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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-11-16 · Heft 98 (16.11.1839) · p. Seite 602

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 98 (16.11.1839)
Date
1839-11-16
Page
Seite 602 (sequence 14)
Language
German
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602 Vsrtheil verschafft, setzt dasselbe auf^ keine Weise fort, und was er von dieser Sprache in der Schule erlernt hatte, - wird, wenn er aus derselben entlassen ist, nicht geübt; die so auf Credit und Glauben angenommene, nicht grammatisch begründete, also bloß dem Gedächtnisse anvertcaüte Uebersetzung verschwindet bald wieder aus demselben, und wird kaum erlernt, wieder vergessen. — Auf den Einwurf, dieses wäre der Fall gewesen, bevor wir wohl eingerichtete israelitische Schulen hatten, erwiedere ich: Zu jener Zeit wurde die israelitische Jugend nur mit hebräischen Lehrgegenständen beschäftigt, und es stand dennoch auch damals um die Kenntniß des Hebräischen, und um das Verstehen desselben bei den Besuchern der Synagoge um nichts besser als jetzt; im Gegentheile, von den jetzt bestehenden Schulen, die doch wenigstens die Hälfte der Schulzeit auf den Unterricht in anderen, zeitgemäßen Lehrgegenständen zu verwenden haben, kann mit Recht gar nicht erwartet werden, daß die Kinder nur eben so viel vom Hebräischen wissen sollen, als ehemals, wo noch auf das Erlernen desselben die ganze Zeit und Kraft einzig und allein verwendet wurde. — Das Uebersetzen der hebräischen Gebete als Lehrgegenstand in den . Schulen ist aber auch Geist tödtend, und übt nachtheiligen Einfluß , auf den frommen Sinn der israelitischen Jugend. Es ist schon gesagt worden, daß es 'ein für Lehrer und Schüler sehr mühevolles und zeitraubendes Geschäft sei. Bei der bereits angegebenen, dabei üblichen Methode verfließt gar manche Lehrstunde und muß der Lehrer — was bei Lehrgegenständen der Religion nicht geschehen sollte — nicht selten zu Strafmitteln seine Zuflucht nehmest, bis das Kind, ein hebräisches Gebet mit der vom Lehrer ihm vorgesagten Übersetzung nach sagen kann. Denn mehr als ein Vor- und Nachsagen ist es in keinem Falle. — Dabei wird das Gebet zum bloßen, sprachlichen Uebersetzungsthemaherabgesetzt; das mühsam Eingelernte kann dann spater nimmermehr auf Herz und Gemüth d§s Betenden jene wohlthatige Kraft äußern, .welche uns dankbare Gesinnungen gegen den Geber aller Gaben einflößt, mit bescheidener Genügsamkeit uns das reichere oder geringe Maaß von Freuden genießen und uns des Verliehenen freuen laßt; kann nimmer lriehr uns jene. Stärke verleihen, welche zum. frommen Dulden und Tragen der widerwärtigen Begegniffe im Leben so .nöthig ist, die unfern Geist über . Zeit und Vergänglichkeit erheben, und in seiner Hoffnung auf das unwandelbare Ewige ihn kräftigen muß. — Man sage nicht, auf diese; Weife , würde selbst die heilige Schrift, welche die israelitischen Knaben, .ja.auch nach dergleichen Methode zu übersetzen angehalten werderr,in.den israelitischen Schulen zum Uebersetzungsthema herabgcwücdigt —; denn eist Anderes ist Beten und ein Anderes im - Worte der Schrift Belehrung--suchen —und wer will es läugnen, daß die israelitische Jugend in der früheren Zeit überhaupt bei weitem keine so richtige Kenntniß der heiligen Schrift hatte, als die israelitische Jugend unserer Zeit hat? — Jene sollte eben durch dieses Uebersetzen zu der Kenntniß derselben gelangen, und ging dabei leer aus •— diese erlangt ihre Bibelkenntniß wahrlich nicht durch dieses Uebersetzen, sondern sie schöpft sie aus den biblischen Auszügen und den guten Ueberfetzungen der Bibel in der verständlichen Muttersprache, welche ihn frühzeitig an die Hand gegeben, mit ihr gelesen und ihr erklärt werden. — Diejenigen alle, welche Schönes und Erhebendes in bem täglichen hebräischen .Gebetbuchs zu finden wissen — und zu. diesem zählt Schreiber dieses auch, sich — sind in der Schule nicht zum Uebersetzen der Tefila angehalten worden. Sn unserer frühern Kindheit hatten wir täglich aus diesem Buche die täglichen Gebete gebetet, wir konnten sogar die meisten auswendig hersagen, ohne daß wir darum noch eines davon übersetzen konnten. Später als wir in das männliche Alter kamen, konnten wir sämmtliche Gebete., übersetzen, weil wir von unserm- Kindes- bis unserm Mannesalter in der Schule und zu Hause „bei unserm Niederlegen und bei unserm Aufstehen", im Pentateuch, in den Propheten und Psalmen, in der Mischna und überhaupt in allerlei Rabbinenschriften gelesen und übersetzt— oder wie man sich auszudrücken pflegte— „weil..wir gelernt" —haben. — Wer dem Hebräischen nicht so oblag und es nicht auf diese Weise fortsetzte, der hatte auch in der früheren Zeit die Gebete nicht übersetzen können, so wenig als unsere Jugend wird übersetzen können, die sie in der Schule übersetzen lernen soll, aber das Hebräische nicht fottsetzt, sobald sie aus derselben entlassen ist. Zum Schlüsse, so wäre gar das. mündliche Uebersetzen. der heiligen Schrift, welches' als Lehrgegenstand für dleKnaden in den israelitischen Schulen besteht/ unnütz und fruchte los, ist nichts entgegen zu halten als: dieses muß. als Lehrgegensiand um derjenigen Knaben willen beibehalten werben/ welchesich etwa, .dem L ehrfache widmen möchten.^ -Dev israelitische Religionslehrec ssoll mit der Sprache "und den Urkunden gut bekannt.! fein/ in welchen die Lehren seiner Religion nkedergeschrieben sind« Zumal die Lehrer, wie^d^ israelitische Religkonsgeschkchte älterer und neuester Zeit.zekgt^ das fortschreitende Prinzip» in der Synagoge.darstellen,, und die nöthkge. Opposition gegen die Rabbinen, welche meist das? Conservcttive und Stabile in ihr reprasentiren, bilden, und sie so gegen, todte und tödtende Stagnation bewahrend .W

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