Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 99 (23.11.1839)
- Date
- 1839-11-23
- Page
- Seite 612 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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612 Zur sicheren Verwahrung bringen lassen, Der Pöbel droht den Kerker zu erstürmen. Pan. Was da? Esterka ist bei Kasimir? P. Martin. Und wohlverwahrt — des Königs Dienerschaft Weiß schon zu sprechen von so Mancherlei, Der König tragt die Jüdin fast auf Händen, Ein eigner Koch bereitet ihr die Speisen. (Ben-Joseph macht eine Bewegung nach dem Herzen.) Pan. So fallt die Doppellarve Beiden ab, Die Tugendhaften — ha, verschmähter Pan, Der Rache Durst erglüht dir zum Zerplatzen! P. Martin. Ich lasse schon geschäftig unter's Volk Verbreiten, daß die Jüdin hat den König Bezaubert — das giebt böses Blut bei denen. Die einen Gott im Könige verehren. Rosny. Ihr seid die rechte Hand — was habt ihr weiter. Pan. Von seinen Schultern reiße ich den Mantel, Von seiner Brust den Stern mit eigner Faust. — P. Mart i n. Die Russen sind von Lemberg auf dem Zug, Um plötzlich in die Grenzen uns zu fallen. Sie ziehen heimlich, wie ich's angewiesen, In finstern Nächten durch die engsten Pässe, Am Ursclstag. betreten sie die Grenze. Der König ahnet nichts und wird erwachen, Wenn sie vor Krakau's Thoren beinah stehen. Dann wird er Euch, die schwerverletzten Herren, Mit Aengsten suchen, aber nimmer finden. Pan. Ihr wißt ein höllisches Gebräu zu brauen: Zum ersten Male trink' ich Brüderschaft Mit einem Russen. — P. Martin. Wenn der Feind von außen, Aufruhr von innen durch die Straßen rast, Dann tretet Ihr in kräftgem Handeln auf, Und stürzt vom Throne diesen Bauernkönig, Der Euch und uns verdrängte und verkürzt. Rosny. Laß er dann Schutz beim Bauer sich erbetteln. Pan. Und nun die Juden? P. Martin. Die sind abgethan. Es bleibt so, wie wir es jüngst besprochen. Gesindel ist durch Krakau schon verbreitet, Um am St. Ursel diesen Tag zu feiern. Sobald das Urtheil das Gericht gesprochen, Und sie zum Tode werden hingeleitet. Spießt Ihr des Kindes Leiche auf die Lanze, Herr Pan, und jaget durch die ganze Stadt. Mordio den Juden! heult der Chorus nach. Aus allen Häusern dringen die Geworb'nen, Und Echo findet dieser Ruf bei Allen! So sind mit einem Schlage beide Feinde, Der König und die Juden schwer getroffen — Pan (mit einem Becher.) Auf, spielt, ihr Leute — das ist meine Rache, Blast durch die Hörner, daß die Röhren brechen. Der Töne Rasen durch die Deckel dringt — (Die Spieler lassen die Hörner tönen.) Zu Pferde/auf, ich jage Euch voran. Den rochen Hahn auf qedes Juden Dach, Zerschmettert ihr Gebein, trinkt Blut, trinkt Blut, Der Letzte nieder vom verruchten Stamm — (Die Hörner werden immer schmetternder. Mitten inne schlägt eS zwölf Uhr.) Zum Angriff drauf, und wenn die Erde brechet Ob ihrer Last von Sterbenden und Tobten — Auf, in die Flammen jaget die Verdammten, Daß knisternd fprüh'n die Funken zu den Wolken! (Die Hörner fallen in die Feuersignale.) (Hinter der Scene:) Feuer! Feuer! Diener stürzen herein. Es brennt das Schloß, Feuer, rettet! Pan. Der letzte Jude sterbe in den Flammen! (Die Gäste kommen in Verwirrung. Alles rennt durcheinander. Weiber und Kinder laufen über di<Bühne und schreien Hülfe, rettet! Feuer! Alle eilen davon. Die Flammebricht schon durch den hintern Saal. Die Funken sprühen um den Pan.) Pan (ganz allein.) DasNst das Fest, das ich bereitet habe — Nichts von Erbarmen, Jungen, in die Flammen, Auf, stürzet diese Hunde in die Flamme! Jackol (kommt eilends.) Herr Pan, eilt fort, die Balken stürzen ein, Ihr seid nicht sicher eures Lebens hier.