Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 98 (16.11.1839)
- Date
- 1839-11-16
- Page
- Seite 603 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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603 muß aber mit dem, welcher sich diesem Fache widmen will, frühzeitig der Unterricht im Hebräischen begonnen und fleißig betrieben werden, wenn er es darin zu etwas Tüchtigem bringen soll; und da Lust und Fähigkeit zu einem Fache erst entwickelt werden-müssen, und sich später erst zeigen können, so könnte, wenn die Lust zu diesem Fache in einem Knaben entstände, es zur Erlangung der Fähigkeit zu spät sein, wenn nicht von vorn herein die Einrichtung getroffen wäre, daß jeder israelitische Knabe im Hebräischen unterrichtet werden soll. Ich glaube nun auch gezeigt zu haben, daß das Übersetzen der hebräischen Gebete als.Lehrgegenstand in den israelitischen Schulen Abneigung und Widerwillen gegen das Gebet selbst erzeugend, geisttödtend sek, und daß die Schule, anstatt sie Herzensfrömmigkeit und frommen Sinn bei der Jugend erwecken soll, sie dieselbe dadurch dahin leitet, daß bloßer .Lippendienst und leeres Geberdenspiel ihr genüge. Wozu also noch länger etwas zum Gegenstände des Unterrichts an den Schulen beibehalten, das nur zeitraubend ist, die Mühen des Lehrers und des Lernenden vermehrt und für den Letztem durchaus von keinem bleibenden Nutzen oder Vortheil, für den lebendigen frommen Sinn und wahre Frömmigkeit aber nicht ohne nachtheilige Folge ist? —- Heidelberg, Oktober 1839. Archäologie. Die Gastmähler der alten Hebräer. Von Simon Hainsfurth, Rabbiae. .. . Bis die Gesellschaft gänzlich zugegen war, unterhielten sich die allmahlig angekommeüen Gaste bei vollen Bechern, im Speisesaak, worauf sie sich dann auf Ruhebetten begaben, denn sie hatten wie die Römer, die Gewohnheit, auf Ruhebetten zu speisen, und im Liegen den. Obertheil des Körpers auf den linken Arm zu lehnen. Dieses hieß ü^aiDw. (Berachot 43. 1. Per. 6. Misna 6. Bartanura). Ein jeder der Gäste bekam ein besonderes Ruhebett, die so geordnet wurden, daß immer drei und drei, in der Gestalt eines hebräischen Beta, zu stehen kamen. In dem Zwischenräume hatte jeder Gast auch ein besonderes Tischchen. (Berachot 47. 2. Tosefot). Sie hatten also im Sprechen nicht die Beschwerlichkeit wie die Römer, wodrei Personen ein Ruhebett eknnahmen, und der Oberleib des Einen die Füße des Andern bedeckte; wenn., daher einer mit den andern sprechen wollte, so . mußte der Zweite seinen Kopf auf die Brust des Ersten zurückbeugen, in sinn recimibere. — Der Ehrenplatz war das mittlere Ruhebett, welches nach der Rangordnung, aber nur bei Gastmählern, dem Aeltesten das zue Rechten, bei dessen Haupte, den Jüngern, und das zur Linken, bei den Füßen des Erstem, .dem Jüngsten angewiesen wurde. (Berachot 47. 2 Tosefot). — Ob sie auch wie die Römer ein besonderes Tischkleid anzogen, läßt sich nicht Nachweisen. Bei festlichen Gastmählern, als Hochzeiten u. d. g. wurden besonders das Haupt der Braut und des Bräutigams mit Kränzen, wie bei den Römern, geschmückt. Eine solche Bekränzung nannten sie coronam, (Sota 49. Gkttin 7. gegründet auf Jecheskel 21, Smochot). •— Nachdem die Ruhebetten eingenommen waren, wuschen, sie die Hände und trockneten dieselben nach Sitte der Römer, mit einer Serviette, mappa, ab, die sie auf ihren nöa legten (Berachot Per. 8. Misna 3.) Nun begannen sie die Mahlzeit mit Gebeten. Die Römer hatten auch .bei den Gebeten die Libatio, welche den Juden ihr Glauben nicht nur untersagte, sondern auch die vapes libatas, und den Wein mit bibo tibi zu genießen verbietet. Ersteres heißt Snntt "-nar und letzteres p. Die Mahlzeit inWö bestand wie bei den Römern, aus drei Abtheilungen. Die erste war das Voressen ms1-]*) und bestand in Speisen, die den Appetit reizen, als m Eyern, gesalzenem Fleische und Fischen rc. Die zweite Abtheilung, welche eigentlich die Hauptmahlzeit war, enthielt die Hauptgerichte, die vorzüglich in zubereitetem Fleische bestanden ^naa aVa NNE pa. Die dritte Abteilung war der Nachtisch. Dieser enthielt das Dessert. Die Gerichte desselben hießen gleichfalls nisaa,.und bestanden in Früchten, Backwerk u. d. g. (Berachot Per. 6. Misna 5). Dabei wurde Wein aufgesetzt, denn während der Mahlzeit wurde wenig oder gar kein Wein getrunken (Berachot P. 6. Misna Ehe man den Wein trank, vermischten sie denselben wie die Römer, mit Wasser iniscebatur pnn« pnn (Sabbat Per. 8. Misna L) — Die Bedienung der Tafel wurde von keinem Sklaven, "wie bei den Römern, sondern von einem besondern tiiaiö versehen (Berachot 52. 2.) — Die Unterhaltung , der wahrend der Auftragung der Speisen, denn beim eigentlichen Genüsse derselben sprachen sie Nichts naiÄva: pN''va -pdr, bestand in freundschaftliches Gesprächen und gelehrten' Unterredungen. Später gestaltete sich ihre Unterhaltung nach römischem Gefchmacke, und führten sie Musik, Gesang, Tanz und Spiel ein, weliches von den Propheten sehr gerühmt wurde. — Wenn sie genug gegessen und getrunken hatten,, und abgedeckt wurde, wuschen sie