Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 3 (1839)
- Issue
- Heft 98 (16.11.1839)
- Date
- 1839-11-16
- Page
- Seite 600 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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600 Anwesende beugten sich achtungsvoll vor ihm. Er setzte sich in -ie Ecke eines Divans, den Ehrenplatz im Orient, und alle kamen, um ihm die.rechte Hand zu küssen. Bald jedoch setzte sich die Mengt-'mit dem Rabbinen in Bewegung, um sich nach dem Hause der Braut zu begeben. Der junge Bräutigam befand sich mitten im Zuge, und zwei Greise führten ihn an der Hand. Das Singen von Psalmen hörte in der Straße nicht auf und dauerte fort bis. zum Hause des jungens Mädchens. Hier sahen wir ein Zimmer, das für die Frauen, und eins, das für die Männer bestimmt war. Die Braut, vom Kopf bis zu dcnFüßen mit einem langen, weißen, goldgestickten Schleier bedeckt, saß auf einer erhöhten Estrade, einen Kreis von bejahrten Frauen und jungen Mädchen um sich her. Zur Seite auf einem Lisch stand ein silbernes Gefäß, worin jeder seine Gabe niederlegte. Der junge Mann gab seinerseits eine silberne Schüssel im Kreise der Frauen herum, und alle gaben ihm ein Stück Geld. Hierauf beschränkte sich die Ceremonie des ersten Tages. Am folgenden Lage war das Haus der Braut mit Menschen angefüllt; Verjünge Mann, begleitet von zwei Greisen, trat in da- Zimmer der Braut, die noch immer verschleiert war, steckte ihr den Trauring an den Finger, und sprach dabei die lauten Worte: „Sei mir geweiht durch diesen Ring nach dem Gesetze MoseS und Israels l" Dann reichte einer dem Rabbinen ein Glas mit Wein, das dieser austrank, und dann auf einer Silberplatte zerbrach. Dies ist vorgeschrieben, um die Freude durch einen leichten Unfall zu mäßigen, denn seit der Zerstörung Jerusalems glauben die Juden kein Vergnügen ohne bittere Beimischung genießen zu können. Als das GlaS zerbrochen war, ließen hundert Stimmen den Saal von frommen Gesängen ertönen. Griechische Musiker mit Geigen, Hackbretern, Flöten und kleinen Guitarren vermengten mit den Gesängen des königlichen Propheten eine Melodie, die gewiß Niemand leicht errathen würde, — die der Parisienne! Die .dritte und letzte Ceremonie ist die kürzeste, die Braut begab sich, gefolgt von mehreren Frauen, in das Haus des jungen Mannes. Beide stellten sich dort neben einander auf, der Rabbine breitete einen großen, weißen Schleier über sie aus, und las den Heirathsvertrag mit lauter Stimme. Dann trat das Mädchen, von zwei Frauen gestützt, mit kurzen Schritten in die bräutliche Kammer; hier schnitten ihr zwei Matronen die Haare ab, oder flochten sie so *), daß man sie nicht mehr sieht, denn eine jüdische Frau im Orient darf nach der Heirath keinem Fremden mehr ihre Haare zeigen. Bei den meisten Völkern des Orients heirathen sich junge Leute, ohne sich jemals gesehen zu haben. Diese Sitte herrscht auch bei den Juden. *) Dies ist gewiß das Richtige. D. Red. Anzeiger. 3n demselbm werden Annoncen aller Art gegen 1 Gr. Gebühren für die gespaltene Zeile aus Petit-Schrift oder deren Raun» ausgenommen. Die Verlagshandlung. Ankündigung und Einladung zur SuLscription auf düs wohlgetroffene BLldniß des Herrn Dr. Ludw i g Philippson, Geistlichen an der israelit. Gemeinde zu Magdeburg, nebst dessen Facsimite. Treu nach dem Leben gezeichnet von Helft, lithographkrt im königl. lithographischen Institute zu Berlin. Um die Anschaffung dieses Bildnisses zu erleichtern, lassen wir bis ultimo Januar 1840 einen Subskriptions- Preis von 16 ggr. für ein Exemplar auf weißem Papier, 1 Thlr. . . . . . . . -chinesischem Papier, fortbestrhen. Der darauf eintretende Ladenpreis wird sein: 1 Thlr. für ein Exemplar auf weißem Papier,. 1-5- - . . . . . . chinesischem Papier. Jede solide Buch- und Kunsthandlung des In- und Auslandes nimmt Bestellungen an, und werden wir auf 12 auf einmal genommene Exemplare ein 13. gratis liefern. Magdeburg, im November 1839. Cäsar Mazzucchi's Buch-und Kunsthandlung » ’ ■ * ■; * Stellengesn ch. Ein Kantor und Schächter, Preuß. Staatsbürger, unverheirathet, der über seine Aufführung mehrere Atteste bekbringen kann, den besten Ansprüchen entspricht, und dem Redakteur persönlich als befähigter Vorsänger bekannt ist, wünscht zu Ostern k. I. eine Anstellung in einer bedeutendem Gemeinde, als die, in welcher er augenblicklich placirt ist. Offerten an die Redaktion unter F. 1. r. zu richten. Ein schon mehrere Jahre fungirender unverhekratheter, Vorbeier, der eine sehr angenehme und volle Stimme hat, den Gottesdienst für's ganze Jahr (incl. auf die herkömmliche Weise gut leiten kann, auch nicht ganz ohne musikalische Kenntnisse ist, eventuell auch im Hebräischen und Deutschen unterrichten kann, wozu ec die besten Zeugnisse beibringen will, sucht auf Frühjahr in einer nicht unbedeutenden Gemeinde unter annehmbaren Bedingungen eine Anstellung. Berücksschtkgende belieben sich in frankirten, Briefen unter Chiffre M. I. an die Verlagshandlung zu wenden.