Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 100 (30.11.1839)
- Date
- 1839-11-30
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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III. Jahrgang. Zeitung Allgemeine No, lOO. des Zudenthums. unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. Redacteur: Dr. Ludwig Philippson, israelitischer Prediger in Magdeburg. Vertag von Baumgärtners Buchhandlung zu Leipzig. (Mit König». Sächsischer allergnädigster Concession.) Leipzig, den 30. November 1839. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Sonnabends, und wird jährlich 86 Bogen in Quart incl. des Titel-, Registers u. s. w. umfassen. In Gemäßheit de- Zweckederselben die allgemeinste Verbreitung zu geben, ist der Preis äußerst niedrig: mit 3 Tblr. für den Jahrgang — 1 Thlr. 12 Gr. für sechs Monate — 18 Gr. für da- Vierteljahr angesetzt worden. Alle Buchhandlungen, Postämter und Zeitung-- Vpeditisnen nehmen Bestellungen an; der Hauptspedition für beide Letzter« hat sich die Königl. Sächs. wohllöbl. Zeitung-- Expedition allhier unterzogen. Zeitungsnachrichten. Frankreich. Paris, 12. Nov. (Privatmktth.) Ich weiß nicht, ob Ihnen Ihr Korr, aus Metz über einen jüngsten Tsarphatischen Brief im Courr. de la Moselle, und zwar den 18ten, bereits Bericht erstattet hat*). Derselbe ist so unwürdig gehalten, daß ihn Tsarphati selbst mit andern Buchstaben (A. T. aus Metz) zu versehen für gut erachtete. Gegen diesen, wie insonders gegen den 17ten, den Sie, wie ich so eben ersehe, in Nr. 95 ganz ausgenommen, hat Herr Creliange/ derselbe, den Tsarphati als Vertreter der Wohlthatigkeitsvereine zu Paris gegen das Konsistorium vielfach belobt, eine Broschüre erscheinen lassen, unter dem Titel: La Sentinelle juive, reponse a Ja dix-septieme Lettre de Ja Correspondance dite Fsraelite de Tsarpliati. Den Ertrag hat der Verfasser dem projektirten israelitischen Hospital bestimmt. Sie gestatten mir aus demselben einige Auszüge Ihren Lesern vorzulegen. Der Verf. giebt seine Erwiederung in 4 Briefen. Der erste tragt die Ueberschrift: „Reform". Herr Crehange weist zuerst die Lobsprüche Tsarphati's zurück, und erinnert, daß das Konsistorium sie berufen hatte, um Ausweisung zu erhalten, und daß-, als diese gegeben worden, viele Vorurtheile verschwunden. Das Konsistorium hat die Versammlungen der Gesellschaften wahrend der Feste autorisirk, und außerdem eine Verordnung erlassen, nach welcher jeder Familienvatxr autorisier werden kann, eine Gebetsversammlung bei sich zu veranstalten. „Seien Sie offenherzig, sagt der Vers., Sie haben sich dieser Angelegenheit bemächtigt, um das Konsistorium und unsere Institutionen anzugreifen, und besonders um Ihr Steckenpferd (liobby-horse), die Reform, zu befestigen". — „Die Reform! mein Herr: aber wo sind Ihre Titel, um eine solche zu bewerkstelligen? Wo Ihre Arbeiten? Welche sind Ihre religiösen Grundsätze? Welche ist Ihre Moral? Sie wollen unser Mandator sein, ') S. Nr. 99. Redakt. dann haben wir auch das Recht, Interpellationen an Sie zu richten. Als Martin Luther seine Reform beabsichtigte, arbeitete er-Tag und Nacht, .die Bibel zu übersetzen, und sagte: Hier ist Rom, da die Bibel, wählet! Was bringen aber unsere Martine uns zum Tausch für unsere Institutionen? Ein Nichts!" Nachdem er dann dem Herrn Tsarphati die Taufe seiner Kinder vorgerückt, endigt er: „Euch Allen, ihr Herren Reformatoren, ernste Männer und verdrießliche Pamphletschreiber, ich sage Euch in Wahrheit, wie der Diamant nur durch den Diamant geschliffen werden kann, so kann die Religion nur durch religiöse Männer gereinigt werden, und das seid Ihr nicht!"— Den zweiten Brief betitelt der Vers. „Libelle!" Hier heißt es: „Sie verlangen Freiheit für alle Welt, mein Herr, für die Neformirteu wie für die Anderen: aber, mein Gott, wo sind denn Ihre Fesseln? Aber Sie und die Ihrigen sind es, die Ihren Gegnern die Freiheit rauben wollen, und zwar die köstlichste Freiheit, die Gewissensfreiheit. Freiheit für alle Welt, sagen Sie, und verfolgen mit Sarkasmen und unwürdigen Karcikaturen die, welche nicht Ihrer Meinung sein wollen. Freiheit für alle Welt, .sagen Sie, und wollen, daß wir unsere Gebete in modernen Sprachen, d. i. in tausend verschiedenen Idiomen verrichten, wenn es uns gefallt, sie im Hebräischen, in der geheiligten Sprache, welche seit dreißig Jahrhunderten fcte' Einigung unter allen Israeliten des Erdenrunds erhalt, zu vernichten. Freiheit für alle Welt, und Sie wollen uns zwingen, unser Gebet am Sonntag zu verrichten, wenn es uns gefallt, sie alle Tage und besonders am Sabbat zu verrichten, wie es unsere Vorfahren thaten". — „Wohlan, errichten Sie doch solche Synagogen, und wir werden nicht allein Freiheit für alle Welt, sondern auch Frieden für alle Welt, sagen; noch mehr, wir,wollen am Sonntage Ihre Redner bewundern, wenn sie Talent haben, Ihre Gesänge bewundern, wenn sie schön sind, wir wollen mit Ihren Arbeitern beten. Sie sehen, wir sind tolerant. Seien Sie es auch, und erlauben sie denen, die Ihrer Meinung nicht sind, ihre Synagoge zu erhalten, ihre Sabbate