Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 100 (30.11.1839)
- Date
- 1839-11-30
- Page
- Seite 626 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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626 Ich weiß es, die große Mehrzahl wird es mir übel nehmen, daß ich gegen einen Tobten kämpfe, und selbst diese wenigen Zeilen werden mir schaden, denn die parteisüchtigen Nachbeter sind laut und lärmend: auf den Markten, auf den Börsen, in den Synagogen und im Bethammidrasch erheben sie ihre Stimmen, mit ihren Trauerreden bestürmen sie den Himmel, während die Freunde des Rechts geräuschlos und ruhig bleiben. (In Pesth habe ich das sehr schmerzlich erfahren.) Und dann ist es ja viel leichter, Thranen hervoczulocken, Heiligsprechungen vorzunehmen, und selbst — Aemtec und Würden zu erben, als das Unrecht, was ein Verstorbener geübt hat, wieder gut zu machen, und das Unglück, das er gestiftet hat, auszuglekchen. Aber mein Unglück ist mir selbst heilig geworden, ich kann und will nicht zurücktreten, bis ich gemäß der bereits früher erfolgten Entscheidung der hochlöblichen Statthalterei in Pesth wieder in mein Amt eingesetzt bin, und bis Tausende von Unglücklichen, die unter demselben Drucke leiden, mir danken; denn mein Wort wird verbreitet werden, die Masken werden den Heuchlern entsinken, die Presse wird Alles beleuchten, die Freunde des Rechts und der Wahrheit werden sich meiner mit Rath und That annehmen, die höchsten Behörden werden untersuchen, und dann wird alle Schädlichkeit und alles Unrecht, das sich in dem weiten Mantel der gegenwärtigen Rabbinatsverfassung Ungarns verbirgt, ein Ende haben. Jonathan Alexanderssohn, Rabbine von Csabü. B eil et t iüit. Die Wanderung dnrch's Leben. Eine Zeit-Novelle. *) (Fortsetzung.) 9. Die letzten Hasmonäer, Kalir's romantisch-historische Novelle aus den letzten Zeiten des jüdischen Reiches. Der Westwind, trieb die Wellen des großen Meeres gegen den Fuß des Carmel, hoch angeschwollen über seine *) Auf bereits vielfältig geschehene Anfrage, eröffnen wir sehr gerne freundlicher Neugierde, daß diese Novelle vom vr. med. Ph. Philippson in Klötze, dem Verfasser der „Marannen," hingegen „der Flüchtling aus Jerusalem," von dem später niehrere Theile gegeben werden, und die „Efterka" vom Unterzeichneten verfaßt sind.' Der R edakteur. Ufer war in der Regenzeit der Strom Kischon und rückwärts wogten seine Wasser, dringend in die Höhlen und Thäler des Gebirges, auf dessen Gipfel die Bäume ewig grünender Waldungen ihre Häupter schüttelten, als wenn sie sich über das wunderten, was die Geschichte da unten mit blutigem Griffel in ihre unvergänglichen Mollen verzeichnete.— Aber, wenn auch der Olivenbaum, vom Sturme getroffen, entwurzelt da lag, der Sturm konnte die Ceder nicht heben aus dem felsenfesten Erdreich und. der Eiche nur Zweige und Blatter entreißen. Von der Feme her, von des Libanons Kette abwärts durch den Bergzug Galiläa's rollten die Donner und senkten sich in die grasreichen Tristen, die, dem Carmel gegen Mitternacht, die Meeresbucht von Ptolemais begrenzte. Nur das Heulen der Schakale wechselte mit des Sturmes Geschrei und des Donners Getöse ab, nur der Blitze Feuer erhellte die düstre Nacht, die sich über Palästina's Boden gelagert hatte. Zwei Jünglinge waren die einzigen menschlichen Wesen, welche hier herumirrten, denn selbst am Tage hatten die Hirten noch nicht gewagt, ihre Heecden auszutceiben und sie dem Unwetter und den Gefahren auszusetzen, welche der schmelzende Schnee, der die Bäche anschwellte und lawinenförmkg herabstürzte, bereitete, obgleich die liebliche Anemone und duftende Narcisse schon hervorsproßten und Zeugen waren von den erwachten Kräften, die der Frühling in dem fruchtbaren Erdreich hervorrief. „Wir sind am Ziele, Antlgonus," rief jetzt der eine Jüngling dem andern zu, „das ist die Höhle des Elias, die wir suchen, die ist mir wohlbekannt von der Zeit, als ich mit dem Ehrvergessenen hier die Gazellen jagte. Es war ein ähnlicher Aufruhr in der Natur, wir irrten drei Tage im Gebirge — beim Herrn! hier ist noch der Stamm der Platane, die Herodes mit der Streitaxt fällte, auf die sich der wilde Bienenschwarm niederließ, hier noch die Fallgrube für die Gazelle, deren prächtige Haut sein Ruhebett im Palaste zu Jerusalem bedeckt." Der Jüngling blieb gedankenvoll am Eingänge der Höhle stehen. In seinen Gesichtszügen malte sich die Wehmuth aus, welche die tiefen Leiden des Herzens verkündet und die bei seinem Anblick bezaubernd zu innigem Mitgefühl hingerissen hatte, wenn nicht die funkelnden Augen auch den aufsteigenden Zorn seiner Seele verriethen. Seine Gestalt, seine ganze Haltung bezeichnet den jugendlichen Helden, obgleich er nur mit einem kurzen Jagdschwerd bewaffnet war und die leichte über die rechte Schulter hangende römische Toga nicht für den jetzigen Aufenthalt in