Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 99 (23.11.1839)
- Date
- 1839-11-23
- Page
- Seite 618 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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018 Aegyptier, die alten Araber entgegen, und so wird cs eine Zektlang auch in unseren Knaben aussehen, bis das Verlange« nach einer Antwort auf ihr ewiges Warum sie über sich selbst hinaustreibt und auf einen neuen, höheren Standpunkt versetzt. . Das Eigertthümliche nämlich unseres Geistes ist, daß wir ohm Aufhören Partialbegriffe unter ein' Allgemeines, und dieses wieder, mit coordinirten Allgemeinheiten in Verbindung, unter ein noch Allgemeineres zu bringen suchen. > Durch ein solches Verfahren liefert unser Geist den Beweis! dafür, daß er nie einiger ist, und die Welt wird er so weit begriffen haben, als diese Subordination ihm gelingt. Wenn \ nun aber der Knabe in der Außenwelt, für deren Specialij taten ihs Gesetz ihn immer ein Allgemeineres hat finden heißen, nach einem letzten Allgemeinen vergebens gesucht hat, dann greift er endlich in sich hinein, erhebt sich zum Eckstein des ganzen Gebäudes, und ist eben durch diesen Schritt der nach innen gekehrte Jüngling. Deutlicher wird diese Dialektik des Egoismus werden, wenn wir die entsprechende Stufe der Völkerenrwickelung betrachten. Keine historische Naturreligion hat es jemals zu Höherem-gebracht, als Stücke der Natur zu vergöttern; die Natur in ihrer Totalität zum Gott zu erheben, ist erst ein Gedanke einer viel jüngeren Zeit. So lange nun aber der Mensch an einzelnen Naturmomenten hing, ohne doch, wenn er mit Einem Moment eine Apotheose vorgenommen hatte, die Macht anderer verkennen zu dürfen: so lange mußte Polytheismus da sein. Als aber die scheinbar fragmentarische Beschaffenheit der äußeren Natur zu Bewußtsein geführt war, und das Bedürfniß sich herausstellte, ein Centrum für alle diese Stadien zu erhalten: erst da konnte der Monotheismus in die Bahn der religiösen Entwickelung eintreten. Zunächst freilich war der Monotheismus selbst noch polytheistischer Natur, wie denn - überhaupt bei jeder Entwickelung die siegende Stufe Elemente der besiegten in sich ausgenommen haben muß. Diesen Standpunkt nahmen die Griechen ein. Suchend nach einer Einheit, die ihnen die Außenwelt nicht aufwies, und doch wiederum überwiesen, daß Alles und Jedes in dieser Außenwelt ihrem SelM homogen sei> erhoben sie sich > die menschlich e I n d i v i du a li tar zum Mann, zur Gottheit, und setzten die ganze Natur zu ihrem Werkzeuge, zu ihrem entfernteren Gliederfysteme. herab. Es ist bekannt, daß die griechischen Götter nichts als Personificationen menschlicher Ttdd-'yj sind, wie' Herodot sie nennt, und eben darum ist. die griechische Religion die reinmenschliche, die der Schönheit, die Krone der auf dem Boden der Naturentsprossenen. , . ■ . ';M Was bei den Griechen aus der.'ins Endlose zersplitterten Natur zu einem poetischen Organismus, zur menschlichen Schönheit zusammen gewachsen -war, das suchten' die prosaischen Römer durch ein Mechanisches Additionsexempel zu bewerkstelligen. Ihre Landergier hatte sie äußeren Zuwachs für innern nehmen gelehrt, darum entglitt der Monotheismus, dessen Idee den ganzen Olymp einigte, ihnen wieder um tcr den rohen Händen, so daß sie Götter zu Göttern häuften, und Legionen ausschickten, um Steine in ihr Pantheon- und dann ihr Pantheon über die Erde zu tragen. Und wenn dann nach Jahrhunderten das gedrängte und seiner Thorheiten müde Weltvolk eine neue Botschaft umarmt, dann ruft die Geschichte Wunder! und die Göttlichkeit der Doctrin ist für alle Lehrstühle festgegründet. — . (Schluß folgt.) C o r re s p o u d e n je n. Von der russischen Grenze. D e r E h a s s i - i s ur A s i rr Pole rr. . Von Julius Marcussohn B. (Erster Artikel.) Schon sen längerer Zeit spricht man oft und viel, wenn vom Judenlhume und den verschiedenen Schismen^ die es beherbergt, gehandelt wird, auch von Chapidim und Chaisidismus in den polnischen Provinzen; — aber die Referate hierüber, waren meist kaum der Sache, entsprechend; indem sie bald von einem nichtjüdischen Reisenden herrührcn, der schon als solcher von dem Treiben dieser Sekte, die auf einer zwar eigenthümlichen, aber tiefen AüffafsungSmeise des JudmrhumS beruher, wie jeder exoterische Beobachter eine ganz falsche und verwvrreneVorstellung haben mußte; theilv sind eö Mittheilungen eifriger Partheigänger, die natürlich die Thatsachcn nur nach ihrer einseitigen Subjektivität, nicht aber nach der objektiven Wahrheit beurtheilen konnten. 'Es ist jetzt die Zeit, wo das Judenthum in allen seinen Momenten betrachtet, wo es nach allen Richtungen, die es cingcfd>la* gen, verfolgt, und so in seiner ganzen Sphäre der Gegenstand ernstlicher Forschung wird. Es ist jetzt die Zeit, wo selbst Verirrungen im Gebiete deS Judenthums öffentlich sonder Furcht mitgetdeilt lund besprochen werden , weil man zu gleicher Zeit den Deklinationspunkt nachmeiset. und die Umstände, unter denen ein historisches Produkt geworden. Es geschieht zwar noch heut zu Tage nicht selten, . daß einzelne Auswüchse des Judcnthums, in Zetten allgemeiner Verfinsterung und tiefster Aufregung der Leidenschaften geworden, für Judenthum selbst ausgegeben werden, und neben einen M'§aul stellt sich hierdurch selbst ein Gfröre r; dies aber kann und darf uns nicht abhalten, die Höhen und Tiefen des historischen JudenthumS mit der Fackel der Wahrheit zu durchforschen. Unter diesen Umständen wird es wol nicht überflüssig'sein, auch jene berüchtigte Sekte der Chaffidim > die stets als ein Auswuchs des Judenthmnö angesehen wird, näher zu beleuchten^ Eine Parthei, die so tiefe Wurzel geschlagen, und auf manche Gemeinden wesentlich influirt, kann nicht ohne irgend eine geistige Tendenz, wenn auch in verfehlter ^Richtung, sein, wodurch sie die