Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-11-30 · Heft 100 (30.11.1839) · p. Seite 623

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 100 (30.11.1839)
Date
1839-11-30
Page
Seite 623 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3224737-3225013-3225114--02319-3234895
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

623 meinde enthielten, in den Grundstein, wobei von der Schuljugend gesungen wurde. Am folgenden Sabbat waren die Zimmerleute mit dem Ausrichten des Gebäudes fertig. Der Rabbine hielt eine andachtsvolle Rede über die Worte des Psalmisten: „Ich freue mich, wenn man zu mir spricht: laßt uns in das Haus des Ewigen gehen", worauf der 92. Psalm und andere Lieder von der ganzen Gemeinde gesungen wurden. Viele angesehene Christen nahmen Theil nicht blos an der Festlichkeit, sondern auch an der Freude, welche die ganze Gemeinde belebte. Der Plan dieser neuen Synagoge ist nach der neuesten Bauart; in einem Jahre wird wahrscheinlich das Ganze zur Freude Gottes und der Menschen dastehen. Alsdann wird die alte Synagoge zum Schulhause eingerichtet werden. Besonders verdienen noch die vielfachen Bemühungen des zeitigen Vorstehers, Herrn Lob Simson, welcher den Synagogenbau mit größtem Eifer betrieb, rühmlichst erwähnt zu werden. Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht unterlassen, Ihnen von einer noch geringeren, zwei Stunden von Schwarza entfernt liegenden Gemeinde, Marisfeld, zu berichten. Dieselbe zahlt kaum 20 Mitglieder, hat aber doch vor einigen Jahren sich eine sehr schöne Synagoge und ein geräumiges Schulhaus erbauet. Vor einigen Wochen machten die Jünglinge daselbst der Gemeinde ein Geschenk mit einer neuen Sefer-Tora, welches sie hatten schreiben' lasten, bei welcher Gelegenheit sich Jünglinge und Jungfrauen nicht blos aus Marisfeld, sondern auch aus den umliegenden Orten, namentlich aus Schwarza und Heinrichs einige Tage durch Tanz und andere Lustbarkeiten ergötzten. Alles nimmt Theil an solchen Freuden, welche zur Ehre und Verherrlichung Gottes veranstaltet werden! — Berlin, 15. Nov. In Bezug auf die Reformationsfeier zu Berlin am 1. und 2. Nov. enthalten die öffentlichen Blätter Mehreres, was auch uns interestiren muß. (Franks. I.) „Was 'uns aber bei dieser Feier ganz besonders anspricht, ist der Umstand, daß sich die Versammlung der Stadtverordneten gleich Anfangs dahin ausgesprochen hat, bei den zu treffenden Anordnungen in keiner Hinsicht einen Unterschied in Beziehung auf die Religion oder gar Confession zu machen, und somit haben nicht allein die Vorsteher der katholischen Hedwigskirche, sondern auch die der mosaischen Gemeine Einladungen erhalten".— (Leipz.A.Z.) „Als eine bemerkenswerthe Erscheinung hat sich auch die aufrichtige Theilnahme der jüdischen Glaubensgenossen, wenigstens des aufgeklärten Theiles derselben, an diesem Feste dargestellt; denn unter-den Stadtverordneten will man auch diejenigen jüdischen Bürger erblickt haben, welche das Vertrauen ihrer Mitbürger zu diesem Communalacte berufen hat. — An einigen Hauptorten der Mark, wo Synagogen vorhanden find, hat man an dem Tage der Reformationsfeier einen besonderen jüdischen Gottesdienst gehalten". — Deutschland. Hamburg, 10. Nov. (Privatmitth.) Gestern hat unser Salomon Heine, dem Gott noch viele frohe Jahre gewahren möge, wieder eine Wohlthat in seinem gewohnte» großartigen Style ausgeübt. Die Vorsteher der Gemeinde hatten den Bau eines neuen Krankenhauses beliebt, und den Kostenanschlag auf 80,000 Mark Banko, wozu 28,000 Mark Cour, bereits vorhanden seien, in einer vorbereitenden Versammlung angegeben. Da erhob sich Heine.und erklärte: er allein übernehme die ganzen Kosten, die 28,000 Mark möge die Gemeinde dem Krankenhause nur zur anderweitigen Verwendung bewahren. Die 80,000 Mark sind heute schon ausbezahlt. Es bedarf keiner Erwähnung, welchen Eindruck diese Begebenheit auf die ganze Stadt, Juden und Christen gemacht hat. (Die Hamb. Neue Zeit, fügt dem Referat dieser wohlthätigen Handlung hinzu: „Möchte eres doch erleben, daß wir ihn und seine Glaubensgenossen als unsere Mitbürger begrüßen dürften!") Altona, 9. Nov. (Privatmitth.) Unser Herr Oberrabbine Ettlinger hielt heute eine Hespid über eine Anzahl jüngst verstorbener Rabbinen, worunter der von Lemberg, der von Jerusalem (R. Israel) und der von Presburg die bedeutendsten waren. Die Anstrengung des würdigen Mannes, sein zahlreiches Auditorium zu Thranen zu rühren, ward mit reichlichem Erfolge gekrönt, und die scharfsinnige Untersuchung, ob es mehr der Körper oder der Geist des Verstorbenen sei, den man beweine, war wahrhaft erbaulich zu nennen. Leipzig, 15. Nov. (Privatmitth.) Vor einigen Tagen wurde das sechszehnte Heft des Conversatkons-Lexikon der Gegenwart ausgegeben, in welchem von Seile 1155 bis 1178 ein größerer Artikel den „Juden" gewidmet ist. Von welchen Grundsätzen dieser Artikel ausgeht,' der bei der Verbreitung dieses wichtigen Werkes von nicht geringer Bedeutsamkeit ist, können wir am besten aus den einleitenden Worten desselben erfahren, welche so lauten: „Wenn die wunderbar über den ganzen Erdball zerstreuten Trümmer eines der ältesten Völker'schon als eine interessante historische Erscheinung in der Gegenwart dastehen, so haben die Angelegenheiten der Juden doppelte Bedeutung in einer Zeit gewonnen, deren Aufgabe vorzugsweise zu sein scheint, die äußeren Beziehungen und' Verhältnisse der Menschen in der bürgerlichen und politischen Gesellschaft nach vernunftmaßigen Grundsätzen zu ordnen. Daß die Bewegungen 'einer solchen Zeit auch an der durch die völlige Rechtlosigkeit des Mittelalters auf der einen Seite und die spatere duldsame Praxis auf der andern in ein merkwürdiges Schwanken gebrachten bürgerlichen und politischen Lage der Juden, der es nun vielfach an einem. klar verstandenen und consequent durchgeführten Principe fehlte, nicht spurlos vorübergehen konnte, war wol zu erwarten, und wir müssen es daher als einen natürlichen Zusammenhang der Verhältnisse 'betrachten, daß die erste französische Revolution in Europa zuerst die Fesseln brach, in welchen bis dahin die Juden auch in Frankreich schmachteten. Erst seit jener Zeit wurde die Frage der Emancipation, welche man, früher vorzugsweise nur aus dem Gesichtspuncte der Humanität und der liebevollen Duldung aufgefaßt hatte, mehr und mehr eine staatsrechtliche und politische. Es ist zu bedauern, daß dieser Streit, der sich seitdem von beiden Seiten entspann, nicht immer mit ganz reinen Waffen geführt, daß die Wahrheit der subjectiven Ueberzeugung hier wie dort oft durch Eigennutz, Anmaßung und kirchlichen Eifer getrübt ist. Sonst würde es bei der Menge von Schriften und Gegenschriften,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.