der Prophet Elias sich vor Israels König verborgen hatte. „Vorerst wären wir vor Regen und Unwetter in Sicherheit, Malichus, was weiter kommt steht in des Herrn Hand, ' laß uns hier die triefenden Kleider trocknen, der scharfe Luftzug wird nicht lange Zeit dazu erfordern." „Er kommt von einer nahe liegenden Oeffnung der Höhle aus einer Schlucht des Gebirges, durch sie pfeift der Wind nach jenem andern Loche, welches du, wenn du dich niederlegst, dreißig Schritte von hier sehen kannst!. Dies führt in das längliche, sich schlängelnde Thal, durch welches unsre Genossen ziehen werden." - „Was ist dies für ein Feuer, das uns durch die Oeffnung leuchtet, es scheint die ganze Schlucht zu füllen." „Der Blitz hat eine Eiche am Abhange getroffen. Hu, wie es jetzt rauscht und der Platzregen,herabströmt und an das Kalkgestein schlagt, als wolle ec den Berg fortschwemmen. Mir ist nie wohler, als bei solchem Aufruhr der Natur, es hat etwas Feierliches für mich, diese erhabene Drohung der Vernichtung, es ist der würdige Gegensatz gegen das elende Streben des Menschen, auf erbärmlichen Schleichwegen sich fortzuschleppen und die schwachen Pulse seines niedern Lebens mit dem Traum erträumten Glücks auf Minuten zu erhöhen." „So ist der Mensch dir nichts, Malichus?" „Der Mensch — sehr wenig, mein Prinz, ein leiser Hauch der Natur, ein Athemzug ihrer weiten Brust — doch alles, alles ist mir die Menschheit, Prinz, sie ist die herrlichste Offenbarung aller Kräfte der unsterblichen Natur, sie ist lebendige Geschichte göttlicher Wahrheit, die nach einer unendlichen Vollkom'menheit strebende, ewige Geisterwelt." — ' „Ich glaube, du bist Sadducäer, Freund?" „Nichts weniger als das — was habe ich mit den Sekten zu thun! Sektirerei, das Krebsübel, das von jeher die edelsten Safte der Menschheit aussog — ein geistiges Ungethüm, das seine eignen Kinder frißt — ein Bleigewicht an den Flügeln des freien Gedankens. — Was ist je Gutes aus diesen Sekten hervorgegangen? Das Leben, Prinz, das Leben ist die hohe Schule!" „Doch sah ich oft dich von diesem Treiben und Drängen der Welt zurückziehen und die Einsamkeit suchen." „Es ist die Einsamkeit die Mutter der Gedankenhoheit, die Welt des Gedankenreichthums, die Natur der Gedankcnklarheit — doch es scheint, mein Prinz, als erbe der Geist der Weltweisheit in dieser Grotte fort, in der in alter Zeit auch der Grieche Pythagoras gewohnt haben soll, um einsiedlerisch hier den Mysterien, die er aus Aegypten geholt, nachzudenken." — In diesem Augenblicke hörten die Jünglinge den Ton eines Widderhornes, das weither von der Höhe des Berges durch die Oeffnung der Höhle schallte und sechsfach von dem Echo zurückgegeben wurde. Plötzlich verstummte ihre Rede und sie lauschten still bis der Ton verhallt war. Da ertönte es von Neuem und jetzt von meiner andern Seite und jetzt ergriff Malichus ein silbernes Jagdhorn, das an seiner Seite hing, stellte sich vor dem oben erwähnten Loche in einem Winkel der Höhle und gab das Signal durch das längliche sich schlängelnde Thal. Draußen hatte sich der Sturm gelegt, wie durch Zaubec war plötzlich die Scene verändert, der Stern glänzte an hellem blauen Himmel und warf magisch sein Licht in die Oeffnung der Höhle, unzählige Sterne waren wie ausgesäct an der Ausdehnung und strahlten gleich Edelsteinen im funkelnden Glanze, von

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