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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-11-30 · Heft 100 (30.11.1839) · p. Seite 622

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 100 (30.11.1839)
Date
1839-11-30
Page
Seite 622 (sequence 2)
Language
German
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622 zu feiern, ihre Gesänge und ihre Gebete, allerdings mit Verbesserung dessen, was ohne das Gewissen Jemandes zu verletzen, und ohne unsere Fundamental-Institutionen zu berühren, verbessert werden kann." — Im dritten Briefe, „Separatstes — Populace“ überschrkeben, spricht sich Herr Crehange über das Verhältniß der Israeliten zum Staate aus, auf folgende Weise: „In Ihrer zügellosen Liebe zur Freiheit verfluchen Sie die „Separatisten", und bezeichnen damit die guten Leute, welche leben und sterben wollen in der Religion, in der sie geboren sind, welche seit zwei Jahrtausenden für die Glaubensfreiheit kämpfen, und die schrecklichsten Torturen erlitten haben, um ihren Glauben zu erhalten; das ist wenig großmüthkg, mein Herr, und besonders wenig liebreich (charitable). Wir sind „Separatisten", aber nach der Charte und den Gesetzen des Landes. Die Charte unterscheidet unfern Kultus, wie den. protestantischen vom katholischen. Nur auf diese Weise sind wir „Separatisten." Aber, so gut und vielleicht noch mehr, als Sie, wollen wir die vollkommenste Vereinigung mit unfern christlichen Mitbürgern, für alle Civil- und Militarchargen, Vereinigung in der Armee, Vereinigung in der Nationalgarde, Vereinigung in der Jury, Vereinigung in den Wahlen, Vereinigung mit allen unseren Mitbürgern, in ihrer Liebe zum Könige, in.ihrer Achtung für die Charte rc.; aber Trennung, vollkommne Trennung für Alles, was die Religion betrifft; wir sind nur Israeliten unter diesem Beding, und wir wollen Israeliten sein. Nach Allem, wir haben uns von Niemandem getrennt, man hat sich von uns getrennt; wir sind jetzt in der Minorität, aber wenigstens in einer achtungsvollen Minorität; diese, Minorität war es, welche um ihre Freiheit noch mit den Römern kämpfte, als alle Völker bereits im Staube lagen; diese Minorität war es, welche, nach der Meinung ihrer Feinde selbst, die Fackel der Literatur und den Handel den Völkern des Abendlandes gebracht; diese Minorität hat sich nicht durch Scheiterhaufen, nicht durch Metzeleien, nicht durch Plünderungen niederdrükken lassen, sie hat der Eisenmenger, der Buxtorfe gespottet, sie überläßt die Correspondance d it e I8rae!it6 großmüthig den Spießbürgern rc." — Der Schlußbrief, „Langue sacree. — Prieres“, läßt sich über die Beibehaltung der hebräischen Gebete aus. „Unsere gelehrten Reformatoren, beginnt der Verf., haben eine ganz besondere Abneigung gegen diese edle und pittoreske hebräische Sprache; sie wollen sie durchaus aus unfern Tempeln verdrängen, um sie in die Kollegen, d. i. in die Vergessenheit zu verbannen". Der Verf. läßt sich alsdann über den Ursprung unserer Gebete aus, und spricht sie besonders als einziges Band des Judenthums, das wir doch erhalten wollen, an. „Dieses Band, fahrt er fort, diese Vereinigung,' diese Fahne, diese religiöse Verbrüderung machen die Verzweiflung unserer guten Reformatoren aus; um den Himmel zu erklettern (escalader), bedürfen sie eines Thurms von Babel; um ihren schuldvollen Zweck zu erreichen, müssen sie die Israeliten der verschiedenen Länder isoliren, sie trennen, sie einander fremd machen. Arme kleine Machiavelle! Ihr erregt Mitleiden. Wenn die Religion uns 'nicht geböte, das Wort unserer heiligen Propheten zu ehrfürchten, die Politik, der Instinkt der Erhaltung und des natürlichen Wohlbefindens, müßte uns den Wunsch, die geheiligte Sprache als Vereknigungsmittel zu erhalten, aufdrängen. Man erinnert sich jener Schlacht, wo französische und englische Offiziere das Blutbad durch ein Maurerzeichen beendigt haben; die hebe. Sprache ist das Maurerzeichen der Israeliten; mit diesem Zeichen, dieser Gemeinsamkeit der Sprache in den Gebeten, findet ein Israelit Schutz und Hülfe an den Enden der Welt, und Ihr wollet dieses' Zeichen vernichten? Unsinnige!" Der Verf. erzählt darauf: „Bei dem Schlachtfelde zu Dresden, im Jahre 1813, hatte ich die unsägliche Freude, einem feindlichen Soldaten das Leben zu retten, der in seiner Hülflosigkeit mit Verzweiflung die magischen Worte ausgesprochen: Schema Iisroel. In der Unmöglichkeit, allen Unglücklichen, die sich mir darboten, zu helfen, habe ich mich beschränken müssen, meine Thätigkeit dem zuzuwenden, der mein Herz mit der unwiderstehlichen Sprüche meiner Religion getroffen hatte." Endlich schließt der Verf. mit den Worten: „Was eine Reform betrifft, so rufen wir sie auch mit allen unseren Wünschen herbei, aber eine moralische Reform, und diese muß von den Höhen der israelitischen Gesellschaft beginnen (conunencer pav les sommites de. ia societe Israelite.) Das Licht kommt VON oben; aber es manifestirt sich nicht durch die Lüge, nicht durch die Heuchelei, nicht durch Pamphlete, nicht durch schamlose Karrikaturen, sondern durch gute Beispiele; Ihr werdet das jüdische Volk nicht regeneriren, indem Ihr die Fackel anzündet, welche es auf dem Scheiterhaufen der mosaischen Institutionen erleuchten soll, sondern indem Ihr das Beispiel der Achtung für diese- Institutionen gebt!" — Sie können denken, daß diese echtceligiösen Worte eines Biedermannes, der, im vollen Sinne Israelit, dennoch sein Blut für das Vaterland verspritzt hat, ein großes Aufsehen und vielen Beifall gewonnen hat. Wir wollen sehen, was Tsarphati solchen Kernworten zu erwiedern hat. — Preußen. Schwarza, (bei Meiningen), 15. Nov. (Privatmitth.) Wenn lediglich aus Liebe zur Religion aus geringen Mitteln Großes bewirkt wird, so verdient dies gewiß Anerkennung, und ist zugleich eine Aufmunterung für unsere Mitbrüder. ' Darum gönnen Sie wol folgenden Mittheilungen einen Platz in Ihrer Zeitung. In Schwarza bei Meiningen wohnen 40 jüdische Familien, von denen die meisten sich kümmerlich ihr tägliches Brod erwerben. Seit einer langen Reihe von Jahren besteht bereits diese kleine, wahrhaft gottesfürchtige Gemeinde, und besitzt ein eigenes Gotteshaus. Da aber dasselbe mit der Zeit zu klein wurde, beschloß man schon vor mehreren Jahren, ein neues zu erbauen. Viele Opfer von Seiten der wenigen Wohlhabenden daselbst bedurfte es, um endlich die nöthige Summe zusammen zu bringen, aber dennoch gelangte man ans Ziel. ,— Es wurde ein geräumiger Platz in der Nähe der alten Synagoge gekauft, welchen noch ein Mitglied der Gemeinde, Herr Löb Mayer, durch einen Theil seines daran stoßenden Gartens, ohne die geringste Entschädigung zu verlangen, vergrößerte. — Am 15. Oktober wurde feierlich der Grundstein zum neuen Bau gelegt. Bei dieser Gelegenheit legte der würdige Rabbine, Herr Moses Michel einige Schriften, welche die zeitigen Verhältnisses der Ge-

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