Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 99 (23.11.1839)
- Date
- 1839-11-23
- Page
- Seite 609 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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609 Uebec seinen persönlichen Charakter so wie über sein talmudisches Wissen mag sich das Erfreulichste bestätigen; aber seine sonstige Fähigkeit wird sich nicht weit über das Deutschschreiben erstrecken!!! Einem solchen Manne soll man Ehrfurcht zollen! einem solchen Manne wird die Erziehung un-. screr Kinder anheimgegcben! ein solcher Mann soll den Glauben unsrer Vater lehren und beschirmen!!! Die schädlichen Folgen dieser übereilten That waren schon einige Tage nach der Ernennung bemerkbar. Die Besonnenen rügten, die Vorwartsstrebenden sträubten sich, die Heftigen schmähten, die Indifferenten lachen; die Orthodoxen aber drohen Jedem, und schüchtern Viele ein, da sie eine gewisse Macht besitzen. Andersdenkende zu verunglimpfen. Verhältnisse mancher Act haben das Vorschreiten der hiesigen Judengemeinde in Bildung und Gesittung verhindert. Es ist an der Zeit, das Versäumte nachzuholen und nicht durch einen, aller heutzutage nothwendigen Kenntnisse ermangelnden, unerfahrenen Rabbinen stehen zu bleiben. Der Landtag hält in unserer Mitte seine Sitzungen, und mit wahrhafter Liberalität wurde bereits Mehreres zu Gunsten der Israeliten in Ungarn beantragt und durchgeführt. Im letzten Nuntium wurde den Juden genehmigt, Gründe zu kaufen, mit der vorsorglichen Bedingung, daß sie entweder durch den Eigenthümer selbst, oder durch seine Glaubensgenossen bebaut werden. Noch wichtigere Zugeständnisse sind zu erwarten. Die Mehrheit der Ständetafel ist durchdrungen von dem Menschenrechte, welches Allen ohne Unterschied des Glaubens gebührt, und es steht uns, heut oder morgen, eine Aufnahme in den Bürgerverband bevor. Aber der Sinn dafür ist in unserer Gemeinde so abgestumpft, daß sich, meines Wissens, nicht Einer der hiesigen Gemeinde für unsre Interessen verwandte. Als wäre alles Gefühl für Besseres und Höheres ertödtet, oder es wird im Keime erstickt. Eine Geldaristokratie macht sich breit und wichtig. Wer Vermögen hat, der ist auch befähigt, unsere Gemeinde zu leiten, und das hat bei uns noch mehr Bedeutung, da unsre Vorsteher zugleich Richter sind, und viele Gewalt in Händen haben. Doch darüber ein andermal mehr. Dixi et aniuiam salvavi. « $ »»»«»»»»» Deutschland. Frankfurt am Main, 4. Nov. (Privatmitth.) Heute wurde unsere sogenannte Kleinklnderschule einfach und prunklos eröffnet. Herr Hochstädter, als Dirigent derselben, richtete einige treffliche Worte über Zweck und Tendenz der Anstalt, an das ziemlich zahlreich anwesende Publikum. Die innere Einrichtung derselben wird, wenn auch im Allgemeinen sich nach der rühmlichst bekannten Fröbelischen Methode accommendirend, dennoch mehrere, durch locale Verhältnisse hervorgerufene Modisicationen, erleiden müssen. ' Nach der sich bereits gezeigten Theilnahme an der Anstalt —* und wer könnte ihr diese versagen, wenn ec sieht die versammelte Schaar dieser lieben Kleinen,, ihr munteres Spiel, ihr liebliches Treiben, alles -dennoch sinnig geordnet, lehrreich geleitet — läßt sich die bereits bedeutende Frequenz von 2.0—25 Kindern, bald als eine gesteigertere erwarten. , Biel Sensation erregte hier das der jüngsten No. ihres. geschätzten Blattes bekgefügte Sendschreiben des Herrn Oberrabbinen Dr. Frankel an den Herrn Oberrabbinen Moses Sopher. So sehr das Factum selbst einen hoch schmerzlichen Eindruck hervorrief, indem es einerfeits, das Mitgefühl mit einem, der Partheifucht und dem Hasse unterlegenen Opfer; andererseits das compromittirte Ansehen eines 'stets als Muster von Rechtlichkeit und Frömmigkeit sich behauptenden Mannes gilt; so tröstend und kräftigend war wiederum der Eindruck, den das vom Geiste ächter Frömmigkeit und Wahrheitsliebe durchdrungene Sendschreiben ^des höchst ehrenwerthen Dr. Frankel in jedem wahrhaft israelitischen Herzen zurückließ. —. Hamburg, 31. Okt. (Privatmitth.) Zu allgemeinem und schmerzlichen Erstaunen wurde gestern der hiesigen Tempelgemeinde (in ihrem statutenmäßig durch's Loos gezogenen eröffnet, daß der Prediger Herr Dr. Kley, welcher feit Begründung des Tempels 1818 bei demselben angestellt und überhaupt wohl der älteste ordentliche israelitische Prediger in Deutschland ist, diese Stelle aufgekündigt habe und zu nächsten Peßach verlasse *). Das Comite, befragt ob diese Stelle wieder in gleicher Art besetzt, oder etwa dem andern Prediger Herrn Dr. Salomon blos ein Adjunkt beigegeben werden solle, entschied für die erstere Verfügung, Es ist also eine der interessantesten Stellen für jüdische Theologen vakant und ein ausgezeichnetes Predkgertalent findet einen glanzenden Wirkungskreis. Am 21. dieses ward hier zum erstenmal nach erfolgtem Urtheil der. Gerichte hiesiger Stadt ein Scherdungsact mors judaico vollzogen. Bisher mußten bei dergleichen, Gottlob seltenen, Gelegenheiten die Partheien sich an das Rabbinatsgerkcht in Altona wenden. °) Für's Ausland folge hier die Bemerkung, daß die vom Herrn Dr. Kley seit 21 Jahren mit so vielem Erfolge bekleidete Stelle eines Oberlehrers und Directors der hiesigen Freischule hiermit in keiner Verbindung steht. Literarische Nachrichten. Wien, 31. Okt. (Privatmitth.) Die k. k. wiener Zeitung vo m 12. Juli e n tbält folg.ende Notiz: Die Stadt Genua hat dem Dichter des romantischen Gedichtes: „Colombo" Hr. Ludwig Aug.ust Frankel, anden sie im, Jahre 1837, do. 28. Aug. Z. 1313 für die Feier ihres großew Sohnes ein eigenes Dankschreiben dckretirteeinen erneuerten Beweis ihrer Aufmerksamkeit geschenkt, indemsie ihm ein prachtvolles Eremplar des „Code.r Colombo" zufandte. Dieser enthält den. Abdruck aller Briefe, die der Admiral' mit den Souverainen wechselte, seines Testaments, seiner Privilegien, sein Portrait, F-acsimilc, Wappen und das Monument, das die Signoria in Genua, ziert, ist beigegeben. Das Werk 4to, Prachtvclin, ist aus Kosten der Stadt herausgegeben und wird nur zu- Geschenken an ausgezeichnete Personen von ihr verwendet". Paris, 30. Okt. (Privatmitth.) Im nächsten.Januar wird Herr Cahen. eine MönattSschri.ft, betitelt: ^relnves Israelitin, erscheinen lapen, welche insonders auch zum Zwecke haben wird, den Inhalt der Allg. Zeit, des Judenth. in den Gegenden Frankreichs bekannter z.u machen,, woman nur französisch liest.