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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1839-11-16 · Heft 98 (16.11.1839) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
3 (1839)
Issue
Heft 98 (16.11.1839)
Date
1839-11-16
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Literatur. Archäologie. Homiletik. P ädagog » k. Das Uebersetzen der hebräischen Gebete als Lehrgegenstand an den israelitischen Schulen*). Von Dr. Rehfuß. Das Uebersetzen der Hebräischen Gebete wird unter die Lehrgegenstände gezählt, in welchen, in den israelitischen Schulen Unterricht ertheilt wird. Da Schreiber dieses der Ansicht ist, daß dieses Uebersetzen als Lehrgegenstand eine Zeit- Verschwendung und sogar dem lebendigen frommen Sinn der Jugend nachtheilkg sei, so spricht er'hier feine Ueberzeugung, wie sie ihm im Herzen lebt, aus, Berichtigung von seinen lieben Amtsbrüdern oder ihre Zustimmung erwartend; indem er versichert, daß im ersten Fall überzeugende Belehrung ihm willkommen sein wird, im zweiten Falle aber bittet er, daß anerkannte Schulmänner ihre Stimme mit der seinigen vereinigen möchten, um einen Lehrgegenständ aus unseren Schulen zu entfernen, der einen Theil der Zeit raubet, die besserem Wissen geheiligt ist. — Die Verfahrüngsart bei diesem Uebersetzen ist genau folgende: das hebräische Wort wird vom Schüler ausgesprochen und vom Lehrer übersetzt, oder besser der Lehrer paßt dem hebräischen Worte ein'deutsches an und der Schüler muß jenes Wort mit dem angepaßten Deutschen so oft und so lange,' therls einzeln, theils im Satze wiederholen, bis er beide, wie sie ihm gegeben worden, hersagen, oder n a ch s a g e n kann. Lehren und Lernen sind dabei gleich außerordentlich mühsam und fordern einen großen Zeitaufwand.' Der Unterricht beruht nicht auf vorausgeschickten grammatischen Regeln, und kann nicht darauf beruhen erstens, weil dieses Uebersetzen schön mit den Kindern angefangen wird, ehe sie in das Alter treten, in welchem ihnen Unterricht in der Grammatik ertheilt werden kann; zweitens^ weil dieses Uebersetzen auch mit der weiblichen Jugend vorgenommen wird, die niemals Unterricht in der hebräischen Grammatik erhalt; und drittens, weil die hebräischen Gebete .Wörter und Wörterformen enthalten welche die Grammatik der hebräischen Sprache nicht nachweist. " •) Wir sind erbötig, gut geschriebene Entgegnungen gegen diesen Aufsatz, im Sinne des Herrn Verf. selbst aufzunehmen, wie wir zugleich bemerken, daß die Entgegnungen „überdaS jü? disch-deutsche Schreiben" in einer der nächsten Nummern abgedruckt werden. D. Redakt. Dieses Uebersetzen wurde hauptsächlich wegen der Mädchen zum Hauptgegenstande in den israelitischen Schulen gemacht. Denn die Knaben übersetzen auf die gleiche oben beschriebene Weise, fast täglich so lange sie in der Schule sind, auch aus der hebräischen Bibel, und erhalten, wenn sie etwas im Alter mehr voran gerückt-sind, noch überdies Unterricht in der Grammatik der hebräischen Sprache. Den Zweck, den man durch dieses Uebersetzen erreichen will, ist Verstehen der hebräischen Gebete, damit beim Gottesdienste „sie den Herrn nicht blos mit den Lippen verehren und ihr Herz fern von ihm sei." — Und wird, dieser Zweck auch erreicht?— durchaus nicht! — Die Erfahrung lehrt, daß von 100 Kindern, welche in der Schule den größten' Theil der Gebete aus dem hebt, tagli-- chett Gebetbuche vollkommen richtig (wie man das so zu nennen pflegt) übersetzt haben, kaum Eins zu finden sei, welches Ein Jahr, nach dem es aus der Schule entlassen ist, noch im Stande wäre- Ein Gebet zu übersetzen.- Der israelitische Knabe muß, wenn er aus der Schule entlassen wird, sich für einen bürgerlichen Beruf tüchtig machen; das. Mädchen wird von den häuslichen Geschäften und Pflichten in Anspruch genommen; sie haben zum Uebersetzen-aus dem Hebräischen weder Zeit noch Lust, und sehen sich im praktischen Leben dazu nicht, aufgefordert und nicht angehalten. Denn selbst der öffentliche Gottesdienst, wo die hebräischen Gebete verkommen, macht ihnen das Verstehen dieser Gebete nicht nothwendig, da eine stumme Anwesenheit schon genügt, und mehr als eine bloße Lippenthatigkeit hi e'r niemals gefordert (??) wird. — Man weiß es, daß von den in der ' Synagoge versammelten Familienvätern, mit Ausnahme der Lehrer, Rabbknen und derjenigen Wenigen, -west che als Ge'lehrte in dm rabbinischen Kenntnissen gellen wollen (eine Classe, die in unserer Zeit immer weniger wird), auch nicht Einer ist, der nur ein einziges von den hebräischen Gebeten, die ihnen die Synagoge vorlegt, übersetzen kann, und dieses darf die Wahrheit des einen Theils meiner Behauptung vollgiltig beweisen, daß das Uebersetzen der hebräischen Gebete als Lehrgegenstand an den israelitischen Schulen ein unnützes, fruchtloses Geschäft, eine reine Aektverschwendung sei. Der israelitische Jüngling,, da er sich nur mit Dingen beschäftigt, welche ihm im Leben praktischen Nutzen darbieten, das Hebräische aber in der Conversation ihm keinen

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